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Balsam für die Seelen

Greifswald Balsam für die Seelen

Das Blasorchester Greifswald feiert am Sonnabend mit einem Festkonzert sein Jubiläum

Greifswald. Als Torsten Lüth gerade ein Jahr jung war, machten sich in Greifswald Gertrud und ihr Mann Günther Frank daran, ein Jugendblasorchester zu gründen. Jetzt ist Lüth selbst seit 35 Jahren Mitglied des Ensembles, mittlerweile mit zwei Instrumenten: Er spielt Tuba, und die Werbetrommel rührt er als ehrenamtlicher PR-Manager des Orchesters.

Letzteres gerade besonders intensiv: fürs Jubiläumskonzert des Enthusiasten-Orchesters zum morgigen 45-jährigen Bestehen um 17 Uhr im Kulturbahnhof Greifswald. Ein „besonders schwungvolles Programm“

habe der künstlerische Leiter Klaus Listemann zusammengestellt, freut sich Peter Hingst (55), der im März gewählte neue Vereinsvorsitzende des Blasorchesters Greifswald – lauter Musik rund ums Thema Wasser: von Händels „Wassermusik“ über Doldingers Filmmusik zu „Das Boot“ bis zur „Kleinen Meerjungfrau“. Das Stück „Mit Elan“, der erste Marsch des Ensembles, den es seit seinem Debüt 1972 als Dauerbrenner stets im Repertoire hatte, steht gar nicht im offiziellen Teil des Programms. „Wird aber gespielt, wenn Zugaben gefordert werden“, sagt Hingst lachend. „Mit Elan“ – das Motto erwies sich als tragfähig durch die Zeiten und ihre Umbrüche. Elan war wichtig, als das Ensemble 1972 als Pionierblasorchester in Greifswald gegründet wurde. „Blasmusik ist Balsam für die Ohren / Blasmusik bringt Stimmung in die Welt“, trällerte DDR-Schlagersängerin Rosemarie Ambé damals schon seit zwei Jahren auf allen Ost-Kanälen. Auch sonst schien Blasmusik damals Konjunktur zu haben, wie auch in Rostock mit dem 1969 als Pionierblasorchester gegründeten und bis heute aktiven Jugendmusikkorps zu erleben war.

In Greifswald half 1972 neben engagierten Lehrern das Kernkraftwerk Lubmin bei der Gründung. Es stellte Instrumente aus seinem Bestand zur Verfügung, erinnert sich die heute 86-jährige Gründerin Gertrud Frank. Anfangs hatte man 30 Schüler. „Durch ständige Bemühungen kamen wir bald auf insgesamt 110 Mitglieder (großes Orchester, Nachwuchsorchester und Anfänger)“, erinnert sich die pensionierte Musiklehrerin.

Von Anfang an war das Repertoire vielseitig. „Zu DDR-Zeiten war ein Puhdys-Medley der Hit bei uns“, erinnert sich Torsten Lüth. Ein Budapester Orchester überließ ihnen die Noten zu Dixie-Märschen, und seit der Wende gab es viele neue Impulse durch die Zusammenarbeit mit dem Blasorchester der Partnerstadt Osnabrück.

Heute umfasst die Mitgliederdatenbank, die allerdings nicht ganz vollständig ist, über 500 Namen aus der Geschichte des Blasorchesters, sagt Lüth. Aktuell stehen am Abend an die 50 Musiker auf der Bühne. Knapp 90 Mitglieder hat der Verein insgesamt, zum Ensemble gehört ein kleines Nachwuchsorchester für Fünf- bis Zehnjährige.

Häufig treten auch Ehemalige mit auf. Am Workshop zur Vorbereitung auf das aktuelle Konzert trafen sie Anfang Mai auf Burg Stargard wieder zusammen: Greifswalder Bläser und einige Ehemalige, die es durch Studium oder Beruf in andere Gegenden der Republik verschlagen hat und die doch nicht lassen können von ihrer Truppe. Wie ein großes Familientreffen, bestätigt Torsten Lüth.

„Es gibt bei uns sogar Kinder von ehemaligen Mitgliedern, und eigentlich warten wir jetzt auf das erste Enkelkind“, lacht der studierte Diplomkaufmann. Beim Vereinsvorsitzenden Peter Hingst war das etwas anders. Denn eigentlich war es seine Tochter, die Saxofon lernen wollte, und er ging nur anfangs als Begleiter mit. „Aber inzwischen ist sie längst wieder weg, und ich bin das zwölfte Jahr als Saxofonist dabei“, sagt Hingst. Der Krankenpfleger, der im Hauptberuf als Pflegevorstand die gesamte Krankenpflege der Greifswalder Uni-Medizin organisiert, bestätigt gern, wie gesund sein Hobby ist:

„Alles, womit man die Lungen fordert, ist gesund, also Sport, aber auch das Blasen. Und dann gibt es ja viele Studien darüber, wie gut sich musikalische Betätigung auf geistiges Wohlbefinden, Konzentration und Gedächtnis auswirkt.“ Also doppelt gesund.

Und natürlich, diese Stimmung ist beim Jubiläumskonzert zu erwarten, ist es reinste Lebensfreude. Sogar sexy. Wie trällerte doch einst Rosemarie Ambé: „Blasmusik hält mich gefangen / Und ich spüre ein Verlangen / Ungeniert, wenn die Musik marschiert / An eine große Tuba zu gelangen.“

Info:

Festkonzert des Blasorchesters

Greifswald, am Sonnabend, dem

20. Mai, 17 Uhr auf dem Kulturbahnhof in Greifswald. Restkarten gibt

es an der Abendkasse.

Dietrich Pätzold

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