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Kultur Bewegender Folkrock von Kölner Jungs
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00:01 04.04.2016
Überzeugender Auftritt in Rostock: AnnenMayKantereit mit Christopher Annen (l.) und Henning May. Quelle: Ove Arscholl

Seit Wochen meldete der Veranstalter dieses Konzert bereits als ausverkauft, am Sonnabend war es so weit: AnnenMayKantereit spielten im Moya. Die Kölner Gruppe, die sich 2011 als Schülerband gegründet hatte, hat noch ein relativ kleines Werk vorzuweisen — ein vergriffenes Debütalbum, eine 5-Titel-EP aus dem letzten Herbst und die gerade erschienene CD „Alles nix Konkretes“. Das neue Album stand natürlich im Mittelpunkt des Abends.

AnnenMayKantereit — ein Name, der bisschen wie eine Anwaltskanzlei klingt, aber auch hohen Wiedererkennungswert hat. Das sind also Christopher Annen (Gitarre), Henning May (Gesang, Keyboards) und Severin Kantereit (Schlagzeug), inzwischen ergänzt durch Malte Huck (Bass), der allerdings nicht in den Bandnamen Eingang fand. Die Band steht klar in einer Folkrock- und Indie-Tradition, allseits gerühmt wird Sänger Henning May wegen seiner tiefen und ein bisschen kratzigen Gesangsstimme. Manchmal klingt‘s ein bisschen so, als würden sich Tom Waits und Element of Crime zusammentun, wobei May in der Stimmlage auch dem Unheilig-Grafen zuweilen sehr nahe liegt. Und den Rio-Reiser-Bezug wird die Band wohl nicht mehr los, seitdem sie in „Mir wär‘ lieber, du weinst“ einige Zeilen aus Reisers „Für immer und dich“ zitiert hat. Die Texte von AnnenMayKantereit schwanken sonst zwischen banal und poetisch, manchmal ist es einfache WG-Lyrik („Mein Mitbewohner“), dazu auch viel Trennungsverarbeitung („Wohin du gehst“). Ein sehr überzeugendes Lied über das Älterwerden ist „21 22 23“, sogar der Song „Neues Zimmer“ bewegt als kleine Alltagsbeschreibung.

AnnenMayKantereit haben Erfolg, weil sie mit ihren Texten einen Nerv treffen, die Lebenssituation der um die 20-Jährigen schnell auf den Punkt bringen können. Vielleicht ist die Band selbst überrascht von der aktuellen Welle der Aufmerksamkeit. Aber die Musiker bleiben bei ihrer grundehrlichen und auch etwas ungeschützten Haltung, wie sie besonders Henning May auf der Bühne bezieht. Der Frontmann bedient auch ein bisschen das Wunschbild des sensiblen Singer/Songwriters, bleibt aber bodenständig.

Und die Band spielte unangestrengt, aber ernsthaft, etwas überraschend war im Programm die Coverversion des Klassikers „Sunny“. Es war im Moya übrigens ein sehr aufmerksames und verständiges Publikum, das die Band nicht anhimmelte, sondern diesen gemeinsamen Moment einfach teilte. Also ein gelungener Abend für alle Beteiligten.

Von Thorsten Czarkowski

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