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Brecht und das Leben der anderen

Plüschow Brecht und das Leben der anderen

Der Hamburger Lyriker Uwe Kolbe stellt im Schloss Plüschow seine Streitschrift über Bertolt Brecht vor

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Liest am Sonnabend im Künstlerhaus: Uwe Kolbe.

Quelle: Gaby Gerster

Plüschow. Die DDR hätte es natürlich auch ohne Bertolt Brecht gegeben, das ist keine Frage. Aber hätte es sie ohne den Dichter und Dramatiker, der seit 1948 in Ostberlin lebte, auch so lange gegeben? Was bedeutete es für das kleine Land, dass sich die Intellektuellen von BB, der zwar kein Parteikommunist war, aber sich so verhielt, beeinflussen ließen? Uwe Kolbe stellt diese Fragen in seiner Streitschrift „Brecht. Rollenmodell eines Dichters“ ( S. Fischer Verlag) und liest daraus am Sonnabend, 13. August, im Künstlerhaus Plüschow in Nordwestmecklenburg – passend zur Ausstellung über die Künstlerszene der DDR in den 1980er Jahren.

Ausstellung und Lesung:

Die Ausstellung „Absage – Ansage.

Systemunabhängige künstlerische Positionen in den letzten Jahren der DDR“ läuft noch bis 14. August

Lesung 13. August, 17 Uhr

Der Lyriker Kolbe spricht als Betroffener. Er wurde 1957 in Ostberlin geboren und sorgte als 25-Jähriger mit seinem ersten Gedichtband „Hineingeboren“ für Furore. Im titelgebenden Gedicht etwa heißt es: „kleines grünes Land enges, Stacheldrahtlandschaft...“ Solche Zeilen waren 1982 durchaus möglich und entsprachen dem reformerischen Impetus der damals systemkritischen Intelligenz und Künstlerszene. Halblaut wurde Kritik geübt, doch die meisten hatten sich eingerichtet in sozialistischen Nischen, und grundsätzlich stellten nur wenige das System infrage. Dafür macht Kolbe BB verantwortlich. „Brecht war die Legitimation, warum man für die DDR sein konnte. Weil Brecht da war, musste man dableiben.“

Das galt allerdings nicht für den Lyriker Kolbe, der 1988 nach Hamburg übersiedelte, wo er heute, nach Jahren in Tübingen und Berlin, wieder lebt. Seit 2007 war er mehrfach als „Poet in Residence“ in den USA, er wurde mit dem Stipendium der Villa Massimo, dem Heinrich-Mann-Preis und dem Lyrikpreis Meran ausgezeichnet. Mehrere Lyrikbände sind im S. Fischer Verlag erschienen. In seinem Roman „Die Lüge“ (2014) beleuchtet er das Verhältnis eines systemtreuen Vaters zu seinem kritischen Künstlersohn. Parallelen zu Kolbes Leben sind zu erkennen, sein Vater war Führungs-IM der Stasi.

In seinem Brecht-Essay wirft Kolbe nicht nur ein neues Licht auf dessen letzte Jahre, sondern stellt auch die aktuelle Frage nach den Möglichkeiten und Grenzen künstlerischer Kritik. Die Diskussion mit dem eloquenten und meinungsfreudigen Dichter verspricht spannend zu werden.

Petra Haase

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