Menü
Ostsee Zeitung | Ihre Zeitung aus Mecklenburg-Vorpommern
Anmelden
Kultur Das Gesamtwerk des Filmemachers Konrad Wolf liegt vor
Nachrichten Kultur Das Gesamtwerk des Filmemachers Konrad Wolf liegt vor
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
Schlagersängerin Ingrid „Sunny“ Sommer (Renate Krößner) bei ihrem Soloauftritt.. Quelle: DEFA-Stftung/Dieter Lück
Berlin

Als „Philosoph innerhalb des Ensembles bedeutender DDR-Regisseure“ bezeichnet René Pikarski von der DEFA-Stiftung den Filmemacher Konrad Wolf (1925-1982). Jetzt liegt das vielfältige Gesamtwerk des Regisseurs erstmals auf DVD vor: „Konrad Wolf – Alle Spielfilme 1955 bis 1980“ ist die neue Box betitelt, die 14 Filme umfasst.

Heute ist Konrad Wolf besonders durch sein Spätwerk in Erinnerung geblieben. „Solo Sunny“, 1979 gedreht, war „frech und emanzipatorisch“, urteilt René Pikarski heute. Der Film zeigte, wie eine junge Schlagersängerin ihren Weg durchs Leben sucht und sich dabei sehr selbstbewusst auch gegen Bevormundung und Heuchelei positioniert. Die von Renate Krößner verkörperte Sunny suchte und fand ihren Weg. Als einer der wenigen Streifen von Konrad Wolf ist dieser Film noch häufig im Fernsehen, die cineastische Adelung fand auf der Berlinale 1980 statt. Dort gab’s für den Streifen den Filmkritikerpreis, für Hauptdarstellerin Renate Krößner einen Silbernen Bären. Heute zeigt „Solo Sunny“ auch ein realistisches Bild vom Lebensgefühl und den Lebensbedingungen in der DDR der späten siebziger Jahre.

Die Filme in der DVD-Box sind eine Wiederentdeckung wert. Mit „Professor Mamlock“ hatte Konrad Wolf 1961 das Schauspiel seines Vaters Friedrich Wolf aus dem Jahr 1933 verfilmt. Noch heute ist dieser Film eine „einprägsame Warnung vor der hochmütigen Missachtung eines heranwachsenden totalitären und menschenfeindlichen Regimes“, so René Pikarski. Auch sein eigene Lebensgeschichte verarbeitete Konrad Wolf: „Ich war neunzehn“ (1967) spiegelt die eigene Kriegserfahrung wider, denn schließlich war Konrad Wolf als Soldat der Roten Armee an der Befreiung Nazideutschlands beteiligt.

Eine Entdeckung in dieser Box stellt eine Klassikerverfilmung dar, nämlich „Der kleine Prinz“ nach der gleichnamigen Erzählung von Antoine de Saint-Exupéry. Weil die Urheberrechte zwischen der DEFA und den Erben des Autors lange ungeklärt blieben, wurde diese Verfilmung von 1966 nur sehr selten gezeigt und verstaubte in den DEFA-Archiven. „Ich habe 50 Jahre gewartet, dass ich ihn sehe und dass er gesehen wird“, beklagte sich auch Darstellerin Christel Bodenstein, die darin die Rolle des Prinzen gespielt hatte. Die Schauspielerin hatte die Hauptrolle übrigens von Konrad Wolf (der zu diesem Zeitpunkt ihr Ehemann war) zum Geburtstag geschenkt bekommen. Das berichtet Christel Bodenstein in einem Interview, das ebenfalls auf der DVD zu sehen ist. Erst seit dem Ablauf der Urheberrechte im Jahr 2015 ist dieser Konrad-Wolf-Film einem großen Publikum zugänglich, so fand „Der kleine Prinz“ Eingang in diese Box. Stilistisch ist der Streifen eine absolute Ausnahme im Werk von Konrad Wolf, ein vor fantasievollen Kulissenlandschaften inszeniertes existenzialistisches Märchen.

Dagegen waren Filme wie „Sonnensucher“ (1958) oder „Der geteilte Himmel“ (1964) mehr dem Realimus verpflichtet. Beide Streifen spielten in der frühen DDR und behandelten auch ihre Konflikte. Die Handlung von „Sonnensucher“ war in einem Uranbergwerk der SDAG „Wismut“ angesiedelt. „Wegen der damals sich zuspitzenden globalen Diskussion um die atomare Aufrüstung von Ost- und Westmächten war die freizügige Sicht auf den Abbau und die Weiterverarbeitung des chemischen Elements plötzlich jedoch unerwünscht“, erläutert René Pikarski den zeitgeschichtlichen Hintergrund. „Sonnensucher“ kam darum erst 1972 auf die DDR-Kinoleinwände. Mit der Verfilmung des Christa-Wolf-Romans „Der geteilte Himmel“ hatte Konrad Wolf ein damals brandaktuelles Thema aufgegriffen - die Auswirkungen des geteilten Deutschlands auf viele Lebensläufe. René Pikarski bezeichnet diesen Film darum heute als einen „dauerhaften Streitpunkt im öffentlichen Spielplan der DDR-Kinos“.

Diese Filme zeigen auch das Ringen eines Künstlers um kritische Auseinandersetzung mit der Wirklichkeit, die nicht immer gelang. „Doch nichts war für den Filmemacher wirkungsvoller, als dem Zuschauer nur genau so viel mitzugeben, wie er auch braucht, um sich selbst für eine Antwort zu qualifizieren,“ sagt René Pikarski über das Wollen von Konrad Wolf. Diese 14 Filme sind seine künstlerische Hinterlassenschaft, der Filmemacher starb 1982 mit 56 Jahren an Krebs.

Thorsten Czarkowski

Mit 67 geht es noch mal steil bergauf: Phil Collins macht im Juni 2019 auf seiner „Still Not Dead Yet Alive“-Tour in fünf deutschen Stadien Musik

26.11.2018

Seine drei großen Themen sind historische Persönlichkeiten, Sex und die Zerstörung der Erde: Am 2. Dezember wird der US-Kultautor T. C. Boyle 70 Jahre alt.

26.11.2018

Kostbare „Sonnenblumen“: Warum der NDR ein Gemälde von Emil Nolde kauft, das ihm vor 40 Jahren gestohlen wurde – und das Bild bald in Hannover zu sehen sein wird.

26.11.2018