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Kultur Datenkrake unter Mordverdacht
Nachrichten Kultur Datenkrake unter Mordverdacht
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00:05 29.08.2016
OZ-Autor Lars Fetköter über den Tatort „HAL“ aus Dortmund

Ein Computerprogramm übernimmt die Macht: Der Stuttgarter „Tatort“ wagt sich ins Science-Fiction-Genre und entwickelt eine düstere Vision, in der sich eine selbstlernende Software über ihre Schöpfer erhebt und einen Mordverdächtigen ans Messer liefert. Das Experiment ist geglückt, „HAL“ ist ein fesselnder Film. Am Ende bleibt die Logik auf der Strecke.

Das Dilemma von Programmierer David Bogmann (Ken Duken) erinnert an Goethes Zauberlehrling. Seine Schöpfung namens „Bluesky“ saugt sich mit Daten voll und wird derart intelligent, dass sie sich immun gegen Eingriffe von außen macht – selbst gegen die Versuche ihres Entwicklers, das außer Kontrolle geratene System zu stoppen. Schön, wie sich Bogmann mit analogen Mitteln gegen die digitale Krake zur Wehr setzt: Er klebt Webcams zu und entwirft den Gegenangriff per Filzstift am Flipchart. Aber die Geister, die er rief, leiten längst sein Ende in die Wege.

In kühlen Bildern wird der „Tatort“ serviert mit Szenen aus der Computer-Perspektive: Betritt einer der Kommissare das Firmengebäude, liefert eine Scan-Sequenz Dienstgrad und Familienstand. Eine gelungene Abwechslung zur üblichen Krimi-Bildsprache. Regisseur und Autor Niki Stein tut gut daran, die privaten Nicklichkeiten zwischen Bootz (Felix Klare) und Lannert (Richy Müller) zu beschränken.

Das vielschichtige Verhältnis zwischen Bogmann und seiner Chefin (Karoline Eichhorn) wird gut in Szene gesetzt. Raffiniert ist die Sandwich-Konstellation: Auftraggeber von „Bluesky“ ist das LKA, das den Ermittlern Steine in den Weg legt. Am Ende wird es aber zu spooky: Als das SEK dem durchdrehenden Bogmann auf die Pelle rückt, erfindet „Bluesky“ eine weitere Person im Datenraum, was die Beamten zum schnellen und tödlichen Zugriff verleitet. Auf Anfrage liefert das Programm sogar den wirklichen Mörder ans Messer – über heimlich abgesaugte Videodaten einer Handykamera.

Hat jemand den Titel verstanden? „HAL“ ist eine Hommage an Regie-Legende Stanley Kubrick, der in „2001: Odyssee im Weltraum“ einen Computer HAL nannte. Eine Spielerei für Cineasten. Die Kapitelüberschriften („Vor dem Gesetz“, „Die Verwandlung“, „Der Prozess“) zitieren Kafka.

OZ

„Lachen, Singen, Freude bringen“, so heißt das Programm am Freitag, 2. September, ab 18 Uhr in der Kunstkapelle in Weitendorf bei Proseken. Benjamin Nolze ist zu Gast.

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