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125 Künstlerkolonie Ahrenshoop: Bilder und ihre Geschichten Dem Licht in der Natur begegnen

1914 malte Elisabeth von Eicken das Bild „Stimmung an der Fulge“

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Elisabeth von Eicken: „Stimmung an der Fulge“ (1914) REPRO: KUNSTMUSEUM AHRENSHOOP

Ahrenshoop. Direkt gegenüber vom Räucherhaus in Althagen, im Hafen von Ahrenshoop, steht die „Arche Noah“. Steigt man auf das hölzerne Spielgerät an dem kleinen Spielplatz im Hafen, hat man einen glänzenden Überblick über die Fulge. Häuser mit toller Aussicht über den Bodden reihen sich dort aneinander. Karl-Heinz Müller weist mit dem Finger auf das Panorama: „Dort wohne ich.“

OZ-Bild

1914 malte Elisabeth von Eicken das Bild „Stimmung an der Fulge“

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Ob ihm klar ist, dass er mitten in einem berühmten Bild wohnt? „Türlich“, sagt der 57-Jährige, der im Räucherhaus arbeitet, Fisch räuchert, Fischbrötchen belegt und verkauft. „Ich hab das Bild von Elisabeth von Eicken sogar als Druck von einem Kalender zu Hause hängen“, sagt er. Original wäre toll. „Tja, das wäre doll. Kann ich mir aber nicht leisten.“

Das Original des Bildes „Stimmung an der Fulge“ hängt Luftlinie vielleicht 1000 Meter weiter in der „Fischerwiege“. Das Hotel ist ein Hort ortsansässiger Kunst und gehört zur Gruppe „Romantik Hotel &

Café Namenlos und Fischerwiege“ der Ahrenshooper Familie Fischer. Eigentümer Roland Fischer (59) ist ein großer Bewunderer der Arbeiten Elisabeth von Eickens. In der Fischerwiege hat der Hotelier eigens ein Eicken-Zimmer einrichten lassen. Direkt neben dem Frühstückssaal mit Bildern von Paul Müller-Kaempff hängen Bilder Elisabeth von Eickens wie „Die Stimmung an der Fulge“ (1914) oder das Bild „Dornenhaus im winterlichen Tauschnee“, um 1893/94 gemalt. Fischer stuft Elisabeth von Eicken in Sachen Licht und Modernität als wohl bedeutendste Malerin der Künstlerkolonie ein. Auch Katrin Arrieta, Kuratorin im Ahrenshooper Kunstmuseum, betont das Licht im Werk der Malerin Elisabeth von Eicken (1862-1940): „Das ist ja ein ganz frisches Bild. Landschaft in natürlichem Licht auf unverkrampfte Art gemalt. Ein Landschaftsstück, das sehr viel vermittelt an Lokalkolorit der damaligen Zeit. Nicht überhöht, auch nicht spektakulär. Und das Schöne ist, dass man die Lichtstimmung auch immer wieder erkennt. Das ist sehr typisch für Elisabeth von Eicken, dass man die Lichtstimmungen in ihren Bildern heute auch noch erleben kann. Licht und Wetter sind ja die Dinge, die sich am wenigsten verändern in der Natur.“

Das Bild ist zwar das zweite der Malerin in der Reihe des Kunstpfades Ahrenshoop, der am 25. März am Kunstmuseum Ahrenshoop eröffnet wird.

Arrieta betont aber, dass man das genau so gewollt habe: „Wir wollten gern eine Szenerie haben, die am Althäger Hafen spielt. Weil wir diesen Hafen als ganz wichtige Station in den Kunstpfad aufnehmen wollten.“ Und dieses Bild sei ein leuchtendes Beispiel für dieses Motiv.

Insgesamt sind zehn Bilder von acht Malern der Künstlerkolonie auf dem Kunstpfad quer durch Ahrenshoop zu besichtigen. Der Ahrenshooper Kunstkenner, Autor und ehemalige Filmproduzent Alfried Nehring (78) wird Führungen über den Kunstpfad anbieten und Wissenswertes zu den Bildern und Malern vermitteln. Dabei sind zwei Bilder von Paul Müller-Kaempff und Elisabeth von Eicken und je eines von Hugo Jaeckel, Hans Emil Oberländer, Anna Gerresheim, Friedrich „Fritz“ Grebe, Carl Malchin und Dora Koch-Staetter.

Mit diesem Portfolio an Künstlern soll der Kunstpfad zum Jubiläum „125 Jahre Künstlerkolonie Ahrenshoop“ eingeweiht werden. Am Tag der Eröffnung beginnt in Ahrenshoop die Festwoche zum Geburtstag der Künstlerkolonie. Als Gründungsdatum gilt das Jahr 1892, als Paul Müller-Kaempff sich in Ahrenshoop fest niederließ und sein Haus baute.

Für Katrin Arrieta muss damit jedoch nicht Schluss sein. Der Kunstpfad könne jederzeit erweitert werden. Bilder von Malern wie Friedrich Wachenhusen, Karl Lorenz-Rettich oder späteren Künstlern wie Hans Kinder oder Edmund Kesting würden durchaus hineinpassen.

Auch überregional bekannte Künstler wie Marianne von Werefkin (1860-1938) mit ihrem Bild „Steilufer von Ahrenshoop“, das sich im Museo Communale de Ascona in der Schweiz in der Werefkin-Stiftung befindet, würde Arrieta gern in dieser Reihe sehen.

Elisabeth von Eicken stammt aus einer vermögenden Familie aus Mühlheim an der Ruhr. Das großbürgerliche Umfeld erlaubte es ihr, ins Ausland zu gehen. Sie studierte unter anderem in Paris, wurde von deutschen und französischen Impressionisten wie Max Liebermann oder Claude Monet und den Freilichtmalern der französischen Künstlerkolonie Barbizon um Théodore Rousseau geprägt, die sie auch besucht hatte. Bevor sie 1893 nach Ahrenshoop kam, hat Elisabeth von Eicken auch in Berliner Kunstkreisen gewirkt.

„Die Stimmung an der Fulge“ ist ein künstlerisches Glanzlicht der Freilichtmalerei. Elisabeth von Eicken ist vor allem durch ihre Waldbilder international bekannt geworden. Die Arbeit im Freien direkt am Motiv liest sich an den Bildern ab, die gerade bei dieser Malerin als permanentes Staunen über die Schöpfung und die Freude darüber, daran teilhaben zu können, zu verstehen ist. Im Bild an der Fulge ist im Licht- und Schattenspiel mit dem bedeckten Wolkenhimmel genau das zu sehen, was die Malerin in der Natur an der Fulge vorfand. Karl-Heinz Müller erklärt: „Man sieht einen Netzball der Fischer, Fässer mit Wasser zum Löschen, falls es mal brennt. Holzgestenge zum Trocknen der Reusen. Vom Schweinestall, der rechts im Bild zu erkennen ist, sind heute nur noch die Grundmauern übrig.“

So wie das auf dem Bild zu sehen ist, habe das vor 125 Jahren an der Fulge mal ausgesehen. Und das Licht kann man noch immer dort erleben.

Michael Meyer

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