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Kultur Das Nichts vor der Kamera
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00:00 09.06.2017
Landsdorf

Zwei Hunde und ein Knochen – mehr brauchen Mark Pepper und Thomas Woll nicht, für ihre raumgreifende Installation. Damit füllen sie einen ganzen Park, so wie derzeit hinter dem Gutshaus Landsdorf bei Tribsees. Dort stehen ein grotesk vergrößerter Königspudel und, nicht weit entfernt, ein ebenso voluminöser Labrador, dazwischen ebenso absurd vergrößert ein riesiger Knochen. Wobei voluminös das falsche Wort ist: die Figuren sind aus Stahlrohr gebogen und verzinkt, das Material ist als solide Handwerksarbeit verschweißt und grau patiniert. Wie überdimensionale Bleistiftzeichnungen stehen sie auf dem grünen Rasen und zeichnen sich als Silhouetten vor Büschen und Bäumen ab.

Wobei auch das nicht stimmt, denn die Figuren haben die Tendenz zu verschwinden. Die Besucher begehen erfreut die Installation, doch wenn sie zum Abschluss des Besuchs ein Erinnerungsfoto machen, ist buchstäblich nichts auf dem Bild. Landschaft ja, aber keine Figuren. Den beiden Künstlern gefällt dieser Effekt außerordentlich. „Wir bitten die Besucher, die Skulpturen zu fotografieren und das Nichts mit nach Hause zu nehmen“, scherzt Mark Pepper. Er und sein künstlerischer Partner Thomas Woll berichten belustigt von den Nöten ihres Galeristen, der potenziellen Käufern keine Abbildungen dieser Werke zeigen kann, jedenfalls nicht solange sie in freier Natur stehen. Denn vor dem Hintergrund eines Parks werden die Konturen der nur aus Linien bestehenden und geradezu filigranen Objekte unsichtbar.

Das funktioniert allerdings auch im urbanen Raum. Ursprünglich standen die Hunde und der Knochen auf dem Dach eines Parkhauses in Düsseldorf. Dort leben die Künstler. Woll stammt aus Süddeutschland, Pepper ist gebürtiger Rostocker, beide sind Jahrgang 1971. Pepper verließ 1997 Hansestadt und Bundesland nach einem Architektur-Studium in Wismar. Er studierte nochmals an der Kunstakademie Düsseldorf, wo er Woll begegnete. Ihr Hunde-Ensemble ist ein bissiger Kommentar auf ihre künstlerische Wahlheimat Düsseldorf. Der Königspudel spielt auf die Königsallee an, die Flaniermeile der Stadt, auf der frisierte und sogar pedikürte Pudel zur Schau ausgeführt werden. Den Labrador setzten die beiden als markiges Pendant entgegen. Hunde und Knochen platzierten sie auf dem Parkhaus, das zumindest optisch als eine Art Scharnier zwischen Pracht und Elend Düsseldorfs fungiert. Von seinem Dach aus blickten die Metall-Hunde sowohl in die Prachtstraße als auch in Straßen, in denen Prostituierte stehen.

Düsseldorf ist auch das Bindeglied zwischen den Künstlern und Landsdorf. Denn das kunstsinnige Ehepaar Angela und Gerd Schäfer, das das Gutshaus und das dazugehörige Anwesen betreibt, lebte lange in Düsseldorf. Gerd Schäfer arbeitete für den Kunstverein der Stadt. In Landsdorf bei Tribsees laden sie nun regelmäßig zu Ausstellungen ein. „Wir lieben die Ironie“, sagt Gerd Schäfer und verweist auf eine weitere Installation weiter hinten im Park: kopulierende Draht-Hirsche. Die Installation von Pepper und Woll ist Teil einer Ausstellung über das Nichts, dem sich auch die Schau in dem winzigen Trafo-Häuschen mit Namen „Transfirmation“ auf dem Anwesen widmet. Dort begegnen dem Betrachter drei Reproduktionen wichtiger historischer Werke Japans, die auf den Kern des Buddhismus verweisen, zusammengestellt von der Kunsthistorikerin und Japan-Kennerin Bettina Klein. Die Schau mit den wenigen Exponaten bildet eine Kurzeinführung in den Zen-Buddhismus, dem es um die Erleuchtung im Hier und Jetzt geht. Dominantes Symbol ist der Kreis, der das Nichts umschließt. Die Skulpturen von Pepper und Woll als gezeichnetes Nichts passen vorzüglich dazu.

Matthias Schümann

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