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Kultur „Buenos días, Kuba“
Nachrichten Kultur „Buenos días, Kuba“
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01:10 19.04.2018
Berlin

Damit hatte Landolf Scherzer wohl nicht gerechnet, als er sein Flugticket nach Havanna buchte. Kaum ist der Thüringer Schriftsteller in Kuba eingetroffen, stirbt Revolutionsführer Fidel Castro. Auf der Karibikinsel endet eine Ära, der Besucher aus „Alemania“ erlebt ein Land im Ausnahmezustand. Ein Menschenmeer füllt die Plaza de la Revolución, Tausende und Abertausende Kubaner sind gekommen, um dem Comandante „Adiós“ zu sagen. Dann wird die Urne mit der Asche des früheren Staats- und Parteichefs feierlich quer über die Insel zur letzten Ruhe nach Santiago de Cuba gefahren.

Das Cover des Buches „Buenos días, Kuba – Reise durch ein Land im Umbruch“ von Landolf Scherzer

Buchautor Landolf Scherzer reiste sechs Wochen durch Kuba. FOTO: MARTIN SCHUTT/DPA

Knapp sechs Wochen hat Scherzer Ende 2016 auf Kuba verbracht. Was er dort erlebte, hat er in dem Buch „Buenos días, Kuba – Reise durch ein Land im Umbruch“ aufgeschrieben. Kuba, das war für den gebürtigen Dresdner wie für die meisten DDR-Bürger früher ein schwer erreichbares Traumziel. Nun, mit 75 Jahren, fliegt der Literat zum ersten Mal hin. Ohne Spanisch- und mit eher bescheidenen Landeskenntnissen macht er sich auf, Havanna und Umgebung zu erkunden. Dem Leser bietet er ein lebendiges Bild des kubanischen Alltags, wenn auch ein unvollständiges.

Zum Zeitpunkt der Reise ist die Berliner Mauer schon 27 Jahre gefallen, die Sowjetunion seit 25 Jahren verschwunden. Auf Kuba hat der Sozialismus allen Unkenrufen zum Trotz überlebt, und wenn es nach Scherzer geht, dann soll das auch so bleiben. Schon Jahre vor Fidel Castros Tod hatte dessen jüngerer Bruder Raúl die Regierungsgeschäfte übernommen. Der Tourismus boomt, zaghafte Wirtschaftsreformen hin zu mehr Privatinitiative wurden eingeleitet, doch am Machtmonopol der Kommunistischen Partei wird nicht gerüttelt.

Anders als zu Zeiten der Wende gibt es auf Kuba heute die „Cuentapropistas“ (Selbstständigen), es gibt private Restaurants und auch privat vermietete Zimmer. In einem davon wohnt Landolf Scherzer. Es liegt am Cementerio de Colón, dem riesigen und sehenswerten Friedhof Havannas – den der Autor gleich nach seiner Ankunft und zufällig wenige Stunden vor Castros Tod erkundet. In den folgenden Tagen hat er damit zu tun, Briefe und Geschenke zu verteilen, die er als „Briefträger“ im Reisegepäck hat.

Der Scheck über 30 000 Euro, die ein Solidaritätsverein für die Opfer des Hurrikans „Matthew“ gesammelt hat, lässt sich auf Kuba nicht einlösen, und die Briefe einer Thüringer Genossenschaftsbank mit Investitionsvorschlägen versinken in der kubanischen Bürokratie. Dafür hat Scherzer viele schöne menschliche Begegnungen und kann am Ende allerhand erzählen über die Nöte der Privatvermieter, über Bauernmärkte und Tabakzüchter. Er erlebt eine „Santería“-Zeremonie, bei der zwei Hähne der Meeresgöttin Yemayá geopfert werden, und er begegnet einem Thüringer Landsmann aus dem Eichsfeld, der in Kuba als Restaurator erfolgreich ist. Er trifft auch viele Kubaner, die schon mal in der DDR waren. Einer von ihnen – der „Na gucke mal“-Albertico – kann sogar sächseln. Scherzer lässt die Kubaner reden und hat die Gesprächspartner fast alle fotografiert. Eine Stärke des Buches.

„Nein, ich will nicht urteilen“, sagt Scherzer, als ihn ein Kubaner nach seinem Urteil über Kuba fragt. Er zeigt Wissenslücken über das Land, macht aber deutlich, dass er das sozialistische System befürwortet. Er bewegt sich in einem roten Mikrokosmos. Als Dolmetscherin dient ihm die von Marxismus- und Castro begeisterte Studentin Julie aus Heidelberg.

K. Blume

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