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Briefe zwischen Seelenverwandten

Rostock Briefe zwischen Seelenverwandten

Der Rostocker Hinstorff Verlag veröffentlicht nach und nach den Briefwechsel seines Autors Franz Fühmann Die ersten Bände spiegeln die Korrenspondenz mit dem Lektor Kurt Batt und dem Bildhauer Wieland Förster

Rostock. Mit gleich zwei neuen Bänden widmet sich der Hinstorff Verlag dem umfangreichen Briefwechsel, den der Schriftsteller Franz Fühmann (1922-1984) führte.

Dienstagabend wurden beide Bände in der Universitätsbuchhandlung Thalia vorgestellt. Die Moderation hatte der Kulturjournalist Ernst-Jürgen Walberg, er sprach mit Thomas Gallien, der die Briefbände für Hinstorff lektoriert hat. Mit im Podium war auch der Schauspieler Manfred Gorr, der im Verlaufe des Abends aus ausgewählten Briefen las.

Ein Band umfasst den Briefwechsel, den Franz Fühmann mit seinem Lektor Kurt Batt führte, der Band ist Start einer Reihe. „Die Fühmann-Briefe sind auf sieben Bände angelegt“, sagt Thomas Gallien, sie sollen bis 2024 erscheinen. „Warum gleich noch ein zweiter Band?“, fragt Walberg. Die Antwort liegt beim damaligen Briefpartner: Der Bildhauer Wieland Förster, mit dem Franz Fühmann von 1968 bis 1984 einen intensiven Gedankenaustausch pflegte, hatte die Herausgabe der Briefe ein wenig forciert, um sie noch erleben zu können, erläutert Gallien. Wieland Förster ist 86 Jahre alt. In Förster hatte Fühmann einen Seelenverwandten gefunden, der gedankliche Austausch endete erst mit Fühmanns Tod 1984. Zusammengestellt hat diesen Briefband Roland Berbig, Professor am Institut für Neuere Deutsche Literatur der Berliner Humboldt Universität.

Fühmanns Briefwechsel mit Lektor Kurt Batt war eher beruflicher Natur, schloss aber auch viele herzliche und humorige Momente ein, nun poetisch überschrieben mit „Träumen und nicht verzweifeln“.

Die beiden Bände sind im Tonfall unterschiedlich. Emotional wesentlich intensiver war der briefliche Austausch mit Wieland Förster, den Fühmann 1968 kennengelernt hatte. „Fühmann war ein grandioser Briefeschreiber“, sagt Thomas Gallien begeistert, er bringt ein Beispiel aus berufenem Munde: Der Schriftsteller Klaus Schlesinger hatte Fühmann wegen seiner kritischen und analytischen Reflexionen als „Victor Klemperer der DDR-Zeit“ bezeichnet. Der Leser bekommt bei diesen Bänden nicht nur einen Eindruck von der Gedankenwelt Franz Fühmanns, es geht tiefer. Im Gedankenaustausch mit Wieland Förster offenbart der Schriftsteller viel von seinen Selbstzweifeln und Ängsten, getragen von seiner schonungslosen Ehrlichkeit. Fühmann sah sich als gescheitert an und muss leider zu den tragischen Figuren der DDR-Literatur gezählt werden.

Franz Fühmann ist einer der großen Namen, die der traditionsreiche Rostocker Verlag heute noch in seiner Autorenliste hat. „Wir haben bis auf ganz wenige Ausnahmen die Weltrechte“, sagt Lektor Gallien. In Rostock wird also das umfangreiche Werk von Fühmann betreut, auch seine Kinderbücher.

Von Manfred Gorr gelesen wurden diese Briefe lebendig und legten jene Emotionen frei, die insbesondere Franz Fühmann und Wieland Förster in ihre schriftliche Konversation gelegt hatten, bis hin zur Verzweiflung, oft abgemildert durch manchmal garstigen Humor. An Förster, dessen Gießer eine Form deformiert hatte, schrieb Fühmann am 9. April 1974 zum Beispiel: „Freu dich, dann erschlag deinen Gießer. Ich bezahle den Anwalt. Händedruck, Franz!“

Im Grunde war diese Veranstaltung eine Aufforderung, Franz Fühmann wieder zu lesen oder überhaupt zu entdecken. So die Botschaft von Hinstorff Verlag, Literaturhaus Rostock und Thalia Universitätsbuchhandlung, die Gespräch und Lesung gemeinsam organisiert hatten. Der nächste Briefwechsel-Band der Reihe wird 2017 erscheinen, mit Briefen, die Fühmann mit seiner Lektorin Ingrid Prignitz austauschte.

Thorsten Czarkowski

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