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Dandy Tom Wolfe: „In Miami, da hasst jeder jeden“

Miami Dandy Tom Wolfe: „In Miami, da hasst jeder jeden“

Mit seiner 1987 erschienenen New-York-Geschichte „Fegefeuer der Eitelkeiten“ wurde Tom Wolfe (81, Foto) berühmt. In seinem neuen Roman hat er sich wieder eine US-amerikanische Großstadt vorgenommen.

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Miami. „Back to Blood“ spielt in Miami, wo schon jetzt Realität ist, was die USA bald prägen wird: Einwanderer bilden die Mehrheit der Bevölkerung, Englisch könnte bald nicht mehr die am häufigsten gesprochene Sprache sein. Weiße angelsächsischer Abstammung fühlen sich als Mitglieder eines „schrumpfenden und bedrohten kleinen Stammes“.

Vier Jahre lang hat Wolfe an seinem Roman geschrieben, sieben Millionen Dollar Vorschuss soll er bekommen haben. Sein scharfer Blick richtet sich von oben auf Weiße, Kubaner, Haitianer und Russen, die auf der Suche sind nach Geld, Ruhm, Aufstieg, Macht, Anerkennung, Sex — oder allem zusammen. Wolfe schickt seine Protagonisten in einen Kampf aller gegen alle. „Wenn Sie Miami wirklich begreifen wollen, müssen Sie vor allem eins begreifen: In Miami, da hasst jeder jeden“, lässt er den kubanischen Bürgermeister sagen.

In dieser Schlangengrube muss sich Nestor Camacho behaupten, ein junger Polizist kubanischer Herkunft. Bei einem spektakulären Einsatz auf einer Luxusyacht rettet er einen Flüchtling. Heldenruhm jedoch gewinnt er nicht. Stattdessen wird er von der kubanischen Gemeinde zum Verräter gestempelt, weil er den Flüchtling aus einer lebensbedrohenden Lage befreite, bevor dieser amerikanischen Boden betrat und er deshalb zurückgeschickt wird nach Kuba. Weiterer Schlag für Nestor: Von seiner Freundin Magdalena, die er vergöttert, bekommt er den Laufpass.

Der Schriftsteller-Dandy Wolfe arbeitet auch in seinem neuen Roman mit schriller Übertreibung. In „Back to Blood“ sind manche Charaktere so stark überzeichnet, dass man leicht die Lust an ihnen, ihren Exzessen, ihrer Oberflächlichkeit und ihren Obszönitäten verliert. Die größte Schwäche des Romans aber ist: Wolfe schickt seine Protagonisten in eine Art Bürgerkrieg. Innere Konflikte und Widersprüche, die die Personen und die Handlung lebendig und interessant machen würden, kommen kaum vor. So ähnelt „Back to Blood“ der Welt, die darin beschrieben wird: grell, überspannt, aufgeregt, schreiend bunt — und auf Dauer ziemlich ermüdend.

Liliane Jolitz

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Von Redakteur Liliane Jolitz

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