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Kultur Böttcher-Atelier wird Café
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17:58 24.02.2018
Die Töchter Annett Wedemeier und Antje Michaelis (v.l.) räumen das Atelier von Falko Böttcher wegen Bauarbeiten leer. Quelle: Foto: Dietmar Lilienthal
Rostock

Es klingt wie eine traurige Geschichte, die dann doch noch einem Happy End zustrebt. Im Mittelpunkt steht der Rostocker Maler Falko Böttcher. Der 2009 verstorbene Künstler war in der Region bekannt für seine energetischen, teils drastischen Bilder, er hatte Fans ebenso wie Gegner. Bis heute sind seine Werke in Gruppenausstellungen, im Rostocker Kunstverein oder privaten Haushalten präsent.

Die Atelierräume des Rostocker Malers Falko Böttcher sind geräumt / Künftig soll dort ein „Falko“-Café mit seinen Gemälden entstehen

Was weniger bekannt ist: Falko Böttchers Atelier nahe der Hundertmännerbrücke in Rostock war bis vor kurzem noch im Originalzustand – ganz so, wie der Künstler es verlassen hatte. Lediglich seine Tochter Annett Wedemeier, sie ist Kunstlehrerin, nutzte einen Raum für eigene Arbeiten. Doch damit ist es nun vorerst vorbei. Vor kurzem flatterte Annett Wedemeier die Kündigung ins Haus. Der Vermieter plant einen Anbau, die Atelierräume müssen dafür komplett umgestaltet werden.

Wedemeier und ihre Familie machten sich daran, das Atelier zu räumen. „Ich hatte mit Tränen zu kämpfen“, bekennt sie. Einst hatte ihr Vater ihr eine Ecke im Atelier freigeräumt. Kurz vor seinem Tod war das, Annett Wedemeier hatte gerade fertig studiert. „Aber wir sind nie dazu gekommen, gemeinsam zu arbeiten“, erzählt sie. Umso schmerzhafter stiegen Erinnerungen auf, als sie die vielen Bilder im Atelier sichteten: Bilder von Familienmitgliedern, Porträts, Darstellungen des Kinderzimmers der Töchter.

Knapp zehn Jahre nach dem Tod Falko Böttchers ist sein Nachlass noch nicht vollständig aufgearbeitet. Annett Wedemeier und ihre Familie nehmen den Auszug aus dem Atelier nun zum Anlass, die Bilder zu fotografieren und ein System in die Sammlung zu bringen. Das dürfte auch für die Freunde von Falko Böttchers Kunst interessant sein. Denn noch immer sind Bilder von ihm auf dem Rostocker Kunstmarkt zu haben, aus dem Nachlass werden nun einige Werke an eine Anwaltskanzlei ausgeliehen.

„Viele Bilder eignen sich nicht fürs Wohnzimmer“, sagt Annett Weidemeier. Die Arbeiten sind sperrig im wahrsten Sinn des Wortes: Sie sind teilweise riesig, für große Räume konzipiert. Und sie sind sperrig im Dargestellten. Falko Böttcher arbeitete immer mit viel Kraft, malte mitunter mit beiden Händen und extralangen Pinseln gleichzeitig. Die Flächen sind unruhig, die Konturen verschwimmen.

Böttcher malte viele Landschaften und genauso viele nackte Frauenkörper. Die Dargestellten geben sich oft sehr freizügig und offen, die Perspektiven sind direkt, gleichwohl nicht pornographisch.

Dennoch erregten gerade diese Bilder immer wieder die Gemüter, immer wieder gab es teils heftig geführte Diskussionen. Dabei stand bei Böttcher vor allem der Akt des Malens im Vordergrund, das Durchbrechen der eigenen Routine, die dann auch bei den Betrachtern keine Routine zuließ. „So gesehen ist die Kunst Falko Böttchers die eines Suchenden“, schreibt die Kunstwissenschaftlerin Katrin Arrieta in einem Katalogtext, „eines Menschen, der wenig zu verkünden, aber viel zu fragen und infrage zu stellen hat.“

Die Spuren seines energetischen Kunstschöpfens sind bis heute auf Fußboden und Wänden des Ateliers zu sehen. Als die Familie mit dem Ausräumen begann, kamen immer wieder Bekannte vorbei und genossen ein letztes Mal die Aura des Ateliers, den Geruch nach Farbe und die Erinnerung an Pfeifentabak, dazu Böttchers Malutensilien, sein Schreibtisch, sein Stuhl. All das ist nun Erinnerung.

Fehlt noch das glückliche Ende: Der Vermieter, der mit Falko Böttcher befreundet war, hat Annett Wedemeier einen neuen Atelierraum in dem umgestalteten Gebäudekomplex in Aussicht gestellt. Außerdem soll ein Café eingerichtet werden. Der Name: „Falko“. An den Wänden Bilder des Künstlers. So ist der Plan. Und auf diese Weise stehen künftig Fragen im Raum, die der Künstler gestellt hat und auf die die Betrachter ihre eigenen Antworten finden.

Matthias Schümann

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