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Kultur Das große Nein im Namen der Menschlichkeit
Nachrichten Kultur Das große Nein im Namen der Menschlichkeit
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00:00 11.03.2013
Die Fabrikeigentümer bedrängen den Milliardärsohn (Ulrich K. Müller, r.), die gefährliche Gas-Produktion fortzusetzen. Quelle: Dorit Gätjen
Rostock

Eine schöne Überraschung war die Premiere „Gas“ am Wochenende am Volkstheater Rostock. Denn wer wusste noch, dass das Stück zur Katastrophe von Fukushima schon seit 95 Jahren existiert?! In Georg Kaisers Schauspiel geht es allerdings um Gas als Motor der Weltwirtschaft; nach einer verheerenden Katastrophe in seinem Gaswerk verweigert der Eigentümer, der Milliardärsohn, die Wiederaufnahme der Produktion: „Ein Mensch entscheidet — ein Mensch kann nur entscheiden: — nein! — nein! — nein!“

Doch nicht nur die Wiederentdeckung eines großen Theatertextes wurde im Theater im Stadthafen gefeiert. Regisseurin Sonja Hilberger gab ihm mit starken Szenen und eindrucksvollem Bühnenbild (Bühne und Kostüme: Hugo Gretler) frische Lebendigkeit. Die Inszenierung beginnt lebhaft mit einer hastenden Choreographie, die das Automatenhaft-Entfremdete der Industrieproduktion ins Bild setzt, stützt mit dieser Dynamik die folgenden Szenen und Dialoge übers Gas und die Menschlichkeit. Am Ende steht eine Choreographie, die auf die neue Entfremdung im Zeitalter von Smartphone, Freizeitindustrie und Burnout hinauswill.

Es ist ein Spiel mit durchweg eindrucksvollen Akteuren. Die Hauptrolle des Milliardärsohns macht Ulrich K. Müller zum vielschichtigen Ereignis: Als Mann, der am Fortschritt festhält, ihn aber menschlich und nicht ökonomisch definiert, wirkt er bald weise, bald naiv. Mit Logik, Vernunft und einer gehörigen Portion Traumtänzerei stellt er sich gegen ein System, das trotz aller Katastrophen seinen katastrophalen Weg weitergeht, am Ende gar das Militär einsetzt.

Mit Müller stehen zehn Schauspielstudenten der Rostocker HMT auf der Bühne: Judith Nebel, Kinga Schmidt, Matthias Kurmann, Hannes Schumacher, Moritz Stephan, Camilla Nowogrodzki, Emanuel Jessel, Varvara Popovkina, Joseph Bundschuh und Anja Willutzki. Meist in mehreren Rollen, leisten alle das Pensum einer Hauptrolle, hat jeder zudem ein großes Solo.

Gas gilt im Stück als Motor des Fortschritts, des Profits, der Rüstungsindustrie. Gerade mit dem Unterschied zur heutigen Atomenergie, mit der Abstraktion von den Nachrichten des Tages, liefert der alte Text ein fesselndes Denkmodell, der das Denken zum großen Vergnügen macht. Paradox agieren die Arbeiter: Seit der Milliardärsohn sie am Gewinn beteiligte, haben sie ihre Arbeit zur selbstzerstörerischen Arbeitshektik überhöht und sich selbst quasi zu Automaten-Menschen degeneriert. Aus dieser Entfremdung heraus fordern sie nach der Explosion trotz Hunderter Todesopfer die rasche Wiederaufnahme der Gasproduktion. Ein starker Stoff für Diskussionen, daher dringend empfohlen!

Termine: 6.,11., 25. April, Theater im Stadthafen, Rostock, Warnowufer 65.

Dietrich Pätzold

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