Menü
Ostsee Zeitung | Ihre Zeitung aus Mecklenburg-Vorpommern
Anmelden
Kultur Bildgewaltig: Kannibalendrama mit Carrey in Venedig
Nachrichten Kultur Bildgewaltig: Kannibalendrama mit Carrey in Venedig
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
10:44 07.09.2016
Anzeige
Venedig

Die ersten Zuschauer springen nach wenigen Minuten auf und rennen aus dem Kinosaal. Da sägt eine Kannibalin gerade die Extremitäten einer jungen Frau ab und schmeißt sie in die Pfanne.

Das ist der Beginn von „The Bad Batch“, dem wohl überraschendsten Beitrag im diesjährigen Wettbewerb beim Filmfest Venedig. Die in England geborene Ana Lily Amirpour erzählt darin von einer Kannibalengemeinschaft und dem Beginn einer Liebesgeschichte in einer post-apokalyptischen Welt - und konnte dafür auch die Hollywoodstars Jim Carrey und Keanu Reeves gewinnen.

„Das ist ein Liebesbrief an Amerika“, sagte die in Kalifornien aufgewachsene Amirpour am Dienstag in Venedig. Sie liebe vieles an den USA, aber das seien meist die unperfekten Dinge.

Genau das ist in ihrem Werk zu spüren: „The Bad Batch“, das sind die von der Gesellschaft Ausgestoßenen, die irgendwo in der texanischen Wüste leben. Auch Arlen irrt dort umher, bis sie von Kannibalen gefangen wird. Sie sägen ihr den Unterarm und einen Teil des Beins ab. Dann kann sie fliehen und findet in einer anderen Gemeinde Zuflucht.

Die Regisseurin (Jahrgang 1980) wurde vor zwei Jahren bereits für ihren Debütfilm „A Girl Walks Home Alone at Night“ über einen einsamen Vampir in einer iranischen Stadt von Kritikern gefeiert. Nun legt sie mit „The Bad Batch“ ein bildgewaltiges, energiegeladenes Werk vor. Vor allem die 24-jährige Britin Suki Waterhouse trägt den Film mit ihrer Darstellung der jungen, kämpfenden Protagonistin.

An Menschenfleisch nagen Jim Carrey („Die Maske“) und Keanu Reeves („Matrix“) dann zwar nicht. Das war ihnen vielleicht doch zu heikel für ihr Image. Mut zur Hässlichkeit beweisen sie aber dennoch: Carrey irrt als verwahrloster Müllsammler mit dreckverschmiertem Gesicht durch die Wüste, während Reeves einen schmierigen, sektenähnlichen Guru verkörpert.

Die Geschichte trägt sich dabei nicht über die gesamten zwei Stunden, dafür lässt der Spannungsbogen etwas zu sehr nach. Und doch gelingt es Amirpour mit „The Bad Batch“ einen nachhaltigen Eindruck zu hinterlassen. Es sind dabei nicht die verstörenden Kannibalenszenen, sondern vielmehr die von pumpender Musik unterlegten Beobachtungen der exzentrischen Außenseiter, die Amirpour so gekonnt einfängt - und die die Regisseurin zu einer großen Favoritin auf einen der Hauptpreise werden lassen.

dpa

Mehr zum Thema

Mit „A Single Man“ zeigte Designer Tom Ford vor sieben Jahren seinen Debütfilm in der Lagunenstadt. Nun stellt er sein neues Werk vor - mit Amy Adams und Jake Gyllenhaal.

04.09.2016

Zwei deutsche Koproduktionen haben sich beim Filmfest Venedig für eine der Auszeichnungen ins Spiel gebracht.

04.09.2016

Dank virtueller Realität bei der Geburt von Jesus dabei sein - beim Filmfest Venedig ist das möglich. Ebenso wie ein Blick hinter die Kulissen im Vatikan. Deutsche Überraschungen gibt es auch.

04.09.2016

Erst scheiterte Leipzig, dann Berlin. Soll Deutschland nun ganz auf ein Einheits- und Freiheitsdenkmal verzichten? Eine Diskussion.

07.09.2016

Erstmals seit vielen Jahren ist das Koch'sche Haus in Schönberg (Nordwestmecklenburg) wieder für die Öffentlichkeit zugänglich. Das künftige Museum kann am Sonntag, dem 11. September, dem Tag des offenen Denkmals, besucht werden.

07.09.2016

Am 11. September ist Tag des offenen Denkmals. Erstmals kann die Mühle im Wirtschaftsgebäude auf dem Klostergelände Bad Doberan (Landkreis Rostock) besichtigt werden.

06.09.2016
Anzeige