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Kultur Bekannt, doch lange verkannt
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00:00 07.02.2017

Sie malte Bewohner des Armenhauses, Bauernkinder und -frauen, Worpsweder Landschaften. Als erste Künstlerin überhaupt schuf sie ein Selbstporträt als Akt.

Das Bucerius Kunst Forum Hamburg zeigt die Malerin Paula Modersohn- Becker als Wegbereiterin der Moderne.

Paula Modersohn-Becker (1876- 1907) war unangepasst und mutig. Landschaften malte sie nicht wie ihre Zeitgenossen naturgetreu, sondern sie komponierte sie. Modersohn-Becker lebte in einer Zeit, in der Frauen nicht viel zugetraut wurde. Schon gar nicht eine ernsthafte künstlerische Tätigkeit. Trotzdem biss sie sich durch.

Auch Menschen, die sich nicht für Kunst interessieren, kennen ihren Namen. Bei Kunstkennern aber habe sie keinen besonders guten Ruf, sagt der Kunsthistoriker Uwe M. Schneede. Die Ausstellung „Paula Modersohn-Becker – Der Weg in die Moderne“ im Bucerius Kunst Forum, die er gemeinsam mit Kathrin Baumstark kuratiert hat, soll ihr Bild zurechtrücken und ihre „herausragende künstlerische Bedeutung“

würdigen.

Ihr kurzes Leben – Modersohn- Becker starb mit 31 Jahren – hat viele Menschen bewegt. Die Ausstellung nimmt aber weniger ihre Geschichte als ihre künstlerische Leistung in den Fokus. Besucher werden von einem wandfüllenden Foto der Malerin, das sie in ihrem Atelier zeigt, empfangen. An einer weiteren Wand geben Zitate aus Briefen Modersohn-Beckers einen Eindruck davon, wie sie dachte, womit sie sich beschäftigte und wie sie empfand. „Ich fühle jetzt Liebermann, Mackensen und Consorten. Sie alle stecken noch viel zu sehr im Konventionellen. Unsere ganze deutsche Kunst“, schrieb sie im Mai 1900 ihrem Ehemann Otto Modersohn.

Etwa 80 Arbeiten werden in der Schau gezeigt, rund 60 Gemälde und 20 Zeichnungen und Grafiken. Landschaftsbilder, Porträts, Selbstbildnisse, Stillleben. Gute Bekannte sind darunter, wie das „Selbstbildnis am 6. Hochzeitstag“, das sie nackt mit Schwangerschaftsbauch zeigt. Andere Bilder waren noch nie öffentlich zu sehen.

Vor allem in ihren Kinderbildern bildete Paula Modersohn-Becker einen ganz eigenen Stil aus. Die Gesichter sind – wie auch in ihren Porträts – bisweilen scharf modelliert, bisweilen aber auch maskenhaft vage. Die „Zwei Mädchen an einem Birkenstamm stehend“ (um 1902), mit dickem Pinselstrich auf das Wesentliche reduziert, geben dafür ein Beispiel.

Paula Modersohn-Becker werde bis heute mit Worpswede identifiziert, sagt Schneede. Dabei habe sie ihre künstlerischen Impulse nicht in der niedersächsischen Provinz, sondern bei ihren Aufenthalten in Paris erhalten. Zwar sei sie aus persönlichen Gründen nach Worpswede zurückgekehrt, „aber Paris wurde ihre zweite Heimat“.

Paula Modersohn-Becker, in Dresden geboren, wächst in Bremen auf. Mit 16 Jahren erhält sie ihren ersten Zeichenunterricht. Auf Drängen der Eltern besucht sie das Lehrerinnen-Seminar in Bremen, arbeitet aber weiter an ihrer künstlerischen Ausbildung. 1901 heiratet die Malerin Otto Modersohn, den sie vier Jahre zuvor in Worpswede kennengelernt hatte. Die Ehe ist nicht frei von Spannungen.

Zwischen 1900 und 1907 reist Paula Modersohn-Becker mehrfach nach Paris, um dort zu studieren und Kontakte zur künstlerischen Avantgarde zu knüpfen. Sie will sich von ihrem Mann trennen, kehrt aber zu ihm nach Worpswede zurück. 1907 wird ihre Tochter geboren, die Mutter stirbt im Kindbett.

Künstlerisch war die Malerin eingeklemmt zwischen zwei Generationen. Die Spätimpressionisten waren ihr nicht innovativ genug. Die Künstler-Gruppe „Die Brücke“, im Jahr 1905 in Dresden gegründet, um neue Wege im Ausdruck zu finden, „bildete ihren gemeinsamen Stil und damit ihr neues Bildverständnis erst 1909 aus“, sagt Schneede.

Sie hat die Kunst verändert, in einer Zeit, „in der in Deutschland nicht viel passierte“.

1907, in ihrem letzten Lebensjahr, kündigte sie einen neuen künstlerischen Aufbruch an. Sie, die viel mit erdigen und eigentlich unfarbigen Farben gearbeitet hatte, setzte nun auf das „Rauschende, Volle, Erregende der Farbe“.

Geöffnet: 4. Februar bis 1. Mai,

Bucerius Kunst Forum, Hamburg

Radikale Künstlerin

„Paula – Mein Leben soll ein Fest sein“ heißt die Verfilmung eines Lebensabschnittes von Paula Modersohn-Becker. Christian Schwochows Film wurde im August 2016 beim Festival in Locarno uraufgeführt. Er erzählt nicht die Biografie Paulas nach, sondern zeigt eine Malerin, die sich in einer Zeit durchsetzt, als den Frauen keine Künstlerexistenz zugetraut wurde.

Zentrale Situation ist die Flucht Paulas aus Worpswede und ihrer Ehe nach Paris, wo sie sich einen Liebhaber sucht und schwanger wird. Carla Juri (Foto oben) spielt Paula als radikal moderne Frau.

Der Film ist im Lübecker Filmhaus morgen und am Sonntag jeweils um 14 Uhr zu sehen.

Liliane Jolitz

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