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Kultur Blutsauger mit Humor im Schweriner Schloss
Nachrichten Kultur Blutsauger mit Humor im Schweriner Schloss
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00:00 03.07.2018
Begegnung mit dem Tod: Andreas Anke als Abraham van Helsing (v.l.), Jennifer Sabel als Lucy, Stella Hinrichs als Mina, Jochen Fahr als John und Özgür Platte als Arthur.
Schwerin

„Dieses Schloss ist ein Irrenhaus!“ Der das sagt, kennt sich damit aus: Es ist Dr. John Seward (Jochen Fahr), seines Zeichens Arzt und Leiter einer Irrenanstalt. Das Schweriner Schloss ein Irrenhaus? Es bildet jedenfalls die Kulisse für die „Dracula“-Aufführung innerhalb der Schlossfestspiele Schwerin 2018 – genauer gesagt, der Innenhof des Schlosses, wo es gute Möglichkeiten für eine Theateraufführung gibt. Da kann die Bühne auch relativ schmucklos bleiben, denn die prächtige Kulisse steht ja schon da.

Gruselig schön: Sebastian Reck als Dracula im Schlossinnenhof des Schweriner Schlosses. Quelle: Fotos: Silke Winkler/dpa

Der Vampirklassiker des irischen Schriftstellers Bram Stoker (1847-1912), im Jahr 1897 als Roman erschienen (siehe Kasten), ist in der Unterhaltungskunst vielfach verarbeitet worden und damit längst ein Teil der Popkultur. Das Ensemble der Mecklenburgischen Staatstheaters setzt in seiner Aufführung eher auf die humoristischen Seiten dieses Stoffs. Das liegt auch sehr nahe, denn das Gruseln kann man heute mit Vampiren niemanden mehr lehren.

Wir folgen also Jonathan Harker (Vincent Heppner), der sich auf den Weg nach Transsilvanien macht, um dort geschäftliche Dinge zu regeln. Sein Geschäftspartner ist ein gewisser Graf Dracula (Sebastian Reck), der durch sein merkwürdiges Sozialverhalten ständig neue Rätsel aufgibt. All das schreibt Jonathan Harker beunruhigt in Briefen seiner Verlobten Mina Murray (Stella Hinrichs) nach London.

Dorthin verlagert sich allmählich die Handlung des Stücks. Denn da ist die von Männern umschwärmte Lucy Westenraa (Jennifer Sabel), Miras Freundin, die später eines der ersten Opfer von Graf Dracula werden soll. Und da ist der eingangs erwähnte Arzt Dr. John Seward (Jochen Fahr), der seinen Patienten Renfield (Katrin Heinrich) zum Lieblingsforschungsobjekt auserkoren hat. Das Team der Vampirjäger wird schließlich komplettiert durch Abraham van Helsing (Andreas Anke).

Gemeinsam wollen sie Graf Dracula ans Leder, der inzwischen in London eingetroffen ist und auch dort seine Opfer sucht. Da erwischt es zunächst Lucy Westenraa, später widmet sich der blutdürstige Graf auch der Verlobten seines Geschäftspartners, Mina Murray. Das Ensemble der Vampirjäger, inzwischen ist auch Jonathan Harker wieder zurück, kommt der wissenschaftlichen Lösung des Rätsels nur langsam näher. Zum Showdown geht’s dann für alle Beteiligten zurück nach Transsilvanien, wo Graf Dracula der Garaus gemacht werden soll. All das nach dem damaligen Kenntnisstand der Vampirjäger – mit Holzpflöcken, Knoblauchzehen und so.

Das ist alles wissenschaftlich nicht ernst zu nehmen, auch die Darsteller haben offenbar richtigen Spaß an dieser Vorstellung. Graf Dracula redet ab und zu auch mal direkt ins Publikum, gruselig ist der Moment, als Patient Renfield ins Publikum klettern will. Aber dann die Sache mit den Babys als Vampirfutter – überhaupt nicht lustig.

Ansonsten: Auf- und Abgänge wie in einem Theaterschwank, Särge werden über das Kopfsteinpflaster herein- und herausgerollt, auch einige Balkone des Schlosses sind Spielorte. Ein sehr plastisches Theater-Erlebnis also, am Premierenabend unter wolkenlosem Abendhimmel bei angenehmem Klima. Und am Ende gab’s ein Feuerwerk vor den Schloss.

In dieser Inszenierung von Krzysztof Minkowski hatten freilich die Bösen die Nase vorn: Geradezu schaurig-furchterregend war der von Katrin Heinrich dargestellte Patient Renfield, während Sebastian Reck den Graf Dracula mit einer teuflischen, auch leicht humoristischen Attitüde versah. Vincent Heppner präsentierte den Jonathan Harker als eine schwache Persönlichkeit, aber auch mit viel Witz.

Zudem wurde diese Vampirgeschichte angereichert mit einigen philosophischen und religiösen Untertönen. Klar, das Blut ist eben ein ganz besonderer Saft, auch darum hat dieser Stoff von Bram Stoker so viele Jahrzehnte lang die Zuschauer fasziniert. Das war auch in diesem Fall ein unterhaltsamer Grusel.

Aber das Schweriner Schloss ein Irrenhaus? In dieser Aufführung war diese Bemerkung nur ein kleiner Seitenhieb, vielleicht gemünzt auf das dort ansässige Landesparlament. Aber der wirkliche Politik-Irrenhausbetrieb findet in dieser Woche woanders statt.

Weitere 16 Vorstellungen von „Dracula“ sind bis zum 21. Juli im Schweriner Schlossinnenhof zu sehen, nach Veranstalterangaben ausverkauft

Mythos fasziniert bis heute

Der irische Schriftsteller Bram Stoker (1847-1912) arbeitete sieben Jahre an seinem Vampir-Roman, der 1897 veröffentlicht wurde. Seither wurde der Vampir-Mythos oft in der Unterhaltungskunst verarbeitet, in Büchern und Filmen.

Berühmt wurde der Spielfilm „Nosferatu – Eine Symphonie des Grauens“ (1922, Regie: Friedrich Wilhelm Murnau), auch die Horrorkomödie „Tanz der Vampire“ (1967, Regie: Roman Polanski) oder der Fantasyfilm „Interview mit einem Vampir“ (1994, Regie: Neil Jordan). Zuletzt feierte das Vampir-Thema in den „Twilight“-Filmen mit seine Auferstehung. Die Saga basiert auf den vier Büchern von Stephenie Meyer.

Thorsten Czarkowski

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