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Das Berliner Schloss - Eine Einladung zur Weltreise

Humboldt heute Das Berliner Schloss - Eine Einladung zur Weltreise

Die Brüder Humboldt gehören zu den wichtigsten Natur- und Kulturforschern der deutschen Geschichte. Das neue Kulturzentrum im Berliner Schloss soll in ihrem Geiste bilden und erziehen.

Berlin. Was hat Guano-Dünger mit Kolonialismus zu tun? Warum hilft Mülltrennen dem Albatrossküken in Peru? Fragen wie diese soll das Humboldt Forum im rekonstruierten Berliner Schloss einmal erläutern.

Die Gründungsintendanz um den britischen Museumsstar Neil MacGregor gab am Mittwoch erstmals Einblick in ihr mit Spannung erwartetes Konzept. „In der Mitte der Hauptstadt, auf dem zentralen Platz der Republik können wir alle die Welt als Ganzes erforschen“, so das Credo.

Angelehnt an MacGregors Erfolgsrezept vom British Museum in London sollen unterschiedlichste Objekte aus den Berliner Museen Weltgeschichte erzählen und damit globale Probleme deutlich machen. Als Beispiel stellten die Experten die Ausstellung „Extreme! Natur und Kultur am Humboldtstrom“ vor, die bis zum 26. Februar in der futuristischen Infobox am Schlossplatz zu sehen ist.

Mit Alltagsgegenständen, spirituellen Objekten, Kunstwerken und Beispielen aus der Pflanzen- und Tierwelt wird erklärt, wie die extremen Naturbedingungen in Peru die Kultur dort prägten - und welche Auswirkungen Umweltverschmutzung und Klimawandel heute haben.

Da ist dann der Guano-Kormoran zu sehen, der jahrhundertelang den traditionellen Dünger für die Landwirtschaft lieferte, ehe dieser von den Kolonialherren rücksichtslos abgebaut wurde. Oder das Schwarzfuß-Albatrossküken, das an den angeschwemmten Plastikabfällen am Strand verendet ist. Demonstrativ wird dazu ein wilder Abfallberg in einem Glascontainer gezeigt, Besucher können zersetzten Plastikmüll aus einem Sandkasten heraussieben.

Bis zur Eröffnung des Humboldt Forums Ende 2019 sollen voraussichtlich jeweils drei Ausstellungen im Jahr auf dieser „Probebühne“ inszeniert werden, wie MacGregor ankündigte. „Sie sind eine Aufforderung zur Weltreise und geben einen Vorgeschmack auf das künftige Humboldt Forum.“ Die nächsten Themen sind „Kindheit“ und „Gold“.

Kulturstaatsministerin Monika Grütters (CDU), die den britischen Museumsmacher im vergangenen Jahr für das bis dahin wenig populäre Schloss-Projekt berufen hatte, nannte das Konzept „ebenso inspiriert wie inspirierend“. „Es verspricht ein Geschichts- und Kulturpanorama, das uns die Welt neu verstehen lässt“, sagte sie.

Schwerpunkt der Dauerausstellung werden die Sammlungen des Ethnologischen Museums und des Museums für Asiatische Kunst sein, die bis jetzt im Ortsteil Dahlem ein Schattendasein fristen. Auch das Land Berlin und die Humboldt Universität bekommen Ausstellungsflächen.

Ziel sei, möglichst viele Institutionen und Forschungseinrichtungen miteinander zu vernetzen und damit neue Perspektiven zu eröffnen, so das Intendantenteam, zu dem auch Preußen-Stiftungspräsident Hermann Parzinger und der Kunsthistoriker Horst Bredekamp gehören.

Ein Dauerthema soll nach Angaben von Parzinger auch die Auseinandersetzung mit der deutschen Kolonialvergangenheit sein. Ziel sei, die Herkunftsländer in einem „Dialog auf Augenhöhe“ an den Ausstellungen zu beteiligen. „Das Humboldt Forum muss ein Scharnier sein, das auch in diesem Sinne in die Welt hinauswirkt.“

Neu ist die Idee, in der Belétage statt der bisher geplanten Kunstbibliothek eine Humboldt Akademie zu errichten. „Hier sollen die Besucher die Gebrüder Alexander und Wilhelm von Humboldt kennenlernen. Das ist das Basislager zur Weltreise“, so MacGregor. Zudem soll die wechselvolle Geschichte der Preußen-Residenz nicht nur an einem Ort, sondern in „Interventionen“ im ganzen Haus erzählt werden.

Das Schloss war im Krieg schwer beschädigt und zu DDR-Zeiten gesprengt worden. Der Wiederaufbau mit historischen Fassaden und modernem Innenleben ist mit 590 Millionen Euro veranschlagt. Daran würden auch die vorgeschlagenen Nachbesserungen nichts ändern, sagte Grütters. „Wir liegen im Kosten und Zeitplan.“

Allerdings wünschen sich die Gründungsintendanten einen kostenlosen Eintritt für das offene Haus - gemäß dem Humboldtschen Motto „Ideen können nur nutzen, wenn sie in vielen Köpfen lebendig werden“. Der Vorschlag habe schon einen „positiven Anklang“ im Kopf von Finanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) gefunden, meinte Grütters. Konkrete Zusagen stehen aber noch aus.

dpa

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