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Kultur „Das ist die Liebe, die dumme Liebe“
Nachrichten Kultur „Das ist die Liebe, die dumme Liebe“
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00:00 04.12.2017
Das Ensemble des Rostocker Volkstheaters inszeniert die Operette „Die Csárdásfürstin“ schillernd und spielfreudig. Quelle: Foto: Thomas Häntzschel/nordlicht
Rostock

Die Operette hat ihre besten Zeiten längst hinter sich. Eigentlich. Doch ihre besten Werke können begeistern. Eine solche lustvolle Feier, beherzt inszeniert, im Spiel reicher Klangfarben der Norddeutschen Philharmonie unter Volker M. Plangg, in Gesang, Schauspiel und Tänzen schillernd, bot das Volkstheater Rostock am Wochenende mit der Premiere „Die Csárdásfürstin“. Und die moderne, aber nie platt „modernisierte“ Inszenierung verwob alle Vorzüge, mit denen Emmerich Kálmáns Meisterwerk aus den Milieus des Varietés und des Hochadels zu den Top drei der Operettenwelt gehört, zu einer lebhaften Bühnenshow voll liebevoller Selbstironie: die Fülle bekannter Melodien mit Evergreen-Status, die aberwitzige Schwank-Handlung einer Liebesgeschichte mit angedeuteten Abgründen, die Lust am und auf das Theater selbst.

Im begeisterten Schlussapplaus für ein bestens aufgelegtes Ensemble stand Stephan Brauer (Regie und Choreographie) im knallrot karierten Anzug auf der Bühne und vereinte in seinem schrillen Outfit die optischen (und seelischen) Grundlinien seiner Inszenierung und Choreographie. Karos finden sich in den Schachbrettmustern der Schräglagen des Bühnenbildes wie in Kostümen (Mützen und Büstenhalter) in Ballett und Opernchor, während im grellen Kontrast zu diesen Schwarzweiß-Flächen erschütterter Rationalität eine überbordende Buntheit die Szene (Ausstattung: Manfred Breitenfelder) beherrscht: ein amüsantes Kostümfest, am auffälligsten im knallroten Frack, mit dem Roman Martin als umtriebiger Fürst Boni singend und schauspielerisch glänzt.

In Kálmáns Operette, uraufgeführt 1915 in Wien, deutet nichts darauf hin, dass bei ihrer Entstehung Europa im Ersten Weltkrieg zu explodieren begann. Untergründig vielleicht, indem gerade in schwerer Krise die Amüsierlaune der vom Krieg nicht Betroffenen als Tanz auf einem Vulkan zu berauschender Intensität getrieben scheint. Diese Intensität holt die Aufführung in die Gegenwart, als Appell, den Augenblick zu genießen und zu nutzen. Dass dazu Mut gehört, zeigt die Handlung. Edwin (James J. Kee), Spross aus fürstlichem Hause, hat zwar seine Liebe Varieté-Star Sylva Varescu, der Csárdásfürstin (Claudia Sorokina), bekannt gemacht und mit einem Heiratsversprechen besiegelt. Aber dann holt ihn Papa Leopold-Maria Fürst von und zu Lippert-Weylersheim (Franz Mewis mit Rosita Mewis als Fürstengemahlin) per Einberufungsbefehl nach Wien zurück, um die eingefädelte standesgemäße Ehe mit der Komtesse Stasi (lebhaft und brillant: Katharina Kühn) einzugehen. Und Fürstensöhnchen Edwin?

Hat kein Rückgrat, fügt sich dem Vater, so dass die Sache betrüblich ausgehen muss. Tut sie aber nicht, weil Edwin dank lustig-verwirrender Intrigenspiele seiner Freunde am Ende doch in den Armen seiner Csárdásfürstin landet (weil er es dann darf). Verstehe einer die Frauen!

Stephan Brauer lässt ein Feuerwerk raffinierter Ideen spielen. Die Kapelle liefert, zwischen Elan und Lust am schmalzigen Schönklang, einen hinreißenden Klangteppich für die emotionalen Berg- und Talfahrten sowie deren Abgründe. Der Opernchor erweist sich als witziger Schauspielakteur, das Ballett als Augenweide und unentbehrlicher Teil des Ganzen. Kleine Widerhaken, Minibotschaften und Gags hat Brauer in großen Mengen eingeflochten. Toller Abend.

Die Csárdásfürstin – ein Klassiker der Operette

Die Operette „Die Csárdásfürstin“ von Emmerich Kálmán ist seit der Uraufführung 1915 in Wien weltbekannt. Neben der „Fledermaus“ von Johann Strauss und der „Lustigen Witwe“ von Franz Lehár zählt sie zu den wichtigsten Werken der Operettengeschichte.

Weitere Termine:

„Die Csárdásfürstin“ ist am 7., 16., 23. und 25. Dezember im Großen Haus des Volkstheaters Rostock zu sehen.

Dietrich Pätzold

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