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Dancing in the Dark – das Leben hinter der Bühne Bruce Springsteen über seine Autobiografie „Born to run“, seinen Vater und Depressionen

Frankfurt/Main Dancing in the Dark – das Leben hinter der Bühne Bruce Springsteen über seine Autobiografie „Born to run“, seinen Vater und Depressionen

Bruce Springsteen kommt rein. Eine Gitarre hat er nicht dabei, denn der 67-Jährige steht auf keiner Konzertbühne, liefert keine seiner berauschenden Shows ab, sondern ...

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Bruce Springsteen in Frankfurt

Quelle: Dedert/dpa

Frankfurt/Main. Bruce Springsteen kommt rein. Eine Gitarre hat er nicht dabei, denn der 67-Jährige steht auf keiner Konzertbühne, liefert keine seiner berauschenden Shows ab, sondern spricht in einem Frankfurter Luxushotel über seine Autobiografie „Born to run“. Sie ist ein Bestseller, das gegenwärtig meistverkaufte Sachbuch in Deutschland.

Bruce Springsteen ist hauptberuflich Singer/Songwriter und kein Schriftsteller und doch ein Star der Frankfurter Buchmesse. In seinen Memoiren teilt er mit seinen Lesern nicht nur für Fans interessante Interna wie etwa die Neuigkeit, dass er seine Stimme „nicht gerade toll“ findet. Bemerkenswert ist das Buch, weil er über die Tabuthemen Angst und Depression schreibt.

Noch ein anderer Musiker mischt die Literaturszene zurzeit auf. Es ist Bob Dylan, der in diesem Jahr den Literaturnobelpreis erhält. Dylan ist ein Idol Springsteens. Wie dieser will er Illusion und Täuschung enttarnen, trösten, Hoffnung geben.

Nicht wenige der etwa 100 Journalisten bei diesem Termin scheinen an Springsteens Lippen zu hängen, als hockten sie im „Club der toten Dichter“. Sie sind wohl auch Fans. „Carpe diem!“, verkündete Robin Williams im Film. „No surrender!“, singt Springsteen und meint das Gleiche. Gebt nicht auf! Trotzt den Schrecklichkeiten, den Schmerzen, den Enttäuschungen! Macht das Beste daraus! Gebt euer Bestes! So wie er selbst. Das ist seine Botschaft, in seinen epischen Konzerten wie in seinem 672 Seiten starken Buch, in dem er sich als Soulpunk und Kontrollfreak beschreibt.

Dass Springsteen, der Superrocker, eine ramponierte, angsterfüllte Seele hat, merkt man ihm in seinen beglückenden Shows nicht unbedingt an. Nun, in seinen Memoiren, offenbart er, dass er vor Verzweiflung „kalte, schwarze Tränen“ weinte, dass ihn eine giftige, selbstzerstörerische Sehnsucht nach Einsamkeit peinigte. „Ich wollte vernichten, was ich liebte, weil ich es nicht ertragen konnte, geliebt zu werden.“

Mit 32 begann er eine Therapie. Sie sollte 30 Jahre dauern. Heute nimmt er Antidepressiva. Musik machen und die Liebe seiner Familie – beides hat für ihn eine befreiende, heilende Wirkung - helfen ihm nicht allein.

Während er Fragen beantwortet, lacht Springsteen immer wieder, als könne er es gar nicht fassen, was er da geschrieben hat. Er erzählt von seinem Vater, der ihn nicht förderte, sondern viele Jahre die Anerkennung verweigerte, der nachts in der dunklen Küche saß, rauchte, soff und grübelte, der manisch-depressiv war. Kein Licht, keine Hoffnung . Der Vater konnte nicht darüber sprechen. Bruce Springsteen dagegen hat es gelernt. Geradezu demütig ist sein Tonfall, beim Gespräch wie im Buch, das auch das stolze Ergebnis seiner Marathon-Therapie zu sein scheint, seiner Seelenreparatur.

Man spürt: Der Musiker blickt nicht nur als besorgter Chronist auf die Kluft zwischen amerikanischem Traum und Wirklichkeit. Der Mann, so viel ist sicher, hat sich auch selbst gründlich durchleuchtet.

Womöglich wird Springsteen für immer touren, so wie Dylan, weil „das zu den Dingen gehört, die ich tue, um bei Verstand zu bleiben“. Ob er sich wundere, dass sein kauziges Idol bisher kein Statement zum Literatur-Nobelpreis abgegeben hat? „Ich bin mir sicher“, antwortet Springsteen, „dass er sich freut.“

Mathias Begalke

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