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Den Zauber der masurischen Landschaft eingefangen

Berlin Den Zauber der masurischen Landschaft eingefangen

In seinem Band „Masuren — Land der Stille“ führt der Maler Hans-Jürgen Gaudeck seine Werke mit poetischen Landschaftsbeschreibungen zusammen

Berlin. Mit Stift und Staffelei hatte sich der Maler Hans-Jürgen Gaudeck nach Masuren aufgemacht. In seinem Gepäck lagen aber nicht nur die Malutensilien, sondern auch einige Werke von masurischen Schriftstellern: Ernst Wiechert, Arno Holz, Fritz Skowronnek und Arno Surminski. Sie sollten für dieses Projekt noch eine wichtige Rolle spielen.

Masuren — übrigens ein Wort, das gänzlich ohne Artikel auskommt — hat besonders in den Ohren der Deutschen einen Klang, für die diese Landschaft einst Heimat war. Denn nach dem Zweiten Weltkrieg erfolgte im Rahmen der neuen Nachkriegsordnung auch eine Teilung Ostpreußens. Der nördliche Teil ging an die Sowjetunion, wo um das ehemalige Königsberg die Exklave Kaliningrad entstand. Der südliche Teil Ostpreußens wurde nach 1945 Teil des polnischen Territoriums, damit auch Masuren. Die deutsche Bevölkerung war damals zu großen Teilen vor der heranrückenden Ostfront geflohen. Die zunächst dagebliebenen Deutschen mussten nach Kriegsende ihre Heimat verlassen — auch die masurische.

Eine Landschaft also, die in Deutschland immer noch mit vielen Erinnerungen und auch Emotionen besetzt ist. Dorthin führte der Weg von Hans-Jürgen Gaudeck. Und dort fand der Maler die geschwungenen Linien der in der Eiszeit geformten Moränenlandschaft vor, die dann zu den Motiven seiner Kunst wurden. Die fing der Künstler mit Stift und Pinsel ein, es sollte auch eine gemalte Liebeserklärung an die Landschaft werden. Die Spurensuche wurde für Gaudeck auch eine Motivsuche, so das Schloss Drogosze, das bis 1945 die Heimat der Familie von Dönhoff war, die Klosteranlage von Swieta Lipka oder der Philipponenfriedhof in Wojnowo.

Und dann die masurische Literatur. Bereits im eigens als Vorwort zu diesem Buch verfassten Text erklärt Arno Surminski den Zauber von Masuren: „Auffallend ist das Fehlen von Menschen“, schreibt Surminski hier. „Nicht dass Masuren ein menschenleeres Land wäre, aber die Bewohner nehmen sich zurück, gehen unter in der alles beherrschenden Natur.“

Der masurische Schriftsteller Ernst Wiechert (1887-1950) hatte 1939 ganz hingerissen die Naturschönheiten seiner Heimat in Worte gefasst. Er pries den masurischen Himmel mit folgenden Zeilen:

„Geschwader von Wolken zogen ruhevoll an seiner Wölbung entlang, aber selbst sie mühelos geordnet in dem unermesslichen Raum, und ihre schweren Schatten stießen sich nirgends auf den noch bräunlichen Feldern.“ Diese Texte begleiten im Buch die Werke von Hans-Jürgen Gaudeck; so sind es oft auch die Wolkenlandschaften, die hier den Künstler offenbar zu einem lockeren Pinselstrich animierten. Die Naturschönheiten inspirierten Hans-Jürgen Gaudeck zu manchmal hingetupft wirkenden Aquarellen.

Ein bisschen ist dies auch der Blick in eine eingefrorene Zeit; nur manchmal bilden Dörfer oder Kirchen den Kontrast zur Landschaft. Dazu gehört auch eine Flusslandschaft, die in dieser Gegend von der Krutynia gebildet wird, der „Königin der masurischen Flüsse“. Für seine weitgehend unberührte Natur bekannt ist inzwischen auch der Naturschutzpark Mazurski Park Krajobrazowy.

Masuren hat eine wechselvolle Historie und eine interessante Kulturgeschichte, dazu immer etwas Unsagbares oder Geheimnisvolles. In seinen eigenen Texten ist Hans-Jürgen Gaudeck auch „auf der Suche nach der masurischen Melancholie“, die sozusagen aus dieser Landschaft hervorsteigt. Oder wie der aus Masuren stammende Dichter Arno Holz (1863-1929) im Jahr 1898 in seinem Gedicht „Phantastus“

schrieb: „Über die Welt hin ziehen Wolken. Grün durch die Wälder fließt ihr Licht.“

Von Thorsten Czarkowski

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