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Bilder des Lebens, Bilder des Fernsehlebens

Rostock Bilder des Lebens, Bilder des Fernsehlebens

Die Kunsthalle Rostock lotet im White Cube mit dem Illustrator und Zeichner Andree Volkmann Positionen der Zeichnung aus.

Rostock. Das helle Licht ist vielleicht nicht der natürlichste Freund der Zeichnung. Doch die Rostocker Kunsthalle hat sich einen lichtdurchfluteten Raum ausgesucht, um Zeichnung auf der ganz großen Fläche zu präsentieren. Den White Cube. Dort arbeitet Andree Volkmann (53), Zeichner und Illustrator aus Berlin mit Rostocker Wurzeln, auf einer Fläche von sieben mal zwölf Metern im Quadrat. Und schaut man auf das vorläufige Endergebnis seines Schaffens, wird deutlich: Die Entscheidung für den White Cube war zwingend.

Volkmann kann sich hier austoben. Die Chance, sich auf so einer Ausstellungsfläche zu verwirklichen – der britische Fotograf Rankin hat hier seine überlebensgroße Akt-Hommage an Helmut Newton präsentiert und die japanische Künstlerin Chiharu Shiota den Raum in eine überdimensionale Wunschbox verzaubert – musste Volkmann einfach nutzen, wie er sagt. Seine Arbeiten, die er vor Ort auf die weißen Wände zeichnet, zum Teil aufklebt, haben stark biografische Bezüge auf zwei Ebenen. Einmal beziehen sie sich auf seine Kindheit in der „Platte“ in Lütten Klein. Zum anderen auf die biografischen Assoziationen seitdem – stark berlingeprägt.

Der Künstler sagt: „Ich wollte alle Möglichkeiten von Form, Farbe und Struktur ausloten, wenn wir uns schon die Frage stellen, wie präsentieren wir Zeichnung.“ Dafür hat er den schlichten, auf den ersten Blick verwirrenden Ausstellungstitel „Fernsehen“ (bis 3. 12.) gewählt. Schlendert man durch den Raum und lässt die filigranen, kleinteiligen, zum Teil großformatigen Zeichnungen, auf sich wirken, erschließt es sich. Arbeiten, die einem zuflüstern, die man erblicken muss, Werke, die einen anschreien in ihrer plakativen Eindeutigkeit.

Anfangs, so Volkmann, wollte er sich weit mehr auf seine Kindheit in der Platte beziehen. Davon sind die architektonische Rasterstruktur und das Fernsehen geblieben. Die Zeichnungen an den Wänden wirken wie das Zappen durch TV-Kanäle. Für Volkmann gehört das Glotzegucken zwangsläufig zum Wohnen in der Platte. Er sagt: „Hier findet sich der Fluch des Zappens, dass man immer das Gefühl hatte, gerade das Falsche zu sehen. Aus einer riesigen Auswahl an Bildern – im Fernsehen so wie hier – die richtigen zu finden, ist die Herausforderung.

Kunsthallendirektor Jörg-Uwe Neumann sagt zur Motivation, den Zeichner auszustellen: „Er ist ein Lütten Kleiner Jung und hat sich prächtig entwickelt, steht aber noch vor dem Durchbruch. Der Kunstmarkt traut sich doch kaum noch, auf die Arbeit zu gucken, sondern schaut nur auf die großen Namen.“ Da finden sich Serien, Wiederholungen, Stars wie Catherine Deneuve oder Amanda Lear neben ganz intimen Einblicken in das Leben und Seelenleben des Künstlers. Der Betrachter ist aber gefordert, das selbst zu entdecken. Zum Beispiel, den Blick ins Badezimmer seiner Kindheit, das dort noch so existiert, nur dass der Ausblick aus dem Badezimmerfenster einen Hauch von schöner neuer Welt verheißt. Ironie im Umgang mit der eigenen Geschichte. Für die OZ-Kunstbörse haben Volkmann und die Kunsthalle eine Zeichnung aus der Edition gesponsert, die zur Vernissage für 190 Euro angeboten, später für 250 Euro verkauft wird. Bei der OZ-Auktion heute liegt das Einstiegsgebot bei 170 Euro. Das Bild heißt „La Rocca“ und bezieht sich auf ein Motiv in der Renaissancevilla „La Rocca“ bei Venedig, wo Volkmann mal gelebt hat.

Michael Meyer

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