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Kultur Das Gedächtnis ist blau: Weltliterat Urs Widmer gestorben
Nachrichten Kultur Das Gedächtnis ist blau: Weltliterat Urs Widmer gestorben
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00:00 04.04.2014
Der Schriftsteller Urs Widmer starb mit 75. Quelle: dpa
Zürich

„Kein Schriftsteller, der bei Trost ist, schreibt eine Autobiographie“. Dieser Satz stammt aus den Erinnerungen des Schweizer Schriftstellers Urs Widmer, die 2013 unter dem Titel „Reise an den Rand des Universums“ erschienen. Er steht beispielhaft dafür, wie in seinem Werk Humor und Ernst Hand in Hand gehen.

Am Mittwoch ist der Autor im Alter von 75 Jahren nach schwerer Krankheit in Zürich gestorben. Er gehörte zu den großen deutschsprachigen Literaten. Der Literaturkritiker Marcel Reich-Ranicki, der im vergangenen September starb, hatte Widmer bereits 1992 als „Weltliteraten“ bezeichnet. Widmer selbst stellte selbstironisch das eigene Schreiben in Frage und gab seinen Frankfurter Poetikvorlesungen 2007 den lapidaren Titel „Vom Leben, vom Tod und vom Übrigen auch dies und das“.

In seinem erfolgreichsten Theaterstück „Top Dogs“ (1996) schickte der Schriftsteller entlassene Manager in ein Arbeitslosenseminar. Wie Shakespeares Macbeth können sie nicht von der Macht lassen und strampeln sich ab, um ihren Platz in der Gesellschaft wieder zu finden. Widmer zeigt sich in diesem Stück als feinfühliger Sezierer der menschlichen Psyche im tragikomischen Stil eines Dario Fo.

Später hieß es, Widmer habe hier die Bankenkrise vorweggenommen, die auch in seinen Stücken „Das Ende vom Geld“ und „Münchhausens Enkel“ (beide 2006) eine Rolle spielt.

Das Erinnern nimmt in Widmers Werk einen großen Stellenwert ein, das Gedächtnis ist bei ihm blau. In seiner fulminanten Erzählung „Der blaue Siphon“ (1992) wird die Farbe zum Leitmotiv der persönlichen Vergangenheit. Eine blaue Siphonflasche führt den Erzähler im Traum in seine Jugend zurück, in der jene Flasche wie eh und je im Regal seiner Eltern steht.

Die Heimatstadt Basel teilen sich Ich-Erzähler und Autor. Die Wiesen und Wälder drum herum beschreibt Urs Widmer in seiner märchenhaften Erzählung dabei wie ein Sagenland. Nina May



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