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Kultur Das Unperfekte sorgt für einen heiteren Abend
Nachrichten Kultur Das Unperfekte sorgt für einen heiteren Abend
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09:11 15.07.2013
Don Quijote (l., Norbert Koch) und Sancho Pansa (Peter Dulke). Quelle: Thomas Hätzschel
Barth

Windmühlen wurden zum Sinnbild für den sinnlosen Kampf Don Quijotes. Das Cover des Programmheftes zeigt moderne Windräder. Nicht die einzige Änderung am Werk, aber der einzige Fingerzeig, der in die Gegenwart weist.

Es geht in der Barther Aufführung um Alonso Quesano, um jenen spanischen Edelmann also, der sich Don Quijote nennt und die Welt retten will. Jemand, der das goldene Zeitalter beschwört, ein Ritter von der traurigen Gestalt, der zwar guten Willens ist, aber keinen rechten Plan hat. „Die Tore des Wahnsinns haben sich für ihn geöffnet“, klagt Don Quijotes Haushälterin (Helga Weinhöfer), als die Wandlung ihres Herrn offensichtlich wird. Denn die Abenteuer, die der nunmehrige Ritter erlebt, sind nicht das, was sie zu sein scheinen. Riesen oder Windmühlen? Das ist nicht das einzige Problem.

Entweder sieht unser Held schlecht oder er ist vorübergehend geistig verwirrt. Trottelig, aber immer reinen Herzens.

Miguel de Cervantes‘ Romanvorlage (in zwei Teilen 1605 und 1615 erschienen) wurde für die Barther Bühne zurechtgestutzt (Buch und Regie Martin Schneider) und auch mit etwas Wortwitz aufgepeppt. Die Inszenierung der Vorpommerschen Landesbühne bringt Studenten der Theaterakademie Vorpommern mit Darstellern des Barther Amateur- und Jugendensembles zusammen, von einem manchmal improvisatorischen Charme lebt dieses Stück auch. Hauptdarsteller Norbert Koch, der einen etwas manischen Don Quijote gibt, und Peter Dulke, der den bauernschlauen Sancho Pansa verkörpert, tragen einen Großteil der Show weg, sie ragen auch darstellerisch heraus. Natürlich lässt sich vieles nur andeuten: Der Esel ist ein Fahrrad, das Pferd ist aus Holz und hat einen Stecken. Und die Bühne im Theatergarten (Kostüme und Bühnenbild Udo Klenner) besteht im Grunde aus zwei Schrägen, die universell den wechselnden Szenen dienen.

Ein Ritterroman ist Unterhaltungsliteratur, auch dieses Stück will eher nur unterhalten. Das bunte Treiben ist manchmal etwas krawallig geraten. Es ist das manchmal Unperfekte, das hier für einen heiteren Abend sorgt. Was allzu klamaukig gerät, wird anderseits mit gut einstudierten Kampf- und Fechtszenen wieder aufgehoben, dazu wird auch ein bisschen getanzt und gesungen. Ein zuweilen närrisches Treiben, irgendwo zwischen Monty Pythons „Ritter der Kokosnuss“ und Kindergeburtstag, sehr zur Freude der rund 300 Besucher.

Don Quijote wird im Handlungsverlauf geläutert. Er ist es, der mit seinem Idealismus immer wieder aus der Menge herausragt und auch jenen Zuschauern, die in alldem einen tieferen Sinn suchen, den Abend rettet. Das tut Don Quijote mit der etwas unerwarteten Poesie eines kämpferischen Träumers: „Diese Welt ist ein magischer Ort, manchmal schrecklich und manchmal wunderschön, aber es lohnt sich immer für sie zu kämpfen.“

„Don Quijote“ ist im Barther Theatergarten bis zum 24. August zu sehen. Aufführungen stehen jeweils montags, donnerstags und samstags um 20 Uhr auf dem Programm. Theaterkarten sind unter

☎ 03 82 31/66 380 erhältlich.

Thorsten Czarkowski

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