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00:00 06.12.2017
Stephan Engelstädter, Sebastian Powilleit und Tom Ludwig (v.l.) von den „Les Bumms Boys“ in dem selbst gestalteten Zimmer im Warnemünder Dock Inn. Quelle: Foto: Dietmar Lilienthal
Rostock

Bands, die in Hotelzimmern Botschaften an den Wänden hinterlassen, sind normalerweise höchst ungern gesehen – im Warnemünder Hostel Dock Inn werden sie sogar dazu aufgefordert: In der vergangenen Woche bezogen die Punkrocker von Feine Sahne Fischfilet ihre selbst gestaltete Suite mit Kritzel-Botschaften und Pfeffi-Bar im 5. Stock. Zwei Etagen tiefer, in der Nummer 315, haben die Rostocker Jungs von Les Bummms Boys seit Ostern ein 8er-Zimmer gestaltet. Zum Konzert der Band am Sonnabend im Rostocker Mau-Club dürfen acht glückliche Fans auf den 50 Quadratmetern nächtigen.

Details aus der Suite der Punkband „Feine Sahne Fischfilet“: Besucher, die dort nächtigen, können sich an der Pfeffi-Bar bedienen und die Lieblingsplatten der Band hören. Quelle: Foto: Stefanie Büssing

Die Wände sind in kräftigem Blau gestrichen und zeigen die Konterfeis der fünf Rostocker, in der Mitte steht eine chillige Couch, auf der es sich Sänger Stephan Engelstädter und Schlagzeuger Tom Ludwig gemütlich gemacht haben. Neben den Songtexten an der Wand rotiert ihr aktuelles Album „Live im Klostergarten“ im CD-Player und untermalt akustisch die Szene. An der Wand lehnt eine Akustikgitarre. „So haben wir damals in Warnemünde angefangen“, erinnert sich Sebastian Powilleit. Damit meint er sich und seinen Bandkollegen Stephan, der irgendwann zufällig bei Sebastians Bandprobe auftauchte. „Ich war nur als Begleitung da, konnte selbst gar nicht spielen, fand’s aber irgendwie gut und habe mir dann selbst eine Gitarre schenken lassen“, erinnert sich Stephan. Damals war er 18. Später zogen beide in eine Rostocker WG und mit Gitarren und Bollerwagen übers Land. Bald kam Schlagzeuger Tom mit seinem Astra dazu, mit dem das Trio durch die Region düste. „Wir haben Straßenmusik gemacht und unter Seebrücken geschlafen“, erzählt Sebastian. Auch eine Tour durch Europa, bei der sie auf der Straße und in Kneipen spielten, haben die Jungs schon hinter sich.

Oft entstehen durch die Straßenmusik interessante Projekte, wie beispielsweise die Zusammenarbeit mit dem Dresdner Kabarett „Herkuleskeule“. „Das Politische hat unserer Entwicklung auf jeden Fall gutgetan“, sagt Tom. Aber es ist nicht die sprichwörtliche Moralkeule, die die Jungs in ihren Texten schwingen, sondern es sind die feinen ironischen Nuancen, die man bei ihnen heraushört.

Der Name, der in fetten Lettern auf dem Tourbus prangt, sorgt oft für Irritation: „Es gab schon Mädels, die uns gefragt haben, ob wir Stripper sind“, erzählt Tom und lacht. Auch Konzerte seien daran schon gescheitert. „Dabei war eigentlich unser musikalischer Bumms gemeint“, fügt Sebastian hinzu. „Die Zweideutigkeit ist nur eine schöne Begleiterscheinung.“ Zur Sicherheit wählte die Band dann doch lieber drei M, das verleiht dem Ganzen mit dem französischen „Les“ die nötige Etikette.

Von der Kita über eine buddhistische Schwulenhochzeit in Brasilien bis hin zum Altersheim in Nizza reichen die Auftritte der Band: „Unser ältester Fan war 106 Jahre alt“, sagt Sebastian. Obwohl die Jungs längst in der Musikszene von MV angekommen sind und pro Jahr rund 100 Konzerte von Rostock bis Mitteldeutschland spielen – darunter beim Pangea-Festival oder als Vorband der Berliner Band Mutabor – sind sie sich nicht zu schade, bei Wohnzimmerkonzerten mal vor 35 Leuten aufzutreten. Während die HMT-Absolventen Martin Becker (Saxophon, Klarinette) und Erik Weyer (Posaune) für den satten Blechbläsersound sorgen, schreibt Stephan die Texte: „Politik, Freundschaften, witzige oder beschämende Situationen im Leben notiere ich, um Bilder für meine Texte zu finden“, sagt er.

„Die Bummms Boys passen einfach zu uns, deswegen haben wir sie angesprochen“, sagt Dock-Inn- Geschäftsführer Christoph Krause zu den Band-Zimmern in den ausrangierten Überseecontainern. „Früher dienten die zum Export von Ware, heute exportieren wir damit die heimische Kultur.“

Les Bummms Boys: 9. Dezember im Mau-Club Rostock, Tickets unter: ☎0381/38303017, www.oz-tickets.de

Stefanie Büssing

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