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Kultur Berlinale-Wettbewerb: Top oder Flop?
Nachrichten Kultur Berlinale-Wettbewerb: Top oder Flop?
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16:42 18.02.2017
Berlin

Bei der 67. Berlinale sind 18 Filme aus aller Welt im Rennen um den Goldenen Bären gewesen. Am Samstagabend gibt die Jury ihr Urteil bekannt. Die Deutsche Presse-Agentur schätzt die Wettbewerbsfilme mit Pro und Contra ein.

- „Django“ von Etinne Comar (Frankreich): Porträt über den Jazz-Gitarristen Django Reinhardt und seine Flucht aus dem von Deutschland besetzten Paris im Jahr 1943. PRO: Ein bislang wenig bekanntes Kapitel aus dem Leben des legendären Musikers wird erzählt. CONTRA: Hölzerne Dialoge und dramaturgische Längen.

- „On Body and Soul“ („Teströl és lélekröl“) von Ildiko Enyedi (Ungarn): Zwei schüchterne Mitarbeiter eines Schlachthofes verlieben sich zaghaft ineinander. PRO: Poetische, zarte Liebesgeschichte voller Tragik und Komik. CONTRA: Etwas Geduld mit den eigenwilligen Filmcharakteren ist vom Zuschauer gefragt.

- „The Dinner“ von Oren Moverman (Israel/USA): Zwei völlig gegensätzliche Brüder und ihre Ehefrauen müssen sich der Tatsache stellen, dass ihre Kinder ein schreckliches Verbrechen begangen haben. PRO: Exzellentes Schauspielerkino mit den Hollywoodstars  Richard Gere, Laura Linney, Steve Coogan und Rebecca Hall. CONTRA: Etwas zu viele Handlungsstränge und Rückblenden.

- „Félicité“ von Alain Gomis (Frankreich): Eine Bar-Sängerin versucht verzweifelt, Geld für die Operation ihres verunglückten Sohnes aufzutreiben. PRO: Kluge Milieustudie über den Kongo, die mit einer kraftvollen Heldin begeistert. CONTRA: Manche Szenen, wie etwa Traumsequenzen, wirken aufgesetzt.

- „Wilde Maus“ von Josef Hader (Österreich): Der langjährige Musikkritiker einer Wiener Zeitung wird entlassen und startet einen Rachefeldzug gegen seinen Ex-Chef. PRO: Gelungene Satire über die Verlustängste des Mittelstands. CONTRA: In seinem Regiedebüt hätte der Schauspieler und Kabarettist Hader gerne noch ein bisschen bissiger sein dürfen.

- „Pokot“ von Agnieszka Holland (Polen): Eine Rentnerin und Hobbyastrologin wird in eine mysteriöse Mordserie an Jägern verwickelt. PRO: Spannender und schwarzhumoriger Thriller mit gesellschaftspolitischem Anliegen. CONTRA: Zu viele Rückblenden hemmen den Erzählfluss mitunter.

- „Una Mujer Fantástica“ von Sebastián Lelio (Chile): Nach dem Tod ihres Lebenspartners wird eine Transgender-Frau von der Familie des Verstorbenen ausgegrenzt. PRO: Einfühlsame Geschichte über den mutigen Kampf gegen Intoleranz. CONTRA: Etwas kunstgewerbliche Inszenierung.

- „Helle Nächte“ von Thomas Arslan (Deutschland): Ein Vater will sich nach langer Zeit der Trennung bei einer Reise durch Norwegen seinem Teenager-Sohn wieder annähern. PRO: Strenge, schnörkellose Erzählweise, die Raum für eigenes Imaginieren des Zuschauers lässt. CONTRA: Freunde handfesten Kinos voller praller Charaktere und ereignisreicher Geschichten werden keine Freude an dem Film haben.

- „The Party“ von Sally Potter (Großbritannien): Auf einer Party läuft plötzlich alles aus dem Ruder, als lange gehütete Geheimnisse der Gastgeber ans Licht kommen. PRO: Witzige, hintersinnige Story mit Stars wie Bruno Ganz, Cillian Murphy, Kristin Scott Thomas und Timothy Spall. CONTRA: Statt in Schwarz-Weiß hätte der Film auch gerne in Farbe gedreht werden können.

- „Mr. Long“ von Hiroyuki Tanaka alias Sabu (Japan): Ein Auftragskiller wird durch seine Leidenschaft für das Kochen zu einem neuen Menschen. PRO: Raffinierte Mischung aus Gangsterballade, Lovestory und Selbstfindungsgeschichte. CONTRA: Einige sehr brutale Szenen dürften manche Zuschauer verschrecken.

- „Die andere Seite der Hoffnung“ („Toivon tuolla puolen“) von Aki Kaurismäki (Finnland): Lakonisch-komisch erzählte Geschichte um einen syrischen Flüchtling und einen Restaurantbesitzer in Helsinki. PRO: Zu Herzen gehender Film über brennende Fragen unserer Zeit wie Flucht und Fremdenhass. CONTRA: An manchen Stellen ist die Story arg märchenhaft geraten.

- „Beuys“ von Andres Veiel (Deutschland): Als Collage angelegter Dokumentarfilm über den deutschen Aktionskünstler und Bildhauer Joseph Beuys. PRO: Eine Fülle von Bild- und Filmmaterial, in dem Beuys meist selbst zu Wort kommt. CONTRA: Die kunstvolle Gestaltung des Film selbst überdeckt manchmal das Eigentliche: die Kunst von Beuys.

- „Colo“ von Teresa Villaverde (Portugal): Die Wirtschaftskrise zerstört schleichend eine Familie aus der Mittelschicht. PRO: Psychologisch ausgefeilte Milieustudie. CONTRA: Die sehr gleichförmige, langsame Erzählweise ermüdet.

- „Rückkehr nach Montauk“ von Volker Schlöndorff (Deutschland): Ein mit Nina Hoss, Susanne Wolff und Stellen Skarsgard prominent besetztes Liebesdrama und eine Hommage an Max Frisch' Erzählung „Montauk“. PRO: Starkes Schauspielerkino vor allem dank Nina Hoss und Susanne Wolff. CONTRA: Sehr private Geschichte, die den Blick nicht auf die Welt weitet.

- „On the Beach at Night Alone“ („Bamui haebyun-eoseo honja“) von Hong Sang-soo (Südkorea): Eine junge Schauspielerin sucht nach der gescheiterten Affäre mit einem verheirateten Mann nach dem Sinn des Lebens und der Liebe. PRO: Der Film wirkt wie ein Gedicht. CONTRA: Die Selbstreflextion bleibt eine Nabelschau.

- „Joaquim“ von Marcelo Gomes (Brasilien): Eine Episode aus dem Leben des brasilianischen Nationalhelden Joaquim José da Silva Xavier alias Tiradentes. PRO: Drama mit Bildungseffekt. CONTRA: Die Spannung leidet unter der teils holprigen Erzählweise.

- „Einen schönen Tag noch“ („Hao ji le“) von Liu Jian (China): Der einzige Animationsfilm im Wettbewerb ist eine Gangsterballade. PRO: Neben der Crime-Story wird ganz nebenbei kritisch das chinesische Lebensgefühl zwischen Lethargie und Aufbruch beleuchet. CONTRA: Der grafisch sehr reduzierte, statische Zeichenstil macht den Film recht spröde.

- „Ana, mon amour“ von Calin Peter Netzer (Rumänien): Liebesgeschichte vor dem Hintergrund einer psychischen Erkrankung. PRO: Beeindruckend schonungslos erzählt. CONTRA: Regisseur Netzer, 2013 Bären-Gewinner mit „Mutter & Sohn“, packt ein paar Probleme zu viel in seinen Film.

dpa

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