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„Dantons Tod“ als Monolog

Greifswald „Dantons Tod“ als Monolog

Seit dieser Spielzeit ist „Rote-Rosen“-Schauspielerin Annett Kruschke Ensemblemitglied am Theater Vorpommern / Das Georg-Büchner-Drama hat sie als Ein-Personen-Stück inszeniert

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Szene aus „Dantons Tod“ am Theater Vorpommern: Das Büchner-Drama hat Annett Kruschke zu einem Monolog umgearbeitet, bei dem sie alle Charaktere selbst verkörpert. FOTOS (3): VINCENT LEIFER

Greifswald. An ihr erstes Vorsprechen erinnert sich Annett Kruschke noch gut. „Ich war 14 und habe Annekathrin Bürger im Wohnzimmer eine Szene vorgespielt. Ich war furchtbar aufgeregt“, erzählt die 53-Jährige. Damals sucht Regisseur Georgi Kissimov ein junges Mädchen für den DEFA-Film „Der Baulöwe“ mit DDR-Größen wie Rolf Herricht und Annekathrin Bürger. Auf Kruschke wird er aufmerksam, weil die sich zuvor an der Hochschule für Film und Fernsehen Babelsberg beworben hatte.

OZ-Bild

Seit dieser Spielzeit ist „Rote-Rosen“-Schauspielerin Annett Kruschke Ensemblemitglied am Theater Vorpommern / Das Georg-Büchner-Drama hat sie als Ein-Personen-Stück inszeniert

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Kruschke bekommt die Rolle. Und: Sie bleibt zeitlebens dem Metier treu. Auch wenn die Anfänge nicht immer leicht waren. „Im Backfischalter ist man sowieso verunsichert. Wenn man dann noch als nicht ausgebildete Schauspielerin zu den Großen stößt, ist das eine schwierige Situation. Ich habe damals positive aber auch negative Reaktionen bekommen“, sagt sie.

Von ihrem Ziel abgebracht hat sie das nicht. Mit 16 studiert sie als eine der Jüngsten in Babelsberg, spielt danach am Deutschen Nationaltheater Weimar, am Städtischen Theater Chemnitz, am Maxim-Gorki-Theater und an der Volksbühne Berlin. Sie gehört zur Anfangs-Ära der Volksbühne am Rosa-Luxemburg-Platz des Intendanten und Regisseurs Frank Castorf. „Es war eine aufregende und kämpferische Zeit“, sagt Kruschke im Hinblick auf die Wendezeit, in der vielen Theatern die Schließung drohte. Eine Zeit, die ihr Bewusstsein für den Wert der Kultur geschärft hat.

Da lassen sich durchaus Parallelen zur Gegenwart ziehen. Auch aktuell tobt an der Volksbühne der Kampf: Seit Freitag ist das Theater von dem Kunst-Kollektiv „Staub zu Glitzer“ besetzt. Es geht um Kritik an der Neuausrichtung der Volksbühne rund um den neuen Intendanten Chris Dercon, um eine nicht am Profit orientierte Kulturlandschaft, kulturelle Mitbestimmung und letztlich um den Stellenwert, den Kultur in unserer Gesellschaft einnimmt. „Ich finde es sehr gut, dass in einer solchen Inszenierung um die Kultur gekämpft wird“, sagt Kruschke. „Dafür, dass Kultur nicht einfach plattgemacht werden darf.“

Obwohl Annett Kruschke in vielen Fernseh-Produktionen zu sehen war – darunter „Kein Pardon“ mit Hape Kerkeling, „Rote Rosen“, „Tatort“, „Polizeiruf 110“, „Lindenstraße“, „Soko Wismar“, „In aller Freundschaft“ – sieht sie sich in erster Linie als Theaterschauspielerin. „Wichtiger als die Rolle ist die Intention des Regisseurs“, sagt sie. „Der Geist muss übereinstimmen.“

Auch Kruschke ist eine Geschichtenerzählerin. Sie hat einen Kurz- und Stummfilm gemacht und ein Drehbuch für einen Spielfilm geschrieben. „Eine Liebesgeschichte, die keine Klischees bedient“, sagt sie. Schon in der Studienzeit interessiert sie sich für die Französische Revolution. Stoff, den sie vor einigen Jahren in Form des Georg-Büchner-Dramas „Dantons Tod“ wieder aufgenommen und daraus den Büchnermonolog „Danton! Tod!“ gemacht hat, den sie am Schleswig-Holsteinischen Landestheater als Ein-Personen-Stück inszenierte. Die überarbeitete Version ist am 30. September bei der Büchner Doppelpremiere von „Leonce und Lena“ und „Dantons Tod“ am Theater Vorpommern zu sehen: Seit dieser Spielzeit ist Kruschke dort neues Ensemblemitglied. Ihren Regie-Einstand gab sie bereits mit dem Monodrama „Medea. Stimmen“ von Christa Wolf. Eine weitere Inszenierung wird das Theaterstück „Vereinte Nationen“ des Österreichers Clemens J. Setz sein, das unter dem Spielzeitmotto „Ordnung und Widerstand“ im Rahmen eines Spektakels von insgesamt fünf Inszenierungen gezeigt wird. „Es geht um die Manipulation von außen, die viele Menschen bereits verinnerlicht haben“, sagt Kruschke.

Auch das Thema Französische Revolution, bei dem Kruschke sich der Büchner’schen Sprache und moderner Hilfsmittel, wie zum Beispiel einer E-Gitarre, bedient, wird nicht heroisch verklärt: „Dass sich der Mensch durch eine blutige Revolution weiterentwickelt, wie es die Geschichtsschreibung suggeriert, fand ich schon immer unstimmig“, sagt sie. Dass sie den Stoff ins Heute holt, zeigt auch eine Figur, die Georg Büchner kaum bekannt gewesen sein dürfte: „Stellvertretend für das Volk habe ich Daniela Katzenberger gewählt.“

Georg-Büchner-Doppelpremiere

Eine Georg-Büchner-Doppelpremiere steht am 30. September in Greifswald an: Sie beginnt um 18 Uhr mit der Preview zu „Dantons Tod“ (Rubenowsaal, Inszenierung und Schauspiel Annett Kruschke). Um 20 Uhr folgt das Lustspiel „Leonce und Lena“ (Großes Haus). Ab April 2018 ist „Dantons Tod“ als Monodrama (4) zu sehen: Premiere ist am 19. April 2018 in Stralsund (Gustav-Adolf-Saal) und am 4. Mai 2018 in Greifswald (Rubenowsaal).

„Ordnung und Widerstand“, Spektakel auf allen Bühnen, „Vereinte Nationen“: Greifswald 26. Mai 2018 (Gesamtes Haus), Stralsund 2. Juni 2018 (Gesamtes Haus)

Stefanie Büssing

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