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Beim Klavierspielen die Welt ringsherum vergessen

Musik Beim Klavierspielen die Welt ringsherum vergessen

Hannah Kamischke (16) aus Neustrelitz und Katharina Günther (17) aus Stolpe üben seit Oktober gemeinsam für „Jugend musiziert“. Am 17. Januar starten die Regionalwettbewerbe in Torgelow.

Als sie das erste Mal zusammen geprobt haben, waren beide skeptisch: Passen wir überhaupt zusammen? Kann das gut gehen? Was ist, wenn wir uns nicht mögen? Aber die Zweifel hielten nicht lange. Seit Oktober proben Hannah Kamischke und Katharina Günther für den Wettbewerb „Jugend musiziert“. In der Kategorie „Klavier vierhändig“ spielen sie den ersten und vierten Satz von Schumanns „Bilder aus Osten“, eine Mozart-Sonate und ein modernes Stück des 2010 verstorbenen Komponisten Reinhold Finkbeiner. „Wir üben einmal pro Woche beim Unterricht in der Musikschule in Neustrelitz. Darüber hinaus proben wir mindestens zwei, drei Mal pro Woche während der Mittagspause. Wir besuchen beide dasselbe Gymnasium und die Musikschule ist direkt um die Ecke“, sagt Katharina. Klar, dass man sich durch das häufige Üben auch anfreundet. „Sonst wäre es auch schwer, so viel Zeit miteinander zu verbringen, wenn man sich nicht leiden kann“, sagt sie.

Beide besuchen die Musikschule Concentus in Neustrelitz. Hannahs Lehrerin ist Sibylle Schade, Katharina lernt bei Brunhilde Kappel. Jede setzt andere Akzente. „Gerade beim Tonanschlag hat man am Anfang deutliche Unterschiede rausgehört. Aber mittlerweile harmonieren wir gut miteinander“, berichtet Hannah. Das ist auch wichtig, schließlich ist das Zusammenspiel eins der Kriterien, worauf die Jury beim Vorspielen in Torgelow achtet. Außerdem bewerten die Fachleute, in der Regel sind es Musikschullehrer, technische Fertigkeiten und die künstlerische Interpretation. Der eigene Lehrer sitzt übrigens nicht in der Jury, während sein Schüler vorspielt. „Es soll Unabhängigkeit gewährleistet sein“, sagt Volker Ahmels, Leiter des Schweriner Konservatoriums und Vorsitzender des Landesausschusses „Jugend musiziert“. Mitunter gehören auch Musik-Pädagogen aus Schleswig-Holstein, Hamburg, Berlin oder Brandenburg zur Jury der Regionalausscheide.

Was „Jugend musiziert“ auch von anderen Wettbewerben unterscheidet, sind die Auswertungsgespräche mit der Jury. Wer ein Feedback haben möchte, meldet sich an. „Die Jury spricht nicht nur über das, was der Teilnehmer ihnen eben geboten hat, sondern gibt auch allgemeine Tipps, etwa über das Instrument, die Literatur oder zur Berufswahl“, sagt Pressesprecherin Susanne Fließ. Eigentlich soll es diese Beratungen auf Regional-, Landes- und Bundesebene geben. „Manchmal gibt es aber so viele Teilnehmer, dass dafür nicht genügend Zeit bleibt“, sagt sie. An ein solches Gespräch hat Katharina, die schon mehrfach bei dem Wettbewerb mitgemacht hat, keine schönen Erinnerungen. „Vor drei Jahren beim Bundesfinale in Stuttgart hat uns die Jury richtig niedergemacht. Das Urteil war echt hart. Danach habe ich für einige Wochen erst mal den Spaß an der Musik verloren“, sagt sie. Ihre Lehrerin Brunhilde Kappel bestätigt das. „Es blieb nichts Positives übrig. Sie ging mit dem Eindruck raus, dass sie nichts kann. Im Landeswettbewerb wurde Katharina sehr gelobt, das war ein schwerer Absturz.“ In den Wochen danach hat sie ihre Schülerin an ihre Stärken erinnert, ihr gesagt, was sie kann. So entdeckte Katharina die Freude am Tasteninstrument wieder. Ihr Motto: „Ich spiele schon so lange. Das lasse ich mir nicht kaputt machen.“ Wenn sie heute Klavier spielt, dann ist es wie ein Zufluchtsort: „Dabei vergesse ich Hausaufgaben oder Klausuren. Ich bin total in der Musik drin“, sagt die 17-Jährige aus Stolpe bei Neustrelitz.

„Jugend musiziert“ kann dazu beitragen, die Bindung zwischen Musiklehrer und -schüler zu festigen. Schließlich ist es eine Ausnahmesituation, vor einer unbekannten Jury zu spielen und anschließend vielleicht von ihr bewertet zu werden. „Die Freude an der Musik sollte immer an erster Stelle stehen“, sagt Volker Ahmels. Das ist auch für die Schülerinnen des Neustrelitzer Gymnasiums „Carolinum“

das Wichtigste. Beruflich wollen die zwei damit später aber nichts zu tun haben. Katharina möchte Medizin studieren. Hannah weiß noch nicht, was sie mal macht. Fest steht: „Als Berufsmusiker wäre der Druck zu groß.“ Weitere Teilnehmer: Seite 3

 



Grit Schreiter

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