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Chorreise auf den Spuren Jesu

Rostock Chorreise auf den Spuren Jesu

Rostocker Choralchor fährt nach Jerusalem / Konzerte und Begegnungen auf dem Programm

Rostock. Für evangelische Christen aus Deutschland zählt sie zum Pflichtprogramm einer Reise nach Jerusalem: Die Erlöserkirche feiert 2018 ihr 120-jähriges Bestehen.

Während die meisten Besucher die Kirche nur besichtigen oder einem Gottesdienst beiwohnen, wird dem Choralchor der Rostocker St.-Johannis-Kantorei eine besondere Ehre zuteil: Rund 50 Jugendliche geben dort nächste Woche ein Konzert. Es ist Teil einer einwöchigen Reise der Begegnungen mit verschiedenen Religionen und Kulturen sowie mit der Geschichte.

Zustande kam die Reise über den Kontakt zum Kirchenmusiker der Erlöserkirche, Gunther Martin Göttsche. „Herr Göttsche hat 2017 das Jubiläumsstück für die 40. Singwanderung des Choralchors verfasst“, erklärt Kantor Markus Johannes Langer. „Er war so begeistert, wie wir sein Werk gesungen haben, dass er uns nach Jerusalem eingeladen hat.“ Jetzt sei die letzte Chance, diese Einladung anzunehmen, denn Göttsche hört im März in Jerusalem auf.

Das Konzertprogramm ist eine Mischung aus klassischer religiöser Chormusik, zeitgenössischen Kirchenliedern und auch israelischen Stücken. Sängerin Sophia Dupke freut sich besonders auf das letzte Stück, „Bleib bei mir, Herr“ von William H. Monk (1823-1889): „Der Text und auch die Melodie sind sehr berührend“, erklärt die 14-Jährige. Das Original, „Abide with me“, wird in Großbritannien oft bei Beerdigungen gesungen.

Die Reise soll aber keineswegs eine reine Konzerttour werden: Auf dem Programm stehen neben einem weiteren Auftritt auch Ausflüge ans Tote Meer und biblische Stätten sowie ein Besuch der Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem und Treffen mit jüdischen und palästinensischen Gemeinden. „Wir wollen bei den Jugendlichen Verständnis für das schwierige und gleichzeitig so wichtige Zusammenleben der Religionen in Jerusalem wecken“, erklärt Langer.

Einen tiefen Eindruck bei den jungen Leuten dürfte der Besuch in Yad Vashem werden, glaubt Langer: „Das muss sehr bedrückend und erschreckend sein. Aber dafür sind wir ein evangelischer Kirchenchor, da wird so etwas nicht ausgeblendet.“ Sänger Sebastian Schröder (18) wird während der Reise die zu Hause Gebliebenen mit einem Blog auf dem Laufenden halten, wohl auch mit den Eindrücken der Gedenkstätte: „Ich bin im Jahr 2000 geboren, ich habe mit dem Holocaust nur aus der Distanz zu tun. Dennoch fühle ich mit und es wird mich nachdenklich stimmen, wenn wir dort sind.“ Der 14-jährige Lukas Möller hat sich mit Büchern und Filmdokus auf die Reise vorbereitet: „Ich erwarte, dass ich mich besinne und auch mal runterkomme.“ Letzteres erhofft er sich unter anderem durch ein Bad im Toten Meer.

Manche Eltern hätten Bedenken wegen der Sicherheit in der von Krisen geplagten Region gehabt, räumt Langer ein. „Aber wir reisen bewusst nur in sichere Gebiete.“ Freitags, wenn es in Jerusalem nach den Gebeten der Muslime zu Spannungen kommen kann, ist die Gruppe nicht in der Stadt. Langer ist sicher: „Die Menschen dort wollen in Frieden leben, ihre Kinder großziehen und zur Arbeit gehen.“ In diesem Sinne wird der Kantor mit den Jugendlichen auch das „Vater unser“ aus dem Oratorium „In Terra Pax“ von Frank Martin singen – „Friede auf Erden.“

Axel Büssem

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