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Kultur Bücher über Bienen erzählen von einer verschwindenden Welt
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00:00 09.06.2017

Vielleicht geht es den Bienen gerade so gut wie lange nicht, weil es ihnen so schlecht geht wie nie. Die Probleme, die diese Tiere mit Parasiten, mit Chemie in der Landwirtschaft und mit der Verdrängung von Wildblumen haben, sind vielen Menschen bewusst. Und nicht wenige ziehen daraus praktische Konsequenzen: Während traditionelle Freizeitbeschäftigungen wie das Züchten von Brieftauben oder Rassegeflügel aussterben, wächst das Interesse an der Bienenhaltung in rasantem Tempo. In Deutschland gibt es daher heute so viele Bienen – und Bienen-Väter und -Mütter – wie seit Jahrzehnten nicht mehr.

Kaum ein Wunder also, dass es die Insekten auch auf die politische Agenda geschafft haben. Die Vereinten Nationen wollen den 20. Mai sogar zum Weltbienentag erklären. 2018 soll es offiziell erstmals so weit sein, doch schon jetzt wird der Tag in vielen Ländern gefeiert. Der 20. Mai ist der Geburtstag von Anton Janša (1734-1773), dem slowenischen Hofimkermeister von Maria Theresia und ersten Lehrer der modernen Bienenhaltung.

Das zunehmende Interesse an den Bienen spiegelt sich auch auf dem Buchmarkt wider. Während vor zehn Jahren kaum eine Handvoll Titel zum Thema erhältlich war, ist deren Fülle heute kaum noch zu überschauen. Dazu gehören inzwischen sogar Romane, wie „Die Bienen“, in dem die britische Autorin Laline Paull auf elegante und überraschende Weise von einer modernen Biene Maja erzählt.

Die Norwegerin Maja Lunde hat es mit „Die Geschichte der Bienen“ sogar an die Spitze der „Spiegel“-Bestsellerliste gebracht. Sie spannt mit drei Szenarien aus Gegenwart, Vergangenheit und Zukunft ein breites Panorama der Beziehung von Mensch und Insekt auf und was es bedeutet, wenn Bienen als Bestäuber von Blüten ausfallen.

Gerade sind drei Sachbücher erschienen, die den üblichen Ratgeber-Ton hinter sich lassen. Jürgen Tautz und Diedrich Steen geben in „Die Honigfabrik“ präzise Einsichten in das Leben eines Bienenstocks. Die Autoren verbinden dabei die plastische Beschreibung mit neuen wissenschaftlichen Forschungsergebnissen und schrecken dabei auch nicht davor zurück, die Arbeit des legendären Bienenforschers Karl von Frisch richtigzustellen. Neben der Fülle an Erkenntnissen verblüfft aber vor allem die Menge der Leerstellen, auf die die Autoren hinweisen: Je mehr man über Bienen weiß, desto größer scheint auch die Zahl der offenen Fragen zu werden.

Der amerikanische Neurobiologe und Verhaltensforscher Thomas D. Seeley ist ein Virtuose darin, solche Fragen zu formulieren und Stück für Stück zu beantworten. Sein vor drei Jahren auf Deutsch erschienenes Buch „Die Bienendemokratie“ ist ein Lehrstück darüber, wie man durch Experimente zu Erkenntnissen kommt – hier zum Wissen um die erstaunliche Fähigkeit der Insekten, kollektive Entscheidungen zu treffen. Gerade hat Seeley einen neuen Band veröffentlicht: „Auf der Spur der wilden Bienen“ schildert das exotische Hobby der Bienenjagd. „Während der Imker seine Honigvölker in Bienenstöcken hält, sucht der Bienenjäger oder Zeidler nach Bienenvölkern, die in hohlen Baumstämmen und anderen selbst gewählten Behausungen leben“, schreibt Seeley, der diese fast vergessene Tätigkeit leidenschaftlich und amüsant als „Freiluftsportart“ empfiehlt.

Der Brite Dave Goulson ist einer der wenigen Profis in dieser Disziplin. In „Die seltensten Bienen der Welt“ erzählt der Biologe von seiner mühsamen Suche nach einst in Europa verbreiteten Hummeln und Wildbienen, die ihn an die entlegensten Winkel der Welt führt. Bei allem Charme ist das Buch vor allem eine erschreckende Bestandsaufnahme einer im Verschwinden begriffenen Welt.

Stefan Arndt

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