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Das Wahre hinter den Täuschungen — Satire feierte Premiere in Stralsund

Stralsund Das Wahre hinter den Täuschungen — Satire feierte Premiere in Stralsund

Es braucht nicht viel, um einen Menschen zu manipulieren. Die Schöpferin trägt enge Lederhosen, schwarze HighHeels und rekelt sich lasziv auf der Bühne.

Stralsund. Es braucht nicht viel, um einen Menschen zu manipulieren. Die Schöpferin trägt enge Lederhosen, schwarze HighHeels und rekelt sich lasziv auf der Bühne. „Ich habe dir ein paar Anregungen gegeben und du änderst dein ganzes Leben“, sagt Kunststudentin Evelyn (Anna Luise Borner) zu Adam (Marvin Rehbock), dem schüchternen Anglistikstudenten, der auf ihr Ansinnen hin Brille, lange Haare, Schmerbauch und Cordjacke gegen Kontaktlinsen, fesche Frisur, durchtrainierten Körper und Label-Lederjacke austauscht und zum „heißen Typen“ avanciert.

Davon, wie sie Adam als lebende Installation für ihre Diplomarbeit manipuliert, handelt das 2001 in London uraufgeführte Stück „Das Maß der Dinge“. Unter der Regie von Matthias Stier, Gastregisseur am Theater Vorpommern und Dozent an der Schauspielschule in Rostock, feierte die perfide Satire am Freitagabend in der St. Jacobi Kirche in Stralsund Premiere.

Im ausverkauften Gustav-Adolf-Saal umkreist Borner als berechnende Evelyn schonungslos der Öffentlichkeit zwischen zwei Publikumsblöcken preisgegeben, ihr Installationsobjekt. Katharina Faltner hatte ein Bühnenbild geschaffen, das mit wenigen Versatzstücken den Raum für Museum, Wohnzimmer und Schönheitsklinik darstellt.

Wie ein pedantisch ausgeleuchteter Seziertisch liegt der Ausstellungsraum da, in dem Evelyn am „menschlichen Fleisch bildhauerisch arbeitet“. Stier hat das Stück, das nach den Grenzen der Kunst und der Verantwortung ihrer Erzeuger fragt, in eigener Fassung aufgeführt. „Oft liegt die Wahrheit tiefer als vermutet. Man sollte wach bleiben für seine Mitmenschen“, erklärt der Regisseur. So versucht Evelyn einer oberflächlichen Gesellschaft mit ihren eigenen Mitteln einen Spiegel vorzuhalten — von Borner mit feinem Gespür für die hohe Komplexität der Figur gespielt. Rehbock verkörpert wunderbar den sich zwar selbst aufgebenden, aber doch nach moralischen Werten strebenden Adam.

Gibt es einen freien Willen? Die Inszenierung von Matthias Stier fasziniert und polarisiert mit unterschwelliger psychologischer, intellektueller und erotischer Spannung. Annemarie Bierstedt

OZ

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