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Das Lachen der Hoffnung

London Das Lachen der Hoffnung

Der Film „Rabbi Wolff“ über den langjährigen Landesrabbi von MV kommt in die Kinos: die Geschichte eines großen Lebens.

London. /Schwerin. „Egal, wo auf der Welt wir den Film zeigten — ob in Berlin, Peking, Toronto, New York oder Johannesburg: Die Festivalsäle haben bei Willy Wolffs Worten stets vor Gelächter gebebt.“ So erinnert sich Britta Wauer (41) an ihren Dokumentarfilm „Im Himmel, unter der Erde“ von 2010 über den Jüdischen Friedhof Berlin-Weißensee. Damals hatte die Berliner Filmemacherin den Landesrabbiner Mecklenburg-Vorpommerns als kundigen Erzähler zur Mitwirkung gewonnen. Und schnell gespürt, dass sie über diesen kleinen großartigen Mann einen eigenen Film machen musste.

Diesen Donnerstag nun startet das neue, auch mit Mitteln der kulturellen Filmförderung MV entstandene Werk in den deutschen Kinos: Ein abendfüllender Dokumentarfilm, liebevolles Porträt des heute 89-Jährigen und seines bewegten Lebens, das Unterhaltung und Hintersinn, Einfachheit und Weisheit verbindet. „Rabbi Wolff“ ist der schlichte Titel, aber die Nebentitel haben es in sich: „Ein Gentleman vor dem Herrn“ und — noch besser — „der neue Film über den ungewöhnlichsten Rabbi der Welt“. Vielleicht kann kaum einer diesen Vergleich beurteilen — aber sicher wird dem niemand, der William Wolff in Schwerin, Rostock, Greifswald oder anderswo in MV kennengelernt hat, widersprechen wollen.

Der Film zeigt ihn schmunzelnd oder feixend, selbst in diesen Momenten Lebensklugheit verbreitend. Man sieht William Wolff beim Fasten oder bei seiner Yoga-Gymnastik, beim Bad in der Ostsee oder schlummernd auf einer Gartenschaukel. Oder mit einer Vertrauten, Kathleen Egleton, bei den traditionsreichen Pferderennen und -wetten von Royal Ascot: „Ascot im Juni ist einer der Höhepunkte meines Jahres“, sagt William Wolff. „Ich setze immer auf die Pferde, die die bekanntesten Jockeys haben.“

Oder man erlebt den Rabbi zwischen seinen Büchern, die in Regalen oder als abenteuerliche Stapel praktisch die komplette Innenarchitektur seines Hauses in der Nähe von London ausmachen. Bücher als Herzenssache: „Es gibt im Englischen einen Ausspruch: Das Zuhause ist, wo das Herz ist. Und bei mir ist das Zuhause, wo die Bücher sind“, erklärte er mal im Interview mit der OSTSEE-ZEITUNG.

England blieb Wolffs Zuhause auch in den 13 Jahren, in denen er Landesrabbi in MV war. Noch gut kann sich Juri Rosov, der Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde in Rostock, an Wolffs Amtsantritt 2002 erinnern: „Wir erwarteten eigentlich einen jüdischen Rabbiner, mit großem Bart und so weiter, und dann kam ein englischer Gentleman.“

Hier im Lande hat Wolff vielfältige Spuren hinterlassen: mit seinen Auftritten und Vorträgen, bei Gottesdiensten, Hochzeiten, Einweihungen von Synagogen, im Gemeindeleben der rund 2000 Juden in MV.

Und weit darüber hinaus in den Herzen vieler Menschen. Überall fand er positives Echo: Die Universität Greifswald machte ihn zum Ehrendoktor (2006), die Bundesrepublik verlieh ihm ihr Verdienstkreuz (2007), die Landeshauptstadt Schwerin machte ihn zum Ehrenbürger (2014).

Viel Ehre in einem Land, das der Jude William Wolff einst verlassen musste. 1933 war das, da floh der gebürtige Berliner mit seinen Eltern und Geschwistern aus Deutschland vor den Nazis. Seinen Kinderwunsch, Rabbi zu werden, musste er lange zurückstellen, studierte erst mal Nationalökonomie, wurde in London renommierter Journalist, bereiste mit britischen Spitzenpolitikern China, die Sowjetunion und europäische Staaten, war mehrmals Gast im deutschen Fernsehen beim „Internationalen Frühschoppen“.

Viel später erst, mit 53 Jahren, kam er auf den Kindheitstraum zurück und begann eine Rabbiner-Ausbildung am Londoner Leo-Baeck-College. 1984 erhielt er die Ordination, wirkte in Gemeinden in West London und in Wimbledon, wurde schließlich vom Zentralrat der Juden in Deutschland für ein Amt in seinem Geburtsland gewonnen. Als diese Amtszeit in Schwerin im vergangenen Jahr offiziell endete, ging er mit großem Bedauern: „Ich war sehr gerne hier und empfand es als Privileg und Ehre, dass ich einen Anteil am öffentlichen Leben hatte.“

Tief relgiös und doch voll diesseitiger Lebensfreude — so kommt Rabbi Wolff jetzt im Film herüber. Als ein Mann, der sich über Konventionen hinwegsetzt und in seinem Glauben große Toleranz ausstrahlt. Selbst innerhalb des Judentums ordnet er sich nicht eindeutig einer der drei Grundrichtungen zu. Ein Orthodoxer sei er nicht, sagt er. „In mancher Hinsicht bin ich mehr konservativ; in anderen Fragen, zum Beispiel, wer ein Jude ist, oder in der Frage der Konversion, würde ich mich eher als liberal bezeichnen. Mit einem Fuß stehe ich im einen Lager, mit dem zweiten im anderen.“ In einer Frage jedoch bleibt er unbeirrbar eindeutig — in der Hoffnung auf die Menschen: Dass sie fähig sind oder werden, in Frieden miteinander zu leben.

Von Dietrich Pätzold

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