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Berlinale-Wettbewerb: Top oder Flop?

18 Filme im Rennen Berlinale-Wettbewerb: Top oder Flop?

Bei der 67. Berlinale sind 18 Filme aus aller Welt im Rennen um den Goldenen Bären gewesen. Am Samstagabend gibt die Jury ihr Urteil bekannt.

Berlin. Bei der 67. Berlinale sind 18 Filme aus aller Welt im Rennen um den Goldenen Bären gewesen. Am Samstagabend gibt die Jury ihr Urteil bekannt. Die Deutsche Presse-Agentur schätzt die Wettbewerbsfilme mit Pro und Contra ein.

- „Django“ von Etinne Comar (Frankreich): Porträt über den Jazz-Gitarristen Django Reinhardt und seine Flucht aus dem von Deutschland besetzten Paris im Jahr 1943. PRO: Ein bislang wenig bekanntes Kapitel aus dem Leben des legendären Musikers wird erzählt. CONTRA: Hölzerne Dialoge und dramaturgische Längen.

- „On Body and Soul“ („Teströl és lélekröl“) von Ildiko Enyedi (Ungarn): Zwei schüchterne Mitarbeiter eines Schlachthofes verlieben sich zaghaft ineinander. PRO: Poetische, zarte Liebesgeschichte voller Tragik und Komik. CONTRA: Etwas Geduld mit den eigenwilligen Filmcharakteren ist vom Zuschauer gefragt.

- „The Dinner“ von Oren Moverman (Israel/USA): Zwei völlig gegensätzliche Brüder und ihre Ehefrauen müssen sich der Tatsache stellen, dass ihre Kinder ein schreckliches Verbrechen begangen haben. PRO: Exzellentes Schauspielerkino mit den Hollywoodstars  Richard Gere, Laura Linney, Steve Coogan und Rebecca Hall. CONTRA: Etwas zu viele Handlungsstränge und Rückblenden.

- „Félicité“ von Alain Gomis (Frankreich): Eine Bar-Sängerin versucht verzweifelt, Geld für die Operation ihres verunglückten Sohnes aufzutreiben. PRO: Kluge Milieustudie über den Kongo, die mit einer kraftvollen Heldin begeistert. CONTRA: Manche Szenen, wie etwa Traumsequenzen, wirken aufgesetzt.

- „Wilde Maus“ von Josef Hader (Österreich): Der langjährige Musikkritiker einer Wiener Zeitung wird entlassen und startet einen Rachefeldzug gegen seinen Ex-Chef. PRO: Gelungene Satire über die Verlustängste des Mittelstands. CONTRA: In seinem Regiedebüt hätte der Schauspieler und Kabarettist Hader gerne noch ein bisschen bissiger sein dürfen.

- „Pokot“ von Agnieszka Holland (Polen): Eine Rentnerin und Hobbyastrologin wird in eine mysteriöse Mordserie an Jägern verwickelt. PRO: Spannender und schwarzhumoriger Thriller mit gesellschaftspolitischem Anliegen. CONTRA: Zu viele Rückblenden hemmen den Erzählfluss mitunter.

- „Una Mujer Fantástica“ von Sebastián Lelio (Chile): Nach dem Tod ihres Lebenspartners wird eine Transgender-Frau von der Familie des Verstorbenen ausgegrenzt. PRO: Einfühlsame Geschichte über den mutigen Kampf gegen Intoleranz. CONTRA: Etwas kunstgewerbliche Inszenierung.

- „Helle Nächte“ von Thomas Arslan (Deutschland): Ein Vater will sich nach langer Zeit der Trennung bei einer Reise durch Norwegen seinem Teenager-Sohn wieder annähern. PRO: Strenge, schnörkellose Erzählweise, die Raum für eigenes Imaginieren des Zuschauers lässt. CONTRA: Freunde handfesten Kinos voller praller Charaktere und ereignisreicher Geschichten werden keine Freude an dem Film haben.

- „The Party“ von Sally Potter (Großbritannien): Auf einer Party läuft plötzlich alles aus dem Ruder, als lange gehütete Geheimnisse der Gastgeber ans Licht kommen. PRO: Witzige, hintersinnige Story mit Stars wie Bruno Ganz, Cillian Murphy, Kristin Scott Thomas und Timothy Spall. CONTRA: Statt in Schwarz-Weiß hätte der Film auch gerne in Farbe gedreht werden können.

- „Mr. Long“ von Hiroyuki Tanaka alias Sabu (Japan): Ein Auftragskiller wird durch seine Leidenschaft für das Kochen zu einem neuen Menschen. PRO: Raffinierte Mischung aus Gangsterballade, Lovestory und Selbstfindungsgeschichte. CONTRA: Einige sehr brutale Szenen dürften manche Zuschauer verschrecken.

- „Die andere Seite der Hoffnung“ („Toivon tuolla puolen“) von Aki Kaurismäki (Finnland): Lakonisch-komisch erzählte Geschichte um einen syrischen Flüchtling und einen Restaurantbesitzer in Helsinki. PRO: Zu Herzen gehender Film über brennende Fragen unserer Zeit wie Flucht und Fremdenhass. CONTRA: An manchen Stellen ist die Story arg märchenhaft geraten.

- „Beuys“ von Andres Veiel (Deutschland): Als Collage angelegter Dokumentarfilm über den deutschen Aktionskünstler und Bildhauer Joseph Beuys. PRO: Eine Fülle von Bild- und Filmmaterial, in dem Beuys meist selbst zu Wort kommt. CONTRA: Die kunstvolle Gestaltung des Film selbst überdeckt manchmal das Eigentliche: die Kunst von Beuys.

- „Colo“ von Teresa Villaverde (Portugal): Die Wirtschaftskrise zerstört schleichend eine Familie aus der Mittelschicht. PRO: Psychologisch ausgefeilte Milieustudie. CONTRA: Die sehr gleichförmige, langsame Erzählweise ermüdet.

- „Rückkehr nach Montauk“ von Volker Schlöndorff (Deutschland): Ein mit Nina Hoss, Susanne Wolff und Stellen Skarsgard prominent besetztes Liebesdrama und eine Hommage an Max Frisch' Erzählung „Montauk“. PRO: Starkes Schauspielerkino vor allem dank Nina Hoss und Susanne Wolff. CONTRA: Sehr private Geschichte, die den Blick nicht auf die Welt weitet.

- „On the Beach at Night Alone“ („Bamui haebyun-eoseo honja“) von Hong Sang-soo (Südkorea): Eine junge Schauspielerin sucht nach der gescheiterten Affäre mit einem verheirateten Mann nach dem Sinn des Lebens und der Liebe. PRO: Der Film wirkt wie ein Gedicht. CONTRA: Die Selbstreflextion bleibt eine Nabelschau.

- „Joaquim“ von Marcelo Gomes (Brasilien): Eine Episode aus dem Leben des brasilianischen Nationalhelden Joaquim José da Silva Xavier alias Tiradentes. PRO: Drama mit Bildungseffekt. CONTRA: Die Spannung leidet unter der teils holprigen Erzählweise.

- „Einen schönen Tag noch“ („Hao ji le“) von Liu Jian (China): Der einzige Animationsfilm im Wettbewerb ist eine Gangsterballade. PRO: Neben der Crime-Story wird ganz nebenbei kritisch das chinesische Lebensgefühl zwischen Lethargie und Aufbruch beleuchet. CONTRA: Der grafisch sehr reduzierte, statische Zeichenstil macht den Film recht spröde.

- „Ana, mon amour“ von Calin Peter Netzer (Rumänien): Liebesgeschichte vor dem Hintergrund einer psychischen Erkrankung. PRO: Beeindruckend schonungslos erzählt. CONTRA: Regisseur Netzer, 2013 Bären-Gewinner mit „Mutter & Sohn“, packt ein paar Probleme zu viel in seinen Film.

dpa

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