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Kultur Das Adoptivmonster
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23:04 11.04.2013
"Mama" mischt Horror und Drama zu einem gepflegten Gruselcocktail. Quelle: Universal
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Mama ist die Beste! Sie füttert ihre Kinder mit leckeren Kirschen, sie spielt selbst dann noch mit ihnen, wenn doch eigentlich schon Schlafenszeit sein sollte, und singt ihnen anschließend zum Einschlummern süße Wiegenlieder vor. Nun gut, einen kleinen Fehler hat sie vielleicht: Sie ist extrem eifersüchtig. Und auch nicht mehr so ganz lebendig. Andrés Muschiettis Horrorfilm "Mama" dreht sich um eine äußerst verzwickte Familienkiste, gegen die moderne Patchwork-Familien in Sachen Konfliktpotenzial sehr, sehr alt aussehen. Dass der Kino-Debütant dabei auf zahlreiche wohlbekannte Genreklischees zurückgreift, fällt dank stimmungsvoller Inszenierung und einer starken Hauptdarstellerin kaum auf.

Glück gehabt! Als Annabel (Jessica Chastain, "Zero Dark Thirty") auf dem Test nur das einsame Minus erblickt, das anzeigt, dass sie doch nicht schwanger ist, schickt die Punkrockerin erst mal ein Stoßgebet zum Himmel. Auch ihr Freund Lucas (Nikolaj Coster-Waldau, "Game of Thrones"), ein Comiczeichner, fühlt sich nicht bereit fürs Familienleben.

Das ändert sich aber, als die beiden kleinen Töchter seines Bruders auftauchen: Vor fünf Jahren entführte der die Mädchen und ward nie mehr gesehen. Victoria (Megan Charpentier) und Lily (Isabelle Nélisse) blieben alleine in einer einsamen Hütte im Wald zurück und sind normalen menschlichen Verhaltensweisen nur noch sehr eingeschränkt zugänglich. Ihr Kinderpsychologe (Daniel Kash) ist überzeugt, dass ein stabiles familiäres Umfeld die beiden schnell in die Zivilisation zurückbringen kann.

Lucas und Annabel müssen - sie mehr, er weniger widerwillig - ran. Doch sie nehmen nicht nur die beiden Mädchen auf: Victoria und Lily werden begleitet von einer unheimlichen Präsenz, die sie liebevoll "Mama" nennen. Hat die ältere Victoria, durch die Entführung ohnehin schon traumatisiert, ihre erzwungene Mutterrolle im Wald auf eine erfundene Figur projiziert? Oder gibt es da tatsächlich ein finsteres Wesen, das sich in den Schatten und Winkeln des neuen Zuhauses verbirgt und voller Eifersucht jeden Annäherungsversuch der Pflegeeltern gegenüber den Mädchen grausam bestraft?

Ohne zu viel zu verraten: Allzu lange bleibt die Frage nicht offen. Zu viel Spaß hatten Muschietti und sein Produzent Guillermo del Toro ("Pans Labyrinth") an ihrer Mama, die nicht am Computer entstand, sondern von einem Schauspieler gespielt wird. Javier Botet verfügt als Betroffener des sogenannten Marfan-Syndroms nicht nur über eine außergewöhnliche Physiognomie, sondern kann sie auch äußerst wirkungsvoll einsetzen. Die Schockmomente, die er immer wieder durch sein plötzliches Auftauchen oder sein widernatürliches Bewegungsmuster hervorruft, sind Gruselkino der alten Schule; allzu viel Kunstblut wurde in der Produktion nicht verbraucht. Auch die Story entwickelt sich nach altbekannten Genrestandards. Doch die einfachen Effekte genügen - gemeinsam mit der düster-dichten Atmosphäre, die Muschietti webt - zumindest anfangs völlig, den Pulsschlag in die Höhe zu treiben.

Im weiteren Verlauf des Films allerdings, in dem Mama von einer geisterhaften Präsenz in den Augenwinkeln zu einem veritablen Monster wird, nimmt die Angst ab: Fast gewinnt man den ungebetenen Hausgast sogar ein bisschen lieb - insbesondere natürlich, als Annabel beginnt, der traurigen Geschichte des Geistes auf die Spur zu kommen. Jessica Chastain, mit Panda-Make-Up und dunkler Perücke kaum wiederzuerkennen, verleiht ihrer Figur die genau richtige Mischung aus Trotz und Verletzlichkeit und macht so aus der etwas schablonenhaft geratenen Rolle einen echten Charakter, mit und um den man gerne fürchtet. Und man muss fürchten, denn in dem Maße, in dem Annabel den Mädchen näherkommt, wächst Mamas tödliche Eifersucht.

Der Kampf der beiden ungewöhnlichen Adoptivmütter gerät fast eher zum düsteren Familiendrama - bis Mama beschließt, das Sorgerecht ein und für allemal in ihrem Sinne zu regeln. Durch dieses Hin und Her ist "Mama" vielleicht kein Horrorfilm aus einem Guss, sondern eher eine Mischung aus verschiedenen Genres. Aber manchmal funktionieren Patchworkmodelle eben doch.

Homepage "Mama"

Homepage Universal

Fanpage Jessica Chastain

Fanpage Nikolaj Coster-Waldau

Infoseite zum Film

(Flash)

(WMV)

Homepage Javier Botet

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