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Das Böse ist immer und überall

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Mehr Krimi als Schocker – Stephen Kings dritter Roman um einen geisteskranken Massenmörder

München. Stephen King kann es ganz einfach. Der letzte Teil seiner Trilogie um den geisteskranken Massenmörder „Mr. Mercedes“ ist so spannend wie die ersten beiden Teile – „Mind Control“ geht über die beiden Vorgänger-Bände weit hinaus. Im dritten Teil wird aus – sozusagen – normalen Kriminalfällen wieder eine Story, die mit dem Einbruch des Überrealen in den Alltag spielt.

 

OZ-Bild

Ein echter King eben, in manch einer Hinsicht. Der Massenmörder Brady Hartsfield liegt zwar in einem Krankenhaus im Koma, seitdem er im letzten Moment daran gehindert wurde, bei einem Rockkonzert die Halle in die Luft zu sprengen. Holly, eine Bekannte des ehemaligen Kriminalbeamten Bill Hodges, hatte dem Killer den Schädel eingeschlagen.

In „Mind Control“ betreiben Bill und Holly gemeinsam eine Ermittlungsagentur. Sie bekommen allerdings erst mit, was mit Brady Hartsfield im Krankenhaus wirklich geschieht, als es fast zu spät ist.

Hartsfields behandelnder Arzt gibt dem im Koma liegenden Mann ein unerprobtes Medikament, das fatale Folgen hat. Hartsfield kann plötzlich wieder sprechen und mühsam gehen, vor allem aber kann er die Kontrolle über den Geist anderer Menschen übernehmen.

Und das will er weidlich nutzen, um den Massenmord, an dem er einst gehindert wurde, doch noch zu begehen. Hartsfield hat die Macht über seinen Arzt übernommen und über diesen Strohmann Tausende Exemplare einer erfolglosen Spielekonsole gekauft. Diese Konsolen benutzt er als Hypnose-Maschinen. Sein Ziel ist, Tausende von jungen Menschen in den Selbstmord zu treiben. Er verschickt die Konsolen, die Selbstmord-Epidemie beginnt. Und wer Hartsfield, in welchem Körper er sich auch gerade befindet, in die Quere kommt, wird ebenfalls gezwungen, sich das Leben zu nehmen.

Wie Stephen King in diesem Buch die Handlungsstränge zusammenhält und schließlich zu einem gewaltigen Showdown führt, ist außerordentlich gut gemacht. Der Einfluss des Übersinnlichen ist vorsichtig dosiert, es überwiegt die Kriminal-Story in diesem Roman. Aber King bringt gerade genug Unheimlichkeit in die Geschichte, um seine Ur-These wieder einmal zu beleben: Das Böse existiert, und auch das Übersinnliche – und es kann dann plötzlich und unerwartet in die Realität einbrechen und alles verändern. King zitiert sich auch wieder selbst, das macht er ebenfalls so perfekt wie kaum ein anderer Autor. In „Mind Control“ gibt es Anspielungen auf „Carrie“, es tauchen Figuren aus „Feuerkind“ und anderen Romanen auf. Stephen King hat ein Universum geschaffen, in dem es nicht nur wiederkehrende Themen und Gestalten, sondern auch grundsätzliche Überzeugungen gibt. Zum Beispiel, dass es das Böse wirklich gibt und dass es unsterblich ist – bekämpfen muss man es dennoch.

Dieses Motiv findet sich natürlich auch in „Mind Control“. Für den alten Polizisten Bill Hodges endet die Geschichte tragisch: Er stirbt an Krebs. Ein natürlicher Tod – trotz allem.

Autor und Werk

Stephen King (68) gilt als „Meister des Horrors“. Bekannt wurde er vor allem durch übersinnlichen Spuk wie „Es“ und „Friedhof der

Kuscheltiere“. Das machte ihn zu einem der

erfolgreichsten Autoren der Gegenwart.

„Mind Control“ ist nach den in den vergangenen Jahren publizierten „Mr. Mercedes“ und „Finderlohn“ der dritte Band einer Thriller-

Trilogie.

„Mind Control“

von Stephen King. Heyne Verlag,

528 Seiten, 22,99 Euro

Jürgen Feldhoff

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