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Kultur Comeback – Höchste Eisenbahn für Chic
Nachrichten Kultur Comeback – Höchste Eisenbahn für Chic
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16:07 07.09.2018
Die Party startet neu: Nile Rodgers (Mitte) mit Chic am 9. Juni beim Bonnaroo Music Festival in Manchester, Tennessee. Quelle: imago/ZUMA Press
Hannover

 Das Album soll „It’s About Time“ heißen. Und der Titel ist zutreffend. Es ist höchste Eisenbahn, wenn jemand im Pop ein Vierteljahrhundert nichts von sich hat hören lassen. 26 Jahre ist „Chic-ism“, das letzte Liederbuch von Chic, nun schon her.

Chic waren mehr als ein Disco-Mischpultprojekt

Chic – wer? Für Spätgeborene: Das war das von den deutschen Boney M stark beeindruckte amerikanische Funk-Quartett um Sängerin Norma Jean-Wright (später ersetzt durch Luci Martin und Alfa Anderson), bei dem Nile Rodgers die Gitarre spielte, Bernard Edwards den Bass burren ließ und Tony Thompson am Schlagzeug saß.

Der R’n’B von Chic hatte Elemente des Jazz und des Rock’n’Roll und war cleverer als die meiste Disco-Musik damals. In der Studio54-Ära waren sie kein reines Mischpultprojekt sondern eine richtige Black-Music-Band. Den kalten Winter 1978/79 machten Chic der ganzen Welt zur heißen Zeit, indem sie „Le Freak“ auslieferten, die mit sieben Millionen verkauften Einheiten erfolgreichste Single des Labelklassikers Atlantic: „Aaah – freak out! Le freak, c’est Chic!“ sang die Welt im Groove. Damals.

Die neuen Chic sind eine ganz andere Truppe. Thompson und Edwards sind tot, Wright war schon Anfang der Achtzigerjahre der Vergessenheit anheim gefallen. Chic 2.0 sind also der 65-jährige Nile Rodgers mit Verjüngung - den britischen Sängerinnen Cosha und Nao (alias Neo Jessica Joshua) und deren Landsmann, dem Elektro-Songwriter und – Produzenten Mura Masa (alias Alex Crossan) am Bass.

Der Vintage-Wind weht bei der neuen Single „Boogie All Night“

Die erste Single „Boogie All Night“ stellten sie dieser Tage live in der Show „Later … with Jools Holland“ vor. Ein charakteristischer Chic-Beat mit Scat-Gesang, lässig, jazzig, sommersüffig aber auch old-fashioned - ein Rücksturz in den Sound von 1981. Der Vintage-Wind weht. Und eigentlich ist es ja die zweite Single.

Denn es war schon 2015 „about Time“. Damals hatte Rodgers, der zwischenzeitlich David Bowie und Mick Jagger, Grace Jones und Diana Ross produziert hatte, der 2013 als Co-Autor von Daft Punks „Get Lucky“ einen Monsterhit verzeichnen konnte, und schon eine Weile wieder als Chic featuring Nile Rodgers tourte, das Album schon einmal angekündigt.

Die Single „I’ll Be There“ erschien, das Album aber blieb rätselhafterweise in der Versenkung. Im Dezember 2017 erzählte Rodgers in einem Interview mit der BBC, von einer Nierenkrebserkrankung genesen zu sein. Möglicher Grund für den Planungsstopp. „2018, hier komme ich!“ rief er damals aus und versprach für 2018 etwas „jenseits meiner wildesten Träume.“

Die Siebzigerjahre-Party ist neu ausgerufen

Und was jenseits von denen liegt, ist nun wohl „It’s about Time“. Außer den Genannten sind noch die Rapperin Stefflon Don (Rapperin) und der britische Soulmann Craig David mit von der Partie. Gerüchteweise sind überdies Gesangsbeiträge von „Blondie“-Sängerin Debbie Harry und Bruno Mars enthalten. Nao empfindet ihr Mitwirken als Ehre: Wir alle sind mit Chic aufgewachsen. Egal, wer du bist oder woher du kommst, sie sind eine dieser Bands, die den Soundtrack für mindestens einen Abschnitt deines Lebens geliefert haben.“

1992, als die musikalische Lebensabschnittspartner der Generation Disco schon einmal ein kurzes Comeback hatten, definierte Rodgers den Sound im Text von „Chic Mystique“…a force that’s driving, there is no surviving, bass and rhythm makes you move, get into a chic groove! ... (eine Kraft, die treibend ist, es werden keine Gefangenen gemacht, Bass und Rhythmus setzen dich in Bewegung, versetzen dich in einen Chic-Groove”. Die Party ist neu ausgerufen. Auf ein Tänzchen!

Chic: „It’s about Time“ (erscheint am 7. September), Chic sind live am 16. August im Berliner Tempodrom zu sehen, der Ticketverkauf hat bereits begonnen

Von Matthias Halbig / RND

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