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Kultur Bilder als Seelenzustände
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00:00 03.06.2017

Dass man auf den Fotos von Jan Eisenfeld einen Menschen entdeckt, ist selten. „Auf viele mag das schrecklich trostlos wirken, aber mich spricht das an“, sagt Eisenfeld und deutet auf einen von Furchen durchzogenen, welligen, braunen Acker, auf dem eine quadratische Grünfläche ins Auge sticht. „Es ist die Komposition aus Farben und weichen Formen, die das Bild am Ende stimmig macht“, sagt er.

Die Natur als Ausdrucksmittel für Seelenzustände und Empfindungen, die über das Sichtbare hinausgehen – das ist auch der Ansatz von Ulrich Eisenfeld, der dafür statt Kamera den Pinsel einsetzt.

Arbeiten von Vater und Sohn sowie Skulpturen der Berliner Bildhauerin Christine Dewerny sind in der Sommerausstellung der Kunstscheune Barnstorf zu sehen, die heute eröffnet wird.

Ulrich Eisenfeld erinnert sich noch gut an seine erste Ausstellung in Ahrenshoop. „Das war 1967 im Kulturhaus“, erzählt der gebürtige Vogtländer, der ein Atelier in der Nähe von Dresden hat. „Schon damals hat mich die Landschaft beeindruckt“, erzählt er. Heute sei sie ihm sogar näher als das heimische Vorerzgebirge. Das mag auch daran liegen, dass sich der 77-Jährige, der seit 1965 freischaffend arbeitet, von Stilleben und intimen Figurenbildern zunehmend der Landschaft zuwandte, 16 Jahre lang ein Atelier in Mittelschweden hatte und auf Reisen nach Lappland dem nordischen Lichterspiel verfiel. „Ich bin immer mehr zu einem Maler des Lichts geworden“, sagt er rückblickend.

Besonders das Licht des Himmels, der den Großteil seiner Bilder einnimmt, sei in den vergangenen Jahren immer wesentlicher geworden. „Das hat vielleicht etwas mit dem Alter zu tun, und damit, dass man dort später landet“, sagt Eisenfeld lächelnd.

Dementsprechend hoffnungsfroh und warm wirken die Farben seines Sonnenuntergangs über einer Boddenlandschaft. Mitgebracht hat Eisenfeld rund 20 Arbeiten aus Öl und Pastell, die sowohl schwedische Landschaften als auch die heimische Boddenlandschaft darstellen.

Es sind seelische Befindlichkeiten, aufsummiert zu einem Lebensgefühl, die der Künstler in seine Bildsprache übersetzt. „Kinder meiner Seele“ nennt er seine Bilder liebevoll. „Hinter der Farbe muss sich ein geistiger Raum auftun, wenn man Glück hat, wird das auch für den Betrachter erlebbar.“

Auch Sohn Jan Eisenfeld verarbeitet mit der Kamera erlebte Stimmungen. Während die Malerei von Ulrich Eisenfeld den Blick eher auf die Horizontale richtet – Landschaften und Wasser muten häufig an wie dünne Linien – liegt der Blick von Jan Eisenfeld häufig auf dem Vertikalen. Oft nutzt der Künstler Strukturen, die er in der Landschaft vorfindet, wie langgezogene Ackerfurchen oder eine Reihe von Baumstämmen, um damit Stimmungen zu erzeugen. Strukturen finden sich bei Eisenfeld aber auch in anderen Kontexten: Eine Treppenflucht mit abgeblätterter Farbe an der Wand, die Fluchtperspektive mit Morbidität verknüpft, ein eingebrochener Holzboden aus vertikalen Latten, der ein diffuses Unbehagen erzeugt. Die Bildbearbeitung wird dabei zum wichtigen Stilmittel: „Damit kann ich meine Empfindungen im Bild noch verdichten“, sagt Jan Eisenfeld.

Fotografien und Malerei bilden den Kontext für die rund 20 Sandsteinskulpturen der Berliner Bildhauerin Christine Dewerny. Ihre Köpfe, Masken und Torsi stehen für Hintergründiges, Doppelgesichtiges, mit mehr oder weniger direktem Bezug zu antiken Vorlagen wie Antigone oder Kassandra. Sie stehen aber auch sinnbildlich für menschliche Charaktere: So werden die Besucher vor der Scheune von vier Torsi empfangen, die die vier Temperamente wiederspiegeln und die Dewerny mal cholerisch, mal phlegmatisch, dann wieder sanguinisch und melancholisch in Szene gesetzt hat.

Und dann, im hinteren Teil der Scheune, findet er sich schließlich doch noch: Ein Mensch auf einem Bild. Es ist seine Frau, die Jan Eisenfeld klein auf einem seiner Äcker platziert hat, und er verrät: „Hier hätte sonst einfach etwas gefehlt.“

Eröffnung: 15 Uhr; die Ausstellung ist bis zum 30. Juli zu sehen.

Stefanie Büssing

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