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Clubkonzert, Saunagang und Indiepop auf Augenhöhe

Rostock Clubkonzert, Saunagang und Indiepop auf Augenhöhe

Die Berliner Band Von Wegen Lisbeth spielte am Freitag vor 400 Besuchern in Helgas Stadtpalast in Rostock

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Von Wegen Lisbeth: Sänger Matthias Rohde, Bassist Julian und Keyboarder Robert, nach dessen Oma die Band benannt ist, in Helgas Stadtpalast in Rostock. Bis auf Frontman Matthias Rohde wollen die Musiker nur ihre Vornamen bekanntgeben.

Quelle: Thorsten Czarkowski

Rostock. Helgas Stadtpalast in Rostock war genau der richtige Ort, um die Berliner Band Von Wegen Lisbeth zu erleben. Ein kleiner Club, ein bisschen retro, ein bisschen shabby, eben wie im coolen Berlin. In diesem Fall hatte der Spätsommer den Raum noch ordentlich vorgeheizt – es wurde also Clubkonzert und Saunagang in einem. „Wir benutzen hier zum ersten Mal die Handtücher“, meinte Sänger Matthias Rohde, „und ich dachte immer, die wären nur für Opabands wie AC/DC da.“

Lina! Ich will Dein Sushi gar nicht sehen Warum ist Dein Leben

so prima?

Und Du immer so wunder wunderschön?“Aus dem Song „Sushi“, der sich über den Facebook-Wahn lustig macht, ständig alles fotografieren zu müssen.

Von Wegen Lisbeth war bereits im Schlepptau anderer Bands unterwegs, im Vorprogramm von Element of Crime und AnnenMayKantereit, in diesem Jahr auch schon in Rostock. Diese Verbindungen waren logisch – Element of Crime förderten hoffungsvollen Nachwuchs und AnnenMayKantereit hatten sich Gleichgesinnte ins Vorprogramm geholt. Von Wegen Lisbeth präsentieren eine sehr griffige Lyrik, ihre Texte treffen, wie man so schön sagt, einen Nerv. Das sind Verarbeitungen von Alltagserlebnissen und damit, na klar, auch Liebeslieder. „Denn dass diese Welt nicht zusammenfällt, liegt nur allein an deinen Beinen“, heißt es beispielsweise in „Wenn du tanzt“. Aber auch der dazugehörige Kummer muss verarbeitet werden: „Immer wenn ich kotzen muss, geht Liebe durch den Magen“ singt Matthias Rohde im Song „Lisa“. Von Wegen Lisbeth gehören zu einer Generation, deren Sprache natürlich durch das Internet geprägt ist, so entstehen Zeilen wie „Als dein iPhone so grazil in den Landwehrkanal fiel“

(„Chérie“), manchmal sind schon die Songtitel prägnant, wie „Drüben bei Penny“, „Becks Ice“ oder „Milchschaum“. Eine lyrisch verkürzte Alltagssprache, wie bei AnnenMayKantereit oder Kraftklub auch.

Kein Wunder also, dass die Texte auch in Rostock vom vor allem jungen, weiblichen Publikum laut und heftig mitgesungen wurden. Von Wegen Lisbeths erste „richtige“ CD „Grande“ ist vor zwei Monaten erschienen, Ende 2014 gab’s fünf Titel auf einer EP mit dem seltsamen Titel „Und plötzlich der Lachs“. Aus diesem Material setzt sich das Programm des Abends zusammen. Und musikalisch? Indiepop. Da erfinden Von Wegen Lisbeth das Rad nicht neu, ihre Songs sind aber temporeich und eigen, vor allem wegen prägnant eingesetzten Keyboardsounds.

Dieser Auftritt war also weit weg vom durchgestylten und bestuhlten Live-Erlebnis. Denn ein Clubkonzert ist auch immer eine Begegnung auf Augenhöhe mit dem Publikum. Die Berliner präsentierten sich gut gelaunt in einer Mischung aus Unbekümmertheit und Selbstbewusstsein. Ihnen hat das klassische Musikmarketing noch nichts anhaben können. Und vor allem: Die fünf Musiker nehmen sich selbst nicht allzu wichtig. Jedenfalls findet man bei ihnen nicht die Zerquältheit von Johannes Oerding, nicht das Teddybärige eines Mark Forster und nicht das schrecklich Banale, das eine Band wie Glasperlenspiel serviert. Also angenehm anders als der Deutschpop, der einen tagtäglich aus dem Radio anspringt.

Es war eine Party ohne Reue in Helgas Stadtpalast, über anderthalb Stunden Programm, mehr ging nicht, auch wegen der Hitze. Da war die Luft im wahrsten Sinne des Wortes raus – aber aus dieser Band noch lange nicht.

Thorsten Czarkowski

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