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Kultur Das Jahr 1968 in Ost und West
Nachrichten Kultur Das Jahr 1968 in Ost und West
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00:08 14.04.2018
Szene aus dem Film „Ich war neunzehn“ mit Jaecki Schwarz als jugendlicher Kriegsheimkehrer Gregor (r.) FOTO :DEFA-STIFTUNG/WERNER BERGMANN

Ein Paar steht während des Filmes auf und verlässt den Kinosaal des Lichtspieltheaters Wundervoll (Liwu) in Rostock. Es läuft „Die Artisten in der Zirkuskuppel:

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Die Universität Rostock präsentiert und diskutiert in einer Filmreihe im Liwu die Ästhetik der APO-Zeit.

ratlos“ (1968) von Alexander Kluge. „Das ist ja nicht auszuhalten“, murmelt der Mann. Sie schüttelt den Kopf. Dabei hatte die Studentin Julia Kuhn das Publikum in ihrer Einführungsrede davor gewarnt:

„Das ist kein Film, bei dem Sie sich in Ruhe zurücklehnen können“, hatte die angehende Medienwissenschaftlerin erklärt. „Setzen Sie sich und lassen Sie den Film auf sich wirken.“

Kuhn ist eine der 20 Studierenden der Uni Rostock, die sich ein halbes Jahr mit Filmen aus der Bundesrepublik und der DDR in den 60er-Jahren beschäftigt haben. Ziel war es, einen Einblick in die Film- und Fernsehproduktion im Jahr 1968 zu erhalten und die sozialpolitischen Einflüsse der Zeit auf diese zu analysieren. Anlass ist der 50. Jahrestag der revolutionären Ereignisse von 1968 – dem Jahr des Aufbruchs und der Rebellion. Diese Eindrücke teilen die Studenten in einer sechsteiligen Filmreihe mit dem Kinopublikum. Kluges Film bildete den Auftakt.

Als das Licht nach 90 Minuten wieder angeht, ist es still im Saal. Florian Wobster, Philosoph und Kluge-Kenner erklärt: „Der Film ist ein Objekt der geistigen und ästhetischen Anstrengung.“ Der Zuschauer balanciere auf einem dünnen Seil zwischen Spaß und Überforderung. „Das lässt sich mit Kluges besonderer Definition vom Filmemachen erklären“, ergänzt Vincent T. Pauval, Mitarbeiter in Kluges Produktionsfirma. Jede Sekunde eines Filmes bestehe aus 24 Bildern. Auf jedes Bild folge eine Pause. „Mit diesen Pausen spielt Kluge“, so Pauval. Diese könne der Zuschauer mit eigenen Assoziationen füllen. Eine junge Frau erzählt, wie interessant sie den Film findet, wie experimentell er auf sie gewirkt habe: „Einzigartig“, meint sie. „Das war damals völlig normal“, erwidert ein älterer Herr. Für die Zeit sei der Film sogar spannend erzählt. „Solche Filme hat es zu Dutzenden gegeben, viele waren unverständlicher als dieser“, erzählt er. Zuschauer und Experten tauschen Fragen und Eindrücke aus.

In der Reihe „Das Jahr 1968 in Ost und West“ werden bis 15. Mai dienstags fünf Filme im Liwu gezeigt. Zur Vorführung von „Ich war neunzehn“ von Konrad Wolf am 17. April wird der Hauptdarsteller und ehemalige „Polizeiruf 110“-Kommissar Jaecki Schwarz erwartet.

Und wer sich vor experimentellen Filmen – wie denen von Alexander Kluge – scheut, müsse keine Angst haben, verspricht Dozent Räder lächelnd: „Die nächsten Filme sind leichter verdaulich.“

Filme und Gespräche

17. April: „Ich war neunzehn“ von Konrad Wolf mit Jaecki Schwarz.

24. April: „Zur Sache Schätzchen“ von May Spils mit Bernhard Marsch, Filmclub Köln.

1. Mai: „Heißer Sommer“ von Joachim Hasler mit Chris Doerk.

8. Mai: „Mord in Frankfurt“ von Rolf Hädrich mit Dr. Julia Schumacher Uni Hamburg.

15. Mai: „Wege übers Land“ von Martin Eckermann mit Filmemacherin Uta Rüchel, Liwu Rostock (Barnstorfer Weg 4) ab 19 Uhr.

Yesim Kargin

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