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Cocktail mit klassischer Zierkirsche

Cocktail mit klassischer Zierkirsche

„Schorny spielt auf“ hieß es am Mittwoch bei den Festspielen Mecklenburg-Vorpommern im Schweriner Strandpavillon von Zippendorf.

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Heinz-Jürgen Staszak zum Schorn-Konzert in Zippendorf

„Schorny spielt auf“ hieß es am Mittwoch bei den Festspielen Mecklenburg-Vorpommern im Schweriner Strandpavillon von Zippendorf. „Schorny“, das ist der Wiener Klarinettist Matthias Schorn (30), Preisträger in Residence, der sich hier mit sieben seiner musikalischen Freunde von der leutseligen Seite zeigte, mit einem farbigen Cocktail aus Folk, Pop und Jazz, mit einer klassischen Zierkirsche (Schuberts „Leise flehen meine Lieder“) dran. Das Publikum erlebte und feierte diese Mischung geradezu euphorisch.

Denn dieser Cocktail war nicht die übliche süffige Crossover-Mixtur, nur auf den flotten Effekt und kurzen Rausch bedacht. Er hatte eigene originelle Aromen, erzeugt von hochprofessionellen Musikern, die sich hier ihrer Leidenschaft für das urwüchsige spielerische Moment der Musik hingaben, befreit von klassischen Ordnungen. Eines dieser ungewohnten Aromen ist Schorns Vorliebe für die vernachlässigte, rührend-naive Volksmusik seiner Heimat, die hier in etlichen Weisen erklang, bei denen Schorn auch zur Knopfharmonika griff.

Aber Klassik, Volks-, Pop- und Jazzmusik wurden nicht einfach nur nebeneinandergestellt, sondern ihre gegenseitigen Echos waren allenthalben zu spüren: Da klang schon mal ein finnischer Tango, als wär‘ er von Liszt fürs Klavier gesetzt worden (Jarkko Riihimäki), da wurde eine Filmmusik mit der virtuosen Brillanz klassischer Konzertsolisten auf Flöte (Pirmin Grehl) und Klarinette geboten.

Auf den Punkt gebracht wurde dieses Prinzip von den beiden Wiener Jazzern Thomas Gansch (37, Trompete) und Georg Breinschmid (39, Schlagbass). Sie kreierten, als tragende Säule des Abends, ein ganz neues Amalgam, in dem sich Musik aus verschiedensten Stilrichtungen nahezu rückstandslos zu einer authentischen Neuschöpfung verbindet: Da tauchen Beethoven auf, Opernmelodien von Wagner und Verdi, Walzerklänge, Operettenschnulzen und sonstiges Material, getrieben durch die höchst kunstvollen Improvisationsmanieren des Jazz. Abgeschmeckt mit einer seltenen Zutat, mit echtem, ursprünglichem musikalischen Humor, gewürzt mit einem Schuss musikalischer Selbstironie. Das war von höchster nachhaltiger, weil geistreicher Vergnüglichkeit.

 

OZ

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