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Kultur Das Leben als Balanceakt
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00:10 30.03.2016

Kleine schwarze Figuren, die über dünne Stangen aus Aluminium, Bronze, Messing oder Stahl balancieren, mit ausgestreckten Armen versuchen, das Gleichgewicht zu halten, um nicht herabzustürzen — die Arbeiten von Hubertus von der Goltz sind greifbar, die Botschaft ist klar: Das Leben, es ist ein ständiger Balanceakt. 23 Werke des Künstlers sind bis zum 1. Mai in der Galerie Peters-Barenbrock in Ahrenshoop zu sehen.

Mal ist es ein Aluminiumrohr, das sich wegesgleich in Kurven windet, mal eine Stange aus Bronze, die steil bergauf führt, dann wieder ineinander verschlungene geschwärzte Aluminiumrahmen oder andere geometrische Formen, auf denen eine oder mehrere Figuren balancieren. Mal wirken sie wackelig, unsicher und allein, dann wieder sind sie zu zweit, halten einander fest oder gehen aufeinander zu.

„Überquerung“, „Balance“ oder „Begegnung“ lauten die Titel. Die schwarzen Figurensilhouetten — die kleinste ist knapp zwei Zentimeter groß und hauchdünn — sind zwar greifbar, lassen aber trotzdem Spielraum für Interpretation.

„Es geht immer um unser menschliches Leben. Darum, wie wir es gestalten. Zum Beispiel, bin ich allein, schaffe ich es allein? Um das Thema Mann und Frau, aber auch darum, wie wir uns gegenseitig begegnen. Deswegen war das Thema noch nie so aktuell wie heute“, sagt Sabine Peters-Barenbrock im Hinblick auf die aktuelle Flüchtlingssituation.

Der Balanceakt, er ist demnach sowohl als Metapher für die Schwierigkeiten im menschlichen Miteinander zu sehen, beschreibt aber zugleich den Daseinskampf jedes Einzelnen in den Irrungen des täglichen Lebens.

Die Ausstellung zeigt Werke des Künstlers, die zwischen 1997 und 2015 entstanden sind. Der Titel der Ausstellung „To the roots“ beschreibt die neuesten Arbeiten des Künstlers, bei denen er sich auf die Suche nach den eigenen Wurzeln macht. Dargestellt wird dies durch Gewächse, die auf den ersten Blick anmuten wie Bäume, deren Wurzeln man gekappt hat. Im scheinbaren Geäst balancieren wieder die silhouettenartigen Gestalten. Erst beim Titel „Im eigenen Wurzelwerk“ wird deutlich, dass von der Goltz mit den Sehgewohnheiten des Betrachters spielt, indem er den Baum auf den Kopf stellt, sodass sich das scheinbare Geäst als Wurzelwerk entpuppt. Der Begriff Balance passt auch hier. „Er wird erweitert auf den Menschen und sein Verhältnis zur Natur“, sagt Peters-Barenbrock.

Seit 25 Jahren betreibt sie nun ihre Galerie. Seit 24 Jahren arbeitet sie mit Hubertus von der Goltz zusammen. „Zum Jubiläum wollte ich einige meiner engsten und liebsten Weggefährten zeigen“, sagt sie.

Spektakulär sind auch dessen Arbeiten an Hauswänden, Hochhäusern oder historischen Türmen in aller Welt. Die vier balancierenden Figuren im sozialen Brennpunkt Berlin-Hellersdorf haben es der Galeristin besonders angetan: „Die Perspektive verändert sich, je nachdem, von welcher Seite man es betrachtet.“ Und: „Es ist ein Kunstwerk, das nicht elitär und abstrakt ist, sondern die Menschen berührt, gerade in einem sozialen Brennpunkt.“

Ausstellung: bis 1. Mai, Galerie Peters-Barenbrock, Ahrenshoop, Hafenweg

Von Stefanie Büssing

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