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Kultur Bernsteinmuseum kauft verschollenes Zinngefäß
Nachrichten Kultur Bernsteinmuseum kauft verschollenes Zinngefäß
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11:14 20.04.2018
Das 1759 in Rostock gefertigte Trinkkännchen des Ribnitzer Mülleramtes konnte im Internet erworben werden. Quelle: Edwin Sternkiker
Ribnitz-Damgarten
 Deutschen Bernsteinmuseum
Ein Blick auf Ribnitz' wertvolle Schätze

Service

Öffnungszeiten Bernsteinmuseum: täglich 9.30 - 18.00 Uhr

Axel Attula, wissenschaftlicher Leiter des Deutschen Bernsteinmuseums, bezeichnete das Wiederauftauchen dieses Zinngefäßes als Glücksfall: „Jetzt befindet es sich wieder dort, wo es hingehört, nach Ribnitz-Damgarten. In Kürze wird es im Foyer des Deutschen Bernsteinmuseums zu sehen sein.“ Kollegen aus anderen Museen hatten Attula darauf aufmerksam gemacht, dass das Zinngefäß zum Kauf angeboten wird. Daraufhin konnte es durch das Bernsteinmuseum von einem Privatanbieter aus Sachsen-Anhalt erworben werden. Der Anbieter seinerseits hatte es bei einer Auktion in München ersteigert.

Zinn-Gefäß in Rostocker Werkstatt gefertigt

Das Trinkkännchen gehört zu den zahlreichen, in früheren Jahrhunderten in Ribnitz vorhandenen Zunftgeräten. Etliche von ihnen verschwanden auf ungeklärte Weise. Die Frage ist, wie das jetzt vom Museum erworbene Exemplar auf den Kunstmarkt kam. Fakt ist: In den 1930er-Jahren befanden sich im Landesmuseum Schwerin zwei „Röhrchen“ des Ribnitzer Mülleramtes, wie in der 1933 erschienenen Chronik von Paul Kühl nachzulesen ist. Beide wurden 1759 gefertigt und waren 21,3 Zentimeter hoch. Das eine Trinkkännchen wies einen durchlöcherten Boden auf. Kühl schreibt in seiner Chronik zur Erklärung: „In dem Hohlraum unter dem durchlochten Boden liegt ein knöcherner Würfel; man scheint also im Ribnitzer Mülleramt auch schon um 1759 dem noch heute beliebten Knobelspiel nicht abhold gewesen zu sein.“ Aus diesem Grunde wurde es auch als „Glücksrörken“ bezeichnet.

Im Katalog der Mecklenburgischen Zinngießer werden diese beiden Trinkkännchen ebenfalls aufgeführt, ihre Höhe allerdings mit nur 21,0 bzw. 20,5 Zentimetern angegeben. Außerdem sind in diesem Katalog zwei weitere Trinkgefäße des Ribnitzer Mülleramtes aufgeführt. Dabei handelt es sich um einen 21,1 Zentimeter hohen Rörken von 1759 (1739) im Maximilian-Museum Augsburg und um ein „Rörken“ von 1759 (1739) in einem Münchener Auktionshaus. Dieses 21,3 Zentimeter hohe Trinkkännchen wurde 2013 zur Versteigerung angeboten, es ist das Stück, das sich nun im Besitz des Bernsteinmuseums befindet. Aber warum wurde dieses Gefäß, wie viele andere auch, in Rostock gefertigt und nicht in Ribnitz, obwohl es doch auch hier Zinngießer gab? Attula nimmt an, dass das mit dem großen Stadtbrand von 1759 zusammenhängt, bei dem nahezu 300 Häuser und mit ihnen auch viele Werkstätten in Schutt und Asche gelegt worden sind. „1759 war schlichtweg kein Zinngießer in Ribnitz in der Lage, solche Zinngefäße zu fertigen.“

Heilige Katharina weiter verschwunden

Während das Trinkkännchen des Ribnitzer Mülleramtes wieder aufgetaucht ist, bleibt anderes wertvolles Kulturgut nach wie vor verschwunden. Dazu gehört unter anderem die Heilige Katharina. Noch bis 1895 existierte in der Ribnitzer Klosterkirche ein mittelalterlicher hölzerner Altarschrein. In dessen Mitte befand sich die Heilige. Im Frühjahr 1895 wurde sie aus diesem Altarschrein herausgerissen und ist bis heute nicht wieder aufgetaucht. Seltsamerweise wurde das Verschwinden der mittelalterlichen Skulptur erst im Jahre 1911 bei der Großherzoglichen Kommission zur Erhaltung von Denkmälern in Schwerin von dem damaligen Klosterpastor zur Nedden offiziell angezeigt. Warum so spät, das ist eines der Geheimnisse der Ribnitzer Stadtgeschichte.

 Edwin Sternkiker