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Kultur Bilder aus den Umarmungen des Dunkels
Nachrichten Kultur Bilder aus den Umarmungen des Dunkels
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12:35 24.03.2014

Es dunkelt draußen, und drinnen beginnt das Nachtblau in Helmut Middendorfs „Die Umarmung der Nacht“ sein Leuchten. Ein langgezogener, fast schwebender Schatten gleitet in eine grob skizzierte Stadtlandschaft. Als Betrachter gerät man unwillkürlich in diesen Sog. Das faszinierende Bild ist wirkungsvoll in der Ausstellung „Nachtstücke“ in der Kunstscheune im Skulpturenpark Katzow platziert.

Genau dieses Bild war es, das die Studierenden am Caspar-David-Friedrich-Institut für Kunstwissenschaften der Universität Greifswald zu einer Ausstellung inspirierte. Innerhalb eines Seminars zur Gegenwartskunst hatten die Studenten die Möglichkeit, sich in der Kunstsammlung der Deutschen Bank umzusehen und eine Ausstellung zu konzipieren. Aber zu welchem Thema? Alles war möglich, schließlich umfaßt die Sammlung zeitgenössischer Kunst 50 000 Werke. Sie ist damit eine der größten und bedeutendsten dieser Art.

Die Studenten ließen zunächst Dia auf Dia durch den Projektor gleiten bis zu ebenjenem Zyklus „Umarmung der Nacht“. So war das Thema plötzlich glasklar: „Nachtstücke“. Nach Kindlers Malerei Lexikon „ein Gemälde, ein Handlungsvorgang bei Nacht, im Mondschein oder in einem künstlich erleuchteten Innenraum“. Doch nicht nur das Formelle zeigt schon einen breiten Spielraum auf. Mit der Nacht verbindet sich gleichsam Positives wie Negatives. Süße Träume und Albträume, Angst und Geborgenheit, Ausgelassenheit und Einsamkeit. So bemüht sich auch die Exposition um diese Vielfalt, hat aber mit Helmut Middendorf einen Künstler, der durch seinen Zyklus das besondere Interesse auf sich zieht. Folgt man den durch die Ausstellungsgestalter listig gelegten Spuren seiner eingangs beschriebenen blauen Nacht, so wird man hinter eine Wand zu weiteren „Umarmungen“ von Middendorf gelockt. Da ist ein träumender Kopf, ein Schattenbild mit einem Fallenden und ein Kauz, der über eine verschlossene Tür fliegt, die Tausende Geheimnisse zu verbergen scheint. Dreht man sich um, steht man bei Strawalde im gespenstischen Regen („Nächtliches Regenblatt“). Thomas Ruffs „Nachtphotos“ von Wohnwelten, mit einem Nachtsichtgerät beobachtet, fanden während der Ausstellungseröffnung viel Interesse. Vielleicht, weil sich jeder jederzeit in solch einem Focus befinden kann, ohne es zu bemerken. Bernhard Heisig ist mit einer politischen Arbeit zu Anna Seghers „Das siebte Kreuz“ vertreten. Sie spiegelt den Albtraum des Faschismus. Das Bild zeigt die Gefangennahme des sechsten Ausbrechers aus dem KZ. Alle Hoffnung auf Freiheit ist erloschen. Das kleine Heisig-Blatt, es hat die Größe eines Schreibblattes, behauptet sich tapfer im Strudel der Nachtphantasien. Mit Georg Baselitz stellt sich ein weiterer Altmeister vor. Sein Blatt zeigt eine 1964 getuschte Waldlandschaft. Sie sorgt nicht unbedingt für aufrührerische oder verführerische Gedanken.

Apropos verführerisch. Die Liebe, die wohl unbedingt zur Nacht gehört, haben die Studenten in den Kassen- und Verkaufsraum, man muß schon sagen, verbannt. Vielleicht sogar zu Recht, denn sonderlich Erotisches fehlte.

Viel Spaß machten die ein bißchen ins Dämonische zielenden Bilder, so „Der böse Herzog“ von Arnulf Rainer und noch raffinierter Imi Knoebels „Ohne Titel, Nr. 3“. Letzteres Acryl auf Plexiglas auf Holz. Hier ist der Betrachter durch die Spiegelung ganz bewußt Teil des „Nachtstücks“. Und je dunkler es draußen wurde, desto spannender wurden übrigens auch diese auf besonderen Nachteffekt bedachten Bilder. In Katzow sind sie bis zum 24. Mai zu sehen, täglich von 10.00 bis 18.00 Uhr. Vom 8. Juli bis 19. August im Künstlerhaus Plüschow.



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