Menü
Ostsee Zeitung | Ihre Zeitung aus Mecklenburg-Vorpommern
Anmelden
Kultur Bitter und sehr lustig: Die Komödie des (kleinen) Mannes
Nachrichten Kultur Bitter und sehr lustig: Die Komödie des (kleinen) Mannes
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
Bernd Färber in diesem Einpersonenstück zu sehen. Quelle: Frank Hormann/Volkstheater Rostock
Rostock

„Die romantische Liebe ist das größte Energiezentrum in der westlichen Psyche und als solches einzigartig“, schrieb mal der amerikanische Psychotherapeut Robert A. Johnson. Es geht also um besonders Wichtiges, wenn „Das Konzept romantischer Liebe“ auf dem Spielplan steht. Allerdings klingt der Stücktitel derart trocken, dass man eher einen Vortrag der mit diesem Thema besonders vertrauten Soziologin Eva Illouz erwarten würde, als diese vergnügliche, äußerst lustige und dennoch tiefsinnige Aufführung, wie sie der Rostocker Schauspieler Bernd Färber in seiner 90-minütigen Performance in der Kleinen Komödie Warnemünde bietet.

Das Premierenpublikum am Samstag reagierte hörbar amüsiert und spendete am Ende viel Applaus für das Porträt eines kleinen Mannes, in dem Autor Oliver Bukowski (57) erneut große und normsetzende Ideale knallhart am gewöhnlichen Alltag einfacher Leute überprüft, dabei erbarmungslos Illusionen zerplatzen lässt – aber auch die menschliche Essenz solcher Sehnsucht auf berührende Weise leuchten lässt. So wendet sich dieser Max Jakubaschk, Arbeiter in der Warenannahme eines Supermarktes, einmal gegen Ende ganz ernst ans Publikum mit seinem offenbar unerreichbar verschütteten Traum von nicht „romantischer“, sondern einfacher Liebe: „Da SIE, hier ICH, wir wollen uns. Fertig, kein Wunsch offen, keine weiteren Fragen. Doch! Nur eine. Die alles entscheidende: Lebt es sich leichter?“

Bernd Färber nimmt uns, subtil inszeniert von Regisseur Kai Festersen, mit auf die sonderbaren Gefühls-Odysseen seines Protagonisten. Max, fast 40 und nach eigener Aussage „nur durchschnittlich von Youporn und Facebook sozialisiert“, berichtet von seinen Liebeswünschen, Paarbildungen und -bindungen sowie von Beziehungsschmerzen, von den Connys und Ninas seines Lebens. Und von seinem größten Abenteuer: Klara Jean-Shaolin Meyer heißt die Hübsche, mit der die romantische Liebe gelingen soll. Er plant raffiniert und mit Fachwissen (sogar seine absurde Verführungsidee mit einer hohen Brücke als Gefühlsverstärker stammt aus der Wissenschaft) – und berichtet das mit dem triumphalen Selbstbewusstsein des praktischen Schlaumeiers, in dem der Zuschauer schon ahnt, dass das Folgende nur ein Scheitern sein kann.

Färber spielt diesen Proletarier mit speziellem Charme: netter Typ, klangvoller Sprechton mit teils auf spätkindliche Art leicht singend angehobenen Satzschlüssen und ausartikulierten Wortenden, Schwanken zwischen Verlierergefühl und Selbstbehauptung, ein ständiges Trotzen. Dazu die vertrauensbildenden Blicke eines Typen, der ein Recht auf Verstandenwerden beansprucht. So einem nimmt man dann auch ab, dass er – um zur Liebe zu kommen – auf der Bühne masturbiert, zumal der Vorgang szenisch geschickt gelöst wurde: dezent und witzig zugleich.

Bukowskis Stück läuft in Warnemünde als Uraufführung. Sagen wir mal so: Nachdem der 2015 erschienene Text im Mai 2017 als kräftig eingedampfte Studioinszenierung in der Monodramen-Reihe des Theaters Vorpommern erprobt worden ist, hat es jetzt volle Bühnenreife. Unbedingt sehenswert!

Dietrich Pätzold

„Herz.Stand.Still“ nach Erdgar Allen Poe hatte am Freitag im Volkstheater Rostock Premiere.

Eine große Songwriterin, die lange auf der Suche war, bis ihr die Musik durch eine späte Begegnung nicht mehr wichtig wurde. Joni Mitchell wird am 7. November 75 Jahre alt.

04.11.2018

Die französisch-marokkanische Erfolgsautorin Leïla Slimani gibt Frauen der islamischen Welt eine Stimme und prangert verlogene Moralvorstellungen an – das Ergebnis ist nun auch als Graphic Novel in deutscher Sprache erschienen.

04.11.2018