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Dahin gehen, wo‘s wehtut

Berlin Dahin gehen, wo‘s wehtut

Die Autorin Mo Asumang sucht rassistische Hassprediger auf, um deren braune Tiraden zu entzaubern.

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Autorin, Moderatorin, Filmemacherin und Schauspielerin: Mo Asumang (53) auf der Leipziger Buchmesse.

Quelle: Jens Kalaene/dpa

Berlin. Eine Umarmung. Für eine schwarze Frau aus Deutschland. Von einem glühenden weißen Rassisten in den USA, der rassistische Internet-Talkshows produziert, sich als „Lone Wolf“ – als einsamer Wolf – im „Rassekrieg“ der Weißen gegen die Schwarzen sieht, in der „White Aryan Resistance“, was sich so passgenau als „War“ abkürzen lässt und auf Deutsch „Krieg“bedeutet. Eine Umarmung für Mo Asumang, die es sich in den Kopf gesetzt hat, den Menschen im Nazi aufzuspüren, falls es da drin so jemanden gibt.

OZ-Bild

Die Autorin Mo Asumang sucht rassistische Hassprediger auf, um deren braune Tiraden zu entzaubern.

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Wie konnte es dazu kommen? Und was sollte es bringen?

Mo Asumang ist Fernsehzuschauern seit Jahrzehnten bekannt – in den 90ern moderierte sie auf Pro7 die Reihe „Liebe Sünde“, wo es dazugehörte, Fragen zu stellen, die sonst öffentlich nur wenige stellen mochten. Später machte sie mit Grimmepreis-prämierten Dokumentationen auf sich aufmerksam: In „Roots Germania“ (2007) und „Die Arier“ (2014) begab sich die 1963 in Kassel geborene Tochter eines Ghanaers und einer Deutschen hierzulande und in Expeditionen um die halbe Welt auf die Suche nach ihrer Identität und nach Antworten auf die Frage, warum Nazis und Rassisten sie unter keinen Umständen als „deutsch“ oder „arisch“ akzeptieren wollen.

Diese Suche liegt nun auch als Buch vor – und wer Mo, eigentlich Monika, dabei folgt, taucht mit ihr in eine bizarre Parallelwelt ein, in der NS-getränkte Rasse-Ideologien angepriesen werden von beinharten und völlig in sich ruhenden Neo-NS-Denkern wie in Deutschland der 2009 verstorbene NPD- Fürst Jürgen Rieger, rechtsaußen siedelnden Burschenschaftlern, Ku-Klux-Klan-Kapuzenträgern in den USA oder eben vom Nazi-Talker Tom Metzger, der sich im Laufe des Gesprächs mit Asumang als Baum-Umarmer outet und am Ende sogar die schwarze Interviewerin aus Deutschland umarmt: „Ich hoffe, keiner sieht‘s. Dann bin ich erledigt.“

Ausgelöst haben diese seltsame Suche die unzähligen Hass-Mails, die Asumang schon zu Pro7-Zeiten und erst recht als Dokumentarin der braunen Szene erreichten und die in dem Lied „Die Kugel ist für dich, Mo Asumang“ gipfelten, gegrölt vom bekennenden Neonazi Lars Burmeister und dessen Band „White Aryan Rebels“ – schon wieder „War“, Krieg, ganz im Sinn des US-Hasspredigers Metzger.

Dieses Lied traf sie ins Mark, das gibt sie offen zu, es löste Angst und Ratlosigkeit aus – und war die Initialzündung zu einer ganz eigenen Konfrontations-Therapie: Mo Asumang spürte den Ungeistern nach, versuchte sie zum Reden zu bringen – auf deren eigenem Terrain und sogar als „Moni-in-Berlin“ auf Nazi-Flirtportalen.

Was das soll? Asumangs Freundin Esther Bejarano (91), Auschwitz-Überlebende und trotz hohen Alters unermüdlich aktiv gegen rechtsextreme Re-Ideologisierung, kann die mitunter naiv wirkende Vorgehensweise Asumangs nicht wirklich verstehen: „Ich glaube nicht daran, dass du irgendwas bewirken kannst. Die haben so voll ihre Ideologie im Kopf, und die ist menschenverachtend“, hält sie der fast 40 Jahre jüngeren Mit-Aktivistin in einem reflektierenden Kapitel vor.

Zweifel scheinen auch Mo Asumang selbst immer wieder zu befallen – ihr entsprechender innerer Monolog wirkt manchmal etwas überflüssig. Gleichwohl geht man mit, wenn sie „dahin geht, wo‘s wehtut“, („Die Welt“).

Am Ende glaubt sie, die bösen Geister gebannt zu haben, jedenfalls für sich selbst. Der Leser fragt sich, ob er das nachvollziehen kann, nur weil auch Nazis verbindlich wirken können. Nazis hörten auch früher schöne Konzerte, abends, „als Menschen“. Tagsüber taten sie, was Nazis tun, wenn man sie lässt.

Den Rassismus im Fokus

Mit fünf Wochen kam Mo Asumang, Kind einer Deutschen und eines Ghanaers, 1963 ins Kinderheim, wuchs bei Pflegeeltern und ihrer deutschen Großmutter auf. Dass diese als Schreibkraft für die SS gearbeitet hatte, erfuhr die Schauspielerin, Autorin und Filmemacherin erst nach deren Tod. Asumang studierte Visuelle Kommunikation in Kassel und Klassischen Gesang in Berlin. Seit 15 Jahren forscht sie dem Thema „Rassismus“ nach.

Michael Wittler

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