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Das schwierige Geschäft mit den alten Meistern

Maastricht Das schwierige Geschäft mit den alten Meistern

Es gibt Superreiche, die auf der Kunstmesse in Maastricht so gut wie jeden Betrag für einen richtig großen Altmeister hinblättern würden. Doch solche Werke sind rar. Manchmal wartet man 18 Jahre darauf.

Maastricht. Wer könnte denn hier ein UHNWI sein? Die Blondine im Pelzmantel? Oder eher die Schwarzhaarige mit dem knallroten Rock? Wahrscheinlich ist keine von ihnen ein UHNWI, ein Ultra-High Net Worth Individual oder frei übersetzt: eine Superreiche. Auf solche Besucher lauern jetzt in Maastricht wieder die Händler der TEFAF, der wichtigsten Messe für alte Kunst.

Die Galeristen wissen, was im aktuellen „Art Market Report“ der Messe steht: Die erfolgreichsten unter ihnen haben nur ganz wenige Kunden. Die Richtigen eben. Der Report schätzt auch, dass mittlerweile 38 Prozent des gesamten weltweiten Umsatzes mit Kunst auf die Kappe der UHNWIs gehen. Dabei handelt es sich um eine extrem kleine Gruppe - 1 Prozent aller Millionäre, nämlich die reichsten. Die anderen 99 Prozent sind nur HNWIs - High Net Worth Individuals. Ohne „Ultra“ davor. Und damit schon zweite Klasse.

UHNWIs sind nur am Alleredelsten interessiert. Es kann deshalb in Maastricht gar nicht teuer genug sein. Ein Gemälde des belgischen Surrealisten Paul Delvaux, „Le miroir“, das im vergangenen Monat bei Sotheby's in London für knapp zehn Millionen Euro versteigert wurde, soll jetzt in Maastricht schon 22 Millionen kosten.  

Auf alte Kunst spezialisierte Galeristen haben mit einem grundsätzlichen Problem zu kämpfen: Es kommt nichts mehr nach, denn es geht ausschließlich um Bilder von Toten. Ein wirkliches Spitzenwerk aufzutreiben, ist unter diesen Umständen schwierig. Konrad O. Bernheimer, Chairman der TEFAF-Bilderabteilung und Inhaber der Londoner Galerie Colnaghi, hat zum Beispiel 18 Jahre darauf gewartet, das Blumen-Stillleben des Barockmalers Roelandt Savery kaufen zu können, das er jetzt an seinem Stand hängen hat. „18 Jahre!“, wiederholt er. „Vor 18 Jahren hab' ich es zum ersten Mal an der Wand eines Speisezimmers gesehen.“ 

Zweitrangiges ist viel weniger gefragt. Deshalb ist der Markt für alte Kunst auch gar nicht so groß - er macht nur ungefähr zehn Prozent des gesamten Kunstmarktes aus. Viel, viel größer ist das Geschäft mit zeitgenössischer Kunst. Lebende Maler haben eben den großen Vorteil, dass sie noch Bestellungen entgegennehmen.  

In den letzten Jahren profitierten die Händler davon, dass die Nachfrage nach alter Kunst aus China stark zunahm. Reiche Chinesen sammeln begreiflicherweise in den seltensten Fällen mittelalterliche Darstellungen vom Kreuzestod Jesu. Sie wollen was aus dem eigenen Land, und da sind auch tatsächlich noch viele schöne Sachen zu finden, weil China noch nicht so abgegrast ist wie Europa.

Doch mittlerweile sind die Zuwachsraten der chinesischen Wirtschaft auch nicht mehr das, was sie mal waren, und dementsprechend ist die Nachfrage nach chinesischer Kunst gesunken. Unter anderem deshalb ist der Markt für alte Meister im vergangenen Jahr eingebrochen - minus 20 Prozent. In Maastricht spricht man in diesem Zusammenhang allerdings lieber von einer willkommenen „Abkühlung“.

Um einen UHNWI zu überzeugen, braucht man einen großen Namen. So wie Claude Monet, dessen „Landschaft in der Umgebung von Le Havre“ für 715 000 Euro bei Richard Green angeboten wird. Oder aber man muss sich etwas einfallen lassen. So wie Johnny Van Haeften, einer der Gründer der TEFAF, der dieses Jahr eine zweieinhalb Meter lange „Hochzeitsprozession“ von Maarten van Cleve anbietet.

Dieser Maarten van Cleve ist zwar nicht die erste Garde - das wäre Pieter Bruegel - aber das Gemälde ist eben riesengroß, perfekt restauriert und dazu noch vertont. Die Messebesucher können sich Kopfhörer aufsetzen und dann den Geräuschen des Bildes lauschen: Hundegebell, Mühlenklappern, Kirchengeläut und Dudelsackmusik. Das ist fast schon Altmeisterkino.

dpa

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