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Kultur Büchertempel von Kassel ist Hauptattraktion der documenta
Nachrichten Kultur Büchertempel von Kassel ist Hauptattraktion der documenta
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00:00 10.06.2017
Kassel

Bundespräsident Frank- Walter Steinmeier und der griechische Präsident Prokopis Pavlopoulos eröffnen heute die documenta 14 in Kassel, zu der eine Million Besucher erwartet werden. Mehr als 160 Künstlerinnen und Künstler zeigen auf der weltweit wohl wichtigsten Ausstellung zeitgenössischer Kunst ihre Arbeiten.

Die von dem polnischen Kurator Adam Szymczyk geleitete Schau in Kassel dauert bis zum 17. September. Bis zu einer Million Besucher werden in der nordhessischen Stadt erwartet. Am zweiten Schauplatz in Athen wurde die documenta 14 bereits Anfang April eröffnet und läuft noch bis zum 16. Juli.

Kulturstaatsministerin Monika Grütters (CDU) sieht die documenta 14 als Seismograph für den Zustand der Welt. Künstler und Künstlerinnen konfrontierten die Besucher hier unmittelbar mit den drängenden Fragen unserer Zeit, erklärte Grütters. „Inspirierend, verstörend, aufrüttelnd: All diese Eindrücke hinterlässt die documenta bei ihren Besuchern – so sind sie Spiegel all derjenigen gesellschaftlichen und politischen Herausforderungen, vor denen die Welt steht.“

Die Hauptattraktion der documenta 14 ist zweifellos der „Parthenon der Bücher“ auf dem Friedrichsplatz. Unübersehbar steht er mitten zwischen den Hauptlocations der Kunstausstellung,  70 Meter lang, 30 Meter breit und 20 Meter hoch ist das Riesen-Kunstwerk und hat damit in etwa die Maße des antiken Parthenon-Tempels auf der Akropolis in Athen. Es ist behängt mit Zehntausenden Büchern, die irgendwo in der Welt verboten sind oder es einmal waren. 

So spektakulär die Aktion ist, neu ist sie nicht. 1983 hat die Argentinierin Marta Minujín schon einmal einen „Parténon de Libros in ihrer argentinischen Heimat aufgebaut. Nach dem Ende der Diktatur hat sie dafür 25 000 von der Militärregierung verbotene Bücher verwendet. Dieser Tempel wurde am Ende der Aktion gezielt zum Einsturz gebracht – um die verbotenen Bücher wieder unters Volk und an die Leser zu bringen.

Ein eindrucksvolles Statement für die Pressefreiheit, das in Kassel aber nicht wiederholt werden wird. Die Behörden hätten das aus Sicherheitsgründen nicht erlaubt, sagte Minujíns Assistent.

Am Ende der 100 Tage ist „eine gemeinsame Aktion mit der Öffentlichkeit geplant, um die Bücher wieder kursieren zu lassen“, heißt es bei der documenta. 

Die in Plastik verpackten Bücher Bücher – knapp 45 000 sollen es inzwischen sein – wurden nach dem Startschuss auf der Frankfurter Buchmesse 2016 in aller Welt eingesammelt. Bis zu 100000 wollte die documenta ursprünglich bekommen, zuletzt wurde 50 000 als Zielmarke ausgegeben. Die dem Fridericianum abgewandte Seite ist noch ziemlich kahl. Aber der Ort ist gut gewählt: 1933 wurden hier rund 2000 Bücher von den Nazis verbrannt. 

Marta Minujín, die stets bunt gekleidete 74-Jährige, will mit dem Tempel das „Schwanken des Denkens in der Welt“ darstellen, wie sie sagt. „Dieser Parthenon des Friedens zeigt alle Verbote, die es in der Welt der Schriftsteller und Bücher gab – und wie die Politiker entscheiden, was die anderen lesen dürfen“, erklärte Minujín.

Im April hatte Minujín bereits in Athen, dem zweiten documenta-Standort, für Aufsehen gesorgt. In einer Performance überreichte sie einem Double von Bundeskanzlerin Angela Merkel Oliven als symbolischen Akt der Rückzahlung der griechischen Schulden.

Cecilia Casinos und Sandra Trauner

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