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Caspar David Friedrich als Pionier der Moderne

Berlin Caspar David Friedrich als Pionier der Moderne

Das Berliner Kupferstichkabinett würdigt den stilprägenden Beitrag des Greifswalder Romantikers in einer Ausstellung mit Zeichnungen des 19. Jahrhunderts

Berlin. Die Bilder von Caspar David Friedrich gelten heute als Klassiker. Doch die frühen Arbeiten des Greifswalder Malers (1774-1840) waren für ihre Zeit geradezu revolutionär. Für Experten gilt er gerade mit seinen Landschaftszeichnungen als Pionier der Moderne: Erstmals wagte ein Künstler, sich von althergebrachten Darstellungsformen zu lösen und die Landschaft nicht mehr 1:1 darzustellen, sondern gemäß der eigenen Vorstellungen zu abstrahieren. Er stieß damit die Tür auf für eine Entwicklung im 19. Jahrhundert, an deren Ende ein weiteres Genie der Kunstgeschichte stand: Vincent van Gogh (1853-1890). Eine Ausstellung im Berliner Kupferstichkabinett spannt jetzt den Bogen zwischen diesen epochemachenden Künstlern.

Kuratiert hat die Ausstellung „Romantik und Moderne. Zeichnung als Kunstform von Caspar David Friedrich bis Vincent van Gogh“ der Direktor des Kupferstichkabinetts, Heinrich Schulze Altcappenberg.

„Die Frage, wann die Moderne begann, wird oft gestellt“, sagt Schulze Altcappenberg. Der Anfang des 19. Jahrhunderts sei geprägt von gesellschaftlichen Umbrüchen wie dem Ende der Französischen Revolution sowie von technischen Neuerungen und Industrialisierung. „Es war der Beginn der bürgerlichen Epoche. Die Romantiker waren die Ersten, die dieser Epoche ein Bild gegeben haben“, beantwortet er die Frage.

Den Aufbruch von Caspar David Friedrich in diese neue Epoche beschreibt Schulze Altcappenberg anhand dessen Bildes „Kreuz im Gebirge“ (um 1806). Furore machte damals vor allem das, was das mit Sepia-Tusche gezeichnete Bild nicht zeigte: „Man sieht keine Menschen, Jesus am Kreuz ist nur an seiner Silhouette zu erahnen. Er wird vom Bildhintergrund her angestrahlt, die Sonne ist nur durch ihren Widerschein angedeutet. Der Gipfel ist kahl, die wenigen Bäume sind angeschnitten“, erklärt Schulze Altcappenberg. Damit breche CDF mit den damals gültigen Regeln der Landschaftsmalerei: „Bis dahin waren Landschaftsbilder durchkomponiert: Nach der klassischen Lehre sollten sie Menschen, Bauwerke, Flüsse, Berge zeigen. Aber Caspar David Friedrich reduziert die Landschaft radikal.“

Der Greifswalder trat damit eine Lawine los, die immer schneller rollte und die althergebrachten Kunstvorstellungen unter sich begrub. „Die Moderne macht jetzt Riesenschritte“, erklärt Schulze Altcappenberg. „Naturbilder werden im Laufe des 19. Jahrhunderts immer abstrakter.“ Die Künstler stellten sich mehr und mehr die Frage: „Wie kann ich die Natur wiedergeben und trotzdem zeigen, dass ich ein konstruiertes Bild schaffe?“

Auf die Spitze getrieben wird dieser Gedanke laut Schulze Altcappenberg wesentlich später durch René Magritte (1898-1967): Dessen Werk „Der Verrat der Bilder“ (1929) zeigt eine Pfeife, darunter schreibt Magritte aber: „Das ist keine Pfeife.“ Damit sage der Künstler, dass sein Werk eben nur ein Abbild der Realität ist und nicht wirklich real.

Ein weiterer Vertreter dieser neuen Auffassung ist Carl Blechen (1798-1840) mit seinen Wolkenbildern (um 1829). „Seine Darstellung ist schon fast abstrakt“, sagt Schulze Altcappenberg. „Eine Wolkenbank ist nur noch ein Strich auf dem Papier. Der Unterschied zwischen der Wirklichkeit, ihrer Auffassung durch den Künstler und ihrer Darstellung im Bild wird immer größer.“

Am Ende der in der Ausstellung aufgezeigten Entwicklung stehen Vincent van Goghs Rohrfederzeichnungen. „Sie bestehen nur noch aus einzelnen Strichen“, erklärt Schulze Altcappenberg. „Was Caspar David Friedrich und die anderen Romantiker erfunden haben, wurde von den Malern der Moderne weitergedacht – und van Gogh ging dabei am weitesten.“

Axel Büssem

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