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Kultur Charly Hübner glänzt als Mörder Honka
Nachrichten Kultur Charly Hübner glänzt als Mörder Honka
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00:00 20.11.2017
Charly Hübner trägt in der Rolle des Mörders Fritz „Fiete" Honka die Dame Ruth (Rica Blunck) über die Bühne. Quelle: Foto: Daniel Reinhardt/dpa
Hamburg

. Als brachial unterhaltsame Musikshow über soziales Elend, Einsamkeit und Serienmord hat Heinz Strunks Erfolgsroman „Der goldene Handschuh“ (2016) seine Uraufführung am Deutschen Schauspielhaus Hamburg gefeiert. Auf die Inszenierung des Kult-Humoristentrios Studio Braun reagierte das Publikum am Samstagabend mit viel Beifall und Bravorufen.

In der Hauptrolle des Fritz Honka, des legendären Frauenkillers im Hamburg der 70er Jahre, berührte Schauspielstar Charly Hübner (Rostocker „Polizeiruf 110“). Hübner, Ensemblemitglied am Schauspielhaus, ist der Star der Zeit- und Milieustudie. Obwohl äußerlich so ganz anders als der kleinwüchsige, durch einen Unfall im Gesicht entstellte Honka, gewährt der wuchtige Darsteller sensible Einblicke in dessen desaströses, eigentlich kaum vorhandenes Innenleben. In der schwankenden, krampfhaft um aufrechte Haltung bemühten Pose eines Säufers und lebenslang Getretenen vermittelt Hübner dessen Sehnsucht nach Anerkennung und einem Dasein voller Glück mit schönen und gepflegten Frauen. Um doch in Nachtwächter-Uniform eine fette, unansehnliche Randexistenz wie Gerda Voss (Bettina Stucky) zur Unterschrift unter eine Unterwerfungserklärung zu zwingen.

Oder auch sturzbetrunken in schmutziger Unterwäsche beim Sex in seiner mit Nacktbildern aus Illustrierten voll gehängten Dachkammer zu versagen.

Lieblingsschlager des real existierenden Honka war Salvatore Adamos „Es geht eine Träne auf Reisen“. Und so schallen diese Schnulze, der Kriegsschlager „Komm zurück“ sowie Schunkel- und Blechmusik von einer Band, die schon mal in Heilsarmeeuniform aufmarschiert, über die fulminant von Stéphane Laimé gestaltete Drehbühne. Über allem schwebt zunächst in einem Glascontainer eine fast bankrotte Reederfamilie von der vornehmen Elbchaussee. Bis sich Vater (Michael Weber) und Sohn (Jonas Hien) im Kiez-Puff begegnen – und die Geschichte erzählt, dass ein verheerendes Triebleben nicht nur beim Bodensatz der Gesellschaft anzutreffen ist.

Ulrike Cordes

Frank Kessler ist seit zwei Jahrzehnten Schauspieler / Der Rostocker liest regelmäßig im Heringsdorfer Steigenberger

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