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Kultur Benjamin Brittens „War-Requiem“ im Dom von Greifswald
Nachrichten Kultur Benjamin Brittens „War-Requiem“ im Dom von Greifswald
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13:49 29.10.2018
Benjamin Brittens „War Requiem“ im Greifswalder Dom  Quelle: Vincent Leifer
Greifswald

Man durfte sie spektakulär nennen: eine durch Exzellenzförderung der Bundesbeauftragten für Kultur und Medien der Bundesrepublik Deutschland ermöglichte und dem Ende des Ersten Weltkrieges vor 100 Jahren gewidmete Aufführung von Benjamin Brittens „War Requiem“ in Greifswalds Dom St. Nikolai – länderübergreifend mit den Opernchören der Theater Stettin, Klaipeda und Vorpommern, dem Akademischen Chor „Professor Jan Szyrocki“ sowie dem Kinderchor „Słowiki“ aus Stettin, dem Orchester der Oper im Schloss Stettin und der Vorpommerschen Philharmonie. Dazu die Gesangssolisten Aga Mikolaj (Polen, Sopran), Benjamin Hulett (Tenor, England) und Benjamin Appl (Bariton, Deutschland). An den Pulten: Generalmusikdirektor Florian Csizmadia (Theater Vorpommern) und Jerzy Wołosiuk (Oper Stettin).

Großer Aufwand also, aber keineswegs Masse statt Klasse! Dafür hatte Britten, der 1961 das Werk zur Wiedereinweihung (1962) der von den Nazis zerbombten Stadt Coventry schrieb, schon selbst gesorgt. Er verband die traditionellen liturgischen Missa de profundis-Texte mit bitteren und durchaus konterkarierenden Antikriegsversen des 1918 in Frankreich gefallenen englischen Dichters Wilfred Owen und setzte dabei kompositorisch ganz auf klanglich äußerst differenzierende Vielfalt. Damit gelang ihm – wie vorgestern sehr beeindruckend zu erleben - der singulär scheinende Wurf eines so berührenden wie verstörenden Werkes.

Zumindest machte die Aufführung deutlich, dass Tragik und Trauer hier beunruhigende, beklemmende, heftig warnende und fragende Akzente besitzen. Der im Programmheft zitierte Satz, ob nicht Gottes Schuld gegenüber Europa und der Welt groß sei (Ivor Gurney), steht dort wohl nicht von ungefähr. Auch sonst war man gut beraten, die lateinisch beziehungsweise englisch gesungenen Texte in deutscher Übersetzung zu verfolgen. Erst dann erschloss sich Brittens jedes Übermaß meidende und vor allem melodisch faszinierende, Distanz wie Empathie wirkungsvoll verknüpfende Meisterschaft.

In Greifswalds Dom ist sie chorisch, vokalsolistisch und instrumental wahrlich grandios und mit unerhörter Intensität Klang geworden. Ein denkwürdiger Abend! Demnächst auch in Stettin, Klaipeda und im Berliner Dom.

Ekkehard Ochs

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