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Kultur Bob Dylan schweigt bei Konzert zu seinem Nobelpreis
Nachrichten Kultur Bob Dylan schweigt bei Konzert zu seinem Nobelpreis
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00:00 15.10.2016
Mit Brille: Musiker Bob Dylan Quelle: J. Lo Scalzo/dpa

US-Rocklegende Bob Dylan hat sich von dem ihm zuerkannten Literaturnobelpreis unbeeindruckt gezeigt. Bei einem Konzert in Las Vegas im US-Bundesstaat Nevada ging der 75-jährige Musiker am Donnerstagabend mit keinem Wort auf die hohe Auszeichnung ein. Er ignorierte auch die Schreie aus dem Publikum, das ihn mit Ovationen und „Nobelpreisträger“-Rufen feierte.

Bei den Zugaben wich Dylan allerdings vom Programm eines vorherigen Konzerts ab und spielte seine Protest-Hymne „Blowin’ In The Wind“ – zur Freude der rund 2000 mitsingenden Konzertbesucher. Seinen Auftritt beendete er bezeichnenderweise mit einem Song, den Frank Sinatra einst sang: „Why Try To Change Me Now“ (etwa: Warum versuchen, mich jetzt zu ändern). Die Schwedische Akademie hatte Dylan am Donnerstag als ersten Songschreiber mit dem wichtigsten Literaturpreis der Welt geehrt.

Der britische Schriftsteller Salman Rushdie hat die Vergabe des Literaturnobelpreises an Dylan begrüßt und den US-Rockmusiker als „genial“ bezeichnet. „Von Orpheus bis Faiz waren Lieder und Poesie stets eng miteinander verbunden“, so Rushdie. Er bezeichnete Dylan als „brillianten Erben der bardischen Tradition“ und lobte die Wahl. „Dylan ist der geniale Erbe der Bardentradition. Großartige Wahl.“

Die US-Schriftstellerin Joyce Carol Oates bezeichnete die Preisvergabe als „inspirierend und echt“. „Seine eindringliche Musik und Lyrik schienen im tiefsten Sinn immer „literarisch““, schrieb die Autorin („Schwarzes Wasser“, „Blond“) bei Twitter. „Songwriting ist Schreiben, und Bob Dylan ist einer der einflussreichsten Schreiber der vergangenen 100 Jahre“, schrieb Science-Fiction-Autor John Scalzi.

Andere Literaten äußerten sich kritischer. „Niemand bestreitet, dass er ein genialer Musiker und ein großer Dichter ist“, schrieb der rumänische Schriftsteller Mircea Cartarescu auf Facebook. „Aber es tut mir so leid um die wahren Schriftsteller, Adonis, Ngugi, DeLillo und weitere 2,3, die den Preis beinahe in der Tasche hatten.“

Der britische Schriftsteller Irvine Welsh schrieb auf Twitter: „Ich bin ein Dylan-Fan, aber dies ist ein schlecht durchdachter Nostalgie- Preis.“

Sänger Klaus Meine (68) von den Scorpions findet den Literaturnobelpreis für Dylan „großartig“. „Bob Dylan ist ein so herausragender Künstler, ein Poet, ein Sänger, ein Songwriter, der Generationen von Rockmusikern inspiriert hat“, sagte er.

Mit Dylan wurde erstmals seit der Autorin Toni Morrison im Jahr 1993 wieder ein US-Amerikaner mit der Auszeichnung geehrt. In seiner über ein halbes Jahrhundert langen Karriere wurde Dylan unter anderem mit einem Oscar, Pulitzer-Preis, Polar-Music-Preis und Golden Globe ausgezeichnet.

OZ

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