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00:00 22.07.2016
Kreativer Prozess: Nándor Angstenberger bei der Arbeit an seiner Raum-Installation in der historischen Schmiede in Lauterbach. Fotos (2): Steffi Büssing

Wie ein riesiges dreidimensionales Spinnennetz ziehen sich die blauen Wollfäden durch den Raum. „Es ist ähnlich wie eine Zeichnung auf einem Blatt. Ich beginne damit, zwei Punkte zu verbinden und baue mit weiteren Verbindungspunkten im Raum eine Art Gerüst auf, das sich verdichtet und zu einem organischen Gebilde heranwächst“, erklärt der Berliner Künstler Nándor Angstenberger. Eine knappe Woche arbeitet er bereits an seiner Installation. Bis morgen soll daraus ein dichter Kokon aus 8000 Metern Wolle entstehen. Er ist Teil der Ausstellung „Circus Circus – Kunst in Putbus“, die in diesem Jahr ihre zweite Auflage erlebt. Vom 23. Juli bis zum 28. August können Besucher an drei Standorten Werke von insgesamt 19 Künstlern in Augenschein nehmen.

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Mit der Ausstellung „Circus Circus – Kunst in Putbus“ wollen die Galeristen Susanne Burmester und Hubert Schwarz ein breites Publikum ansprechen.

Angstenberger, dessen Kunst ausreichend Projektionsfläche für Interpretationen der Betrachter bietet – sei es nun als Sinnbild für Stillstand, für das Festhalten-Wollen oder auch dafür, neue Wege zu gehen – steht dabei stellvertretend für die jungen und häufig eher unkonventionellen Positionen der Galeristin Susanne Burmester, die die Ausstellung mit dem Greifswalder Galeristen Hubert Schwarz kuratiert hat. Das Konzept, die jungen Positionen ihrer Künstler den etwas etablierteren Positionen aus dem Bestand von Hubert Schwarz gegenüberzustellen und verschiedene Künstlergenerationen unter zwei Dächern zu vereinen, war bereits im vergangenen Jahr aufgegangen. „Das Feedback war toll, wir hatten mehr als 650 Besucher in sechs Wochen“, sagt Burmester nicht ohne Stolz. Auch Putbus habe sich dadurch als Kunststandort weiter etabliert.

Auch in diesem Jahr zeigen Burmester und Schwarz mit Künstlern wie Oskar Manigk, Thomas Hartmann, Gunilla Jähnichen, Christel Fetzer, Christin Wilcken, Miro Zahra oder Ruzica Zajec wieder einen breiten Querschnitt. „Die Qualität stimmt trotzdem“, betont Burmester. Neben Bildern und Installationen verschiedener Künstler werden in der Baltic Video Lounge zudem fünf Positionen junger polnischer Videokünstler zu sehen sein, die als fester Bestandteil in die Ausstellung integriert sind.

Neu in diesem Jahr ist, dass jedem Künstler ein eigener Raum gewidmet ist. Während im ehemaligen Kronprinzenpalais Ruzica Zajec ihre filigrane Glaskunst zeigt, schauen Besucher im Obergeschoss im Circus 11 auf zwei Großformaten von Gunilla Jähnichen direkt in die großen Augen der für die Künstlerin so typischen Kindergesichter. „Über die Kinder steigen viele Betrachter ins Bild ein, am Ende erkennt man sich jedoch oft selbst darin“, sagt Burmester.

Nebenan hängen die häufig leicht überbevölkert wirkenden Werke von Thomas Hartmann, für den die Anordnung auf seinen Bildern als Teil einer größeren Ordnung oft Kunstgriff ist, um die Funktion von Welt zu erklären.

Auch großformatige Bilder von Oskar Manigk, darunter „Marilyn auf Usedom“ und der „Pinguinjäger“ haben ihren Platz in einem der oberen Räume gefunden. „Die Ausstellung ist bewusst nicht durchkuratiert, wir haben einfach leichtfüßig und lässig mal hier und da was aus der Schublade gezogen. Aber ich glaube, genau das gefällt den Besuchern“, sagt Burmester mit einem Lächeln. Im Untergeschoss haben Werke von Miro Zahra ihren Platz gefunden. Die Bilder der Künstlerin, die im letzten Herbst den Landeskulturpreis entgegengenommen hat, bestechen nicht zuletzt durch die Arbeit in verschiedenen Schichten und den Mut, am Ende alles wieder auf ein Minimum zu reduzieren.

Oft wird gerade der morbide Charme des teilsanierten Gebäudes am Circus 11 zum Türöffner für Besucher. „Viele schauen einfach aus Neugier, weil sie sehen wollen, wie es im Gebäude aussieht“, weiß

Schwarz. „Die Hemmschwelle ist viel geringer als in einer Galerie.“

Das macht auch die Intention von Burmester und Schwarz deutlich. „Es geht uns darum, ein Publikum zu erreichen, das man sonst nicht erreicht, um es für die Kunst zu begeistern“, sagt Burmester, die den Besuchern gern Hintergründe zu Werken und Künstlern erklärt. „Letztlich geht es darum, den Menschen über den Spaß einen Zugang zur Kunst zu eröffnen.“

19 Künstler bei Circus Circus

Die Kuratoren (Foto re.) zeigen Werke von Christel Fetzer, Thomas Hartmann, Vanessa Henn, Gunilla Jähnichen, Nancy Jahns, Martin Kasper, Kai Klahre, Oskar Manigk, Peter Ruehle, Christian Wielka, Christin Wilcken, Ruzica Zajec, Miro Zahra, Nándor Angstenberger, Positionen von fünf Künstlern der Baltic Video Lounge sowie Druckgrafiken weiterer Künstler.

Ausstellung: 23. Juli bis 28. August, täglich 12 bis 17 Uhr

Stefanie Büssing

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