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00:00 01.03.2013
Unter der Regie von Sarah Polley zeigen Seth Rogen und Michelle Williams, was es heißt, eine Beziehung zu führen: Take This Waltz. Quelle: Kool Film
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Dass nun, anderthalb Jahre später, Michelle Williams zusammen mit Seth Rogen erneut vor die Kamera tritt, um vom echten Leben zu zweit zu erzählen, ist gewagt. Die Regisseurin heißt diesmal Sarah Polley, der Film "Take This Waltz". Doch kann Wahrhaftigkeit unter neuen Vorzeichen in einem anderen Team ein zweites Mal gelingen?

Margot (Williams) sagt es gleich zu Beginn im Flugzeug: Sie hasst es zwischen zwei Sachen zu hängen, schon ein Anschlussflug ist ihr zu viel "Dazwischen". Daniel (Luke Kirby), ihr Sitznachbar im Flieger, hört zu - und bis zur Landung hat sich seltsame Vertrautheit zwischen ihnen eingestellt. Es ist eine dieser überraschenden Zufallsbekanntschaften, doch Margot hat es auf keinen Seitensprung abgesehen. Denn Lou (Seth Rogen), ihr Mann, ist viel zu nett, um ihm wehzutun, nur weil sie irgendwo in ihrem Leben steckengeblieben ist bei der Frage, was sie eigentlich will.

Als sie - das ist ja nicht verboten - ein Taxi teilen, der Fremde und sie, fragt er, ob sie zu scherzen beliebt, als sie ihre Adresse sagt. Sie wohnen in der gleichen Straße und das verkompliziert die Angelegenheit. Man läuft sich über den Weg oder will Margot, dass sie ihm begegnet? Sie wehrt sich gegen aufkommende Gefühle, die viel durcheinanderbringen würden. Schließlich ist sie nicht unglücklich verheiratet.

So passiert lange Zeit eigentlich gar nichts in Sarah Polleys "Take This Waltz". Die Regisseurin, die 2006 mit dem feinfühligen Demenzdrama "An ihrer Seite" debütierte, zeigt Gefühle, macht Unsicherheit sichtbar und den Zwiespalt greifbar. Womöglich definiert sie nur den Begriff "eigentlich". Denn eigentlich ist Margot doch ganz glücklich und eigentlich kann sie zufrieden sein.

Michelle Williams durchlebt als Ehefrau in Toronto, Polleys Heimatstadt, alles in ihrem Inneren, doch es ist so deutlich zu sehen. Die Luft flirrt, wenn Daniel und Margot nebeneinander laufen. Margot strauchelt in ihren hilflosen Versuchen, auf die Schnelle ihre Ehe mit Lou aufzufrischen oder wenigstens die Vertrautheit zu genießen. Sie wehrt sich, doch wie sie es auch dreht, der neue Unbekannte fährt den Punktsieg ein. Jede Minute miteinander wird zum fast bösartig intensiven Glück.

Während sich Polley in der ersten Hälfte und darüber hinaus viel Zeit lässt, den Schwebezustand zu bebildern, ohne viel zu (er)klären, überrascht sie mit einer völlig anderen Herangehensweise gegen Ende. Es gibt eine Entscheidung, und danach hat es Polley sehr eilig, die Moral von der Geschichte zusammenzufassen. Das tut sie auf derart überraschende Art, dass man den Film in Erinnerung behält, weil er sich abhebt von vielen Produktionen, die es beim Schönreden belassen.

Zudem wird in den letzten Minuten ein Gleichgewicht hergestellt zwischen den Protagonisten. Sarah Polley setzt sie in ein ausgeglichenes Verhältnis zueinander, und es ist nicht mehr nur Michelle Williams, die diesem ernsten Film über die Liebe seine Tiefe gibt. Dafür ein Kompliment an Sarah Polley für ihr Drehbuch - das für ihre Regie und Darstellerwahl hat man hoffentlich schon vorher herausgelesen.

teleschau

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